Minneapolis: ICE-Agent erschießt Frau in Auto
In Minneapolis erschießt ein ICE-Agent eine Frau in ihrem Auto. Die Behörde spricht von Notwehr und behauptet, einen Terrorakt vereitelt zu haben. In Minneapolis haben Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE eine 37-Jährige in ihrem Auto erschossen. Videos des Vorfalls zeigen, wie die Beamten die Frau auffordern, aus dem Auto zu steigen. Als sie versucht, davonzufahren, gibt ein Agent aus wenigen Metern mehrere Schüsse durch die Scheibe ab, zunächst von vorn, später auch durch ein Seitenfenster. Die Behörde erklärte, der Beamte habe in Notwehr gehandelt und einen "Terrorakt" verhindert. Auf den Videos ist zu sehen, wie die Agenten auf das stehende Fahrzeug der Frau zugehen. Das Fahrzeug steht – scheinbar als Teil einer Blockade – teilweise auf der Straße, teilweise auf einem Standstreifen. Die Beamten fordern die Frau auf, auszusteigen. Einer von ihnen versucht, sie durch das Fenster aus dem Auto zu zerren. Nach wenigen Sekunden versucht die Frau, der Situation zu entkommen, indem sie seitlich vorwärts davonfährt, ohne dabei auf einen Agenten zuzusteuern. Ein Agent, der schräg vor dem Fahrzeug steht, zieht seine Pistole und feuert zunächst durch die Frontscheibe, später auch durch die Seitenscheibe ins Fahrzeug. Insgesamt sind drei Schüsse zu hören. Das Auto rollt noch weiter, rammt dann andere parkende Fahrzeuge. Die Polizei erklärte, die Frau sei an einem Kopfschuss gestorben. Polizeichef Brian O'Hara sagte, die Frau sei gerade im Begriff gewesen, davonzufahren, als Schüsse auf sie abgegeben wurden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass ICE gegen sie ermittelte. "Ich bin mehr als besorgt darüber, dass eine Frau, die in ihrem Auto saß, um die Straße zu blockieren, und nicht Ziel irgendeiner Ermittlung war, jetzt tot ist." Trump-Sprecher: ICE-Agenten sind "Helden" Innenministerin Kristi Noem verteidigte das Vorgehen der Agenten. Diese seien mit ihren Fahrzeugen im Schnee stecken geblieben, als die Frau sie plötzlich attackiert habe, behauptete sie. Jacob Frey, der Bürgermeister von Minneapolis, widersprach dieser Darstellung. Die Notwehr-Erzählung sei eine "Müll-Geschichte". Frey forderte ICE auf: "Verlasst verdammt noch mal Minneapolis." Der Bürgermeister weiter: "Sie reißen Familien auseinander und bringen Chaos auf unsere Straßen." Die Stadt müsse jetzt "die beste Version ihrer selbst" sein: "Wir sind besser als ein Haufen ICE-Agenten, die in Städte im ganzen Land geschickt werden, um Familien und Gemeinden auseinanderzureißen." Er verstehe die Wut seiner Bürger. "Aber gebt ihnen nicht, was sie haben wollen." Minneapolis solle mit Liebe statt Hass reagieren. Das Weiße Haus reagierte mit einer Mitteilung, in der es die ICE-Agenten als "Helden" bezeichnete. Bürgermeister Frey nannte ein Sprecher von Präsident Donald Trump dagegen einen "Drecksack, der sich schämen sollte". Proteste am Tatort Nach dem Vorfall kam es zu Protesten am Tatort. Hunderte Menschen versammelten sich, skandierten Parolen gegen ICE und forderten den Abzug der Beamten aus der Stadt. Eine ICE-Operation in Minneapolis und St. Paul, an der nach Angaben des Heimatschutzministeriums mehr als 2.000 Bundesbeamte beteiligt sind, läuft seit mehreren Tagen. Ziel der Einsätze sind demnach Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Community. US-Medien diskutieren, ob der von den Behörden genannte Einsatzgrund als Vorwand für eine politisch motivierte Verschärfung der Einwanderungspolitik dient. Die Trump-Regierung schickt seit Monaten – oft gegen den Willen der Bürgermeister und Gouverneure vor Ort – ICE-Agenten in amerikanische Städte, um dort vermeintlich illegale Migranten zu finden und abzuschieben. Dort kommt es immer wieder zu Zusammenstößen und dokumentierten Fällen von Gewalt durch die Beamten, die eigentlich keine regulären Polizeibefugnisse haben.
