Tankstellen in Deutschland: Autofahrer müssen längere Wege einplanen
Der Abwärtstrend setzt sich fort: Deutschlands Tankstellen werden weniger. Besonders in ländlichen Regionen bedeutet das Tanken immer weitere Wege. Die Branche sucht ihr Geschäftsmodell jenseits von Benzin und Diesel. Deutschland hat so wenige Tankstellen wie nie zuvor: 14.018 waren es im vergangenen Jahr – und damit 359 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist nicht dramatisch, aber er hält an. 1970 lag die Zahl noch bei über 46.000, Mitte der 1980er unter 20.000. Seitdem geht es stetig bergab. Dabei fahren immer mehr Autos über unsere Straßen. Wie kommt dieser Zwiespalt zustande? Weiße Flecken auf der Landkarte Steigende Kosten, stagnierende Margen: Für viele Betreiber lohnt sich die Zapfsäule nicht mehr – besonders auf dem Land. Kleinere Tankstellen schließen, übrig bleiben meist große Ketten mit Waschanlage, Bistro und Vollsortiment. Für Autofahrer bedeutet das: Der Weg zur nächsten Tankstelle wird immer länger. Besonders in dünn besiedelten Regionen wird das Tanken zur logistischen Aufgabe. Was früher beiläufig geschah, muss heute geplant werden. Mehr Kasse mit Kaffee als mit Kraftstoff Mit Benzin und Diesel lässt sich kaum noch Geld verdienen. Das Geschäft läuft im Shop – mit Kaffee, Snacks und teurer Limo. Was einst Flachmann und Mettbrötchen waren, sind heute Latte Macchiato und Lachsbagel. Die Regale bieten längst auch Salat, Obst, Käse und Wurst. Die Strategie: Während draußen (zumindest künftig) Strom ins Auto fließt, erledigt der Kunde drinnen seine Einkäufe. Das funktioniert bereits, aber nur zum Teil. Weniger als die Hälfte der Kunden greift zu. Und meist nur in Notfällen – wegen der hohen Preise. Und die ist man ja schon von der Zapfsäule gewohnt. Spritverkauf macht nicht reich Ein erheblicher Teil des Literpreises verschwindet allerdings in Steuern und Einkaufskosten. Dem Betreiber bleibt kaum mehr als ein paar Cent pro Liter – und davon muss er alles finanzieren: Vertrieb, Transport, Pacht und Personal. Viel Spielraum bleibt da nicht. Deshalb die hohen Preise für Brötchen und Eis an der Tanke. Doch die exorbitanten Spritpreise an der Autobahn haben einen ganz anderen Grund – und der wird Sie überraschen.
