A100-Verlängerung: Berliner Bürgermeister Wegner äußert sich zu Protesten
Durch Berlin führen nach der Freigabe des neuen A100-Abschnitts gut drei weitere Kilometer Stadtautobahn. An dem Mammutprojekt gibt es immer noch laute Kritik. Was sagt der Regierende Bürgermeister dazu? Kai Wegner war am Mittwoch einer der Redner, die auf der Feier zur Eröffnung des neuen Abschnitts der Berliner Stadtautobahn A100 die Vorzüge des Projekts priesen. Draußen vor dem Hotel "Estrel", in dem die Feier stattfand, versammelten sich 250 Gegner der Streckenverlängerung. t-online hat am Rande der Veranstaltung mit dem Regierenden Bürgermeister gesprochen. t-online: Herr Wegner, wie erklären Sie sich in Anbetracht des Protests, dass die A100-Verlängerung so unbeliebt ist? Bei großen Baumaßnahmen gibt es immer Diskussionen, auch kritische Stimmen. Es gibt aber auch viele Menschen, die dankbar für die Verlängerung der A100 sind. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Kritiker den Autobahnabschnitt nutzen wird und dann den Mehrwert erkennt. Viele Berliner fahren aber kein Auto. Und der öffentliche Nahverkehr ist unzuverlässig. Inwiefern können Sie nachvollziehen, dass diese Menschen lieber Investitionen in Bus und Bahn sehen würden? Es ist wichtig, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Die Bundesmittel für die Verlängerung der A100 hätten wir als Land Berlin nicht anders verwenden können. Hätten wir den Ausbau abgelehnt, hätten andere Bundesländer die finanziellen Mittel für den Ausbau ihrer Infrastruktur bekommen. Dann wären diese Mittel für Berlin verloren gewesen. Wir brauchen jedoch eine leistungsfähige Infrastruktur für den Individualverkehr und den Wirtschaftsverkehr in Berlin. Und was sagen Sie den Anwohnern, die ab sofort Lärm und Luftverschmutzung ausgesetzt sind? Die bisherige Situation war für die Anwohner ein Problem. Denn der Verkehr wurde bislang durch die Wohngebiete geführt, in denen Menschen leben und Kinder spielen. Genau diesen Verkehr ziehen wir jetzt auf die A100. Die Berlinerinnen und Berliner in den Wohngebieten werden enorm von dem Durchgangsverkehr entlastet. Und dennoch droht zunächst mehr Verkehr. Denn die Elsenbrücke an der nördlichen Abfahrt der neuen Teilstrecke wird gewartet. Die an ihrer Stelle errichtete Behelfsbrücke ist zu schmal für die vielen ankommenden Fahrzeuge. Bis Ende des Jahres wird die Elsenbrücke wieder dreispurig befahrbar sein. Dann wird der neue A100-Bauabschnitt seine volle Wirkung entfalten. Bis dahin versuchen wir, den Verkehr etwa über eine intelligente Ampelschaltung zu regeln, um die Auswirkungen des Nadelöhrs so gering wie möglich zu halten. Sie rechnen also nicht mit einer unmittelbaren Entlastung für den Verkehr? Der Abfluss des Autoverkehrs an der Elsenbrücke wird in den nächsten Wochen eine Herausforderung. Trotzdem wird ab sofort der Verkehr in den umliegenden Wohngebieten weniger. Für die Menschen dort ist die Freigabe des neuen A100-Abschnitts ein richtig guter Tag. Noch einmal zurück zu den Protesten: Im Hotel wird gediegen gefeiert, draußen wird lautstark protestiert. Wie gehen Sie mit dieser Situation um? Ich habe das anders wahrgenommen: Der Protest war sehr überschaubar. Ich habe mit vielen Mitarbeitern der Autobahn GmbH gesprochen, die sehr stolz auf das Projekt sind. Und ich bin überzeugt: Viele Berlinerinnen und Berliner werden den neuen A100-Abschnitt nutzen und sich freuen, dass sie nicht mehr durch die Wohngebiete fahren müssen. Außerdem hoffe ich, dass wir auch den einen oder anderen Kritiker davon überzeugen können, wie wichtig diese Baumaßnahme ist. Herr Wegner, danke für das Gespräch.