Wetter-Experte sieht bei Schneesturm "Elli" Lebensgefahr: Wo es ernst wird
Sturmtief "Elli" löst Chaos in Teilen Deutschlands aus. Wetterexperten warnen vor teils lebensgefährlichen Situationen. In diesen Regionen wird es am kritischsten. Schnee, Eiseskälte, gefährliche Glätte: In vielen Regionen Deutschlands gilt die zweithöchste Warnstufe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Zwei Meteorologen klären auf, wo Sturmtief "Elli" am Freitag besonders heftig wütet – und akute Lebensgefahr besteht. Auf Anfrage von t-online beschreibt der Wetterexperte Karsten Brandt von donnerwetter.de die aktuelle Wetterlage in Deutschland als "sehr komplex": Ein Sturmtief aus dem Atlantik trifft mitten in Deutschland auf kalte Polarluft. Es wird nicht nur stürmisch, sondern es droht auch gefrierender Regen – weil das Tief milde Luft mit sich bringt. Trifft der Regen auf die noch gefrorenen Böden, bildet sich innerhalb von Minuten Blitzeis. Im Norden Deutschlands könnten zudem innerhalb weniger Stunden bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Amtliche Warnungen: Sturmtief "Elli" mit Schnee, Eis und Glätte – Newsblog "Unwetterartige" Zustände: Schneesturm bringt bis zu 20 cm Neuschnee in nur sechs Stunden Schneesturm in Deutschland: Prognose für Freitag Der DWD hat entsprechende amtliche Warnungen ausgerufen: Im Nordwesten des Landes gilt flächendeckend Warnstufe Rot, die zweithöchste Kategorie. Es bestehe "Gefahr für Leib und Leben" aufgrund starker Schneeverwehungen. Autofahrer müssen sich auf massive Probleme einstellen. Der DWD empfiehlt Menschen, die dennoch unterwegs sein müssen: "Möglichst volltanken, Decken und warme Getränke mitführen." Auch Glätte dürfte vielerorts ein Thema sein. Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung präzisiert die Prognosen auf Anfrage von t-online: Lokal könne sich durch die Schneeverwehungen innerhalb weniger Stunden 50 bis 100 Zentimeter Schnee ansammeln. "Es gibt Dauerschnee, Dauerfrost. Man sollte keinesfalls mit dem Auto unterwegs sein", so Jung. Das betrifft insbesondere eine Linie von der Nordsee über Bremen , Hannover , Niedersachsen bis hin nach Sachsen und Bayern . Im Südosten hingegen ist von eisiger Kälte am Freitagvormittag nichts mehr zu spüren – und genau das kann gefährlich werden: Der DWD hat wegen Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen ebenfalls Warnstufe Rot ausgerufen. Wenn der Regen auf gefrorene Böden trifft, können spiegelglatte Straßen und Gehwege die Folge sein. Die Meteorologen empfehlen, den Aufenthalt im Freien nach Möglichkeit zu vermeiden. Wetter in Deutschland: Hier gibt es Orkanböen Im Südwesten des Landes dürfte der Sturm an sich die größte Gefahr sein. Es drohen Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde in exponierten Lagen. Bäume könnten umstürzen, Dachziegel herunterfallen. "Bitte aus den Wäldern rausbleiben", appelliert Wetterexperte Brandt. Aus seiner Sicht ist die Wetterlage keinesfalls alltäglich: "Wir sind so etwas nicht gewohnt. So etwas haben wir seit 20 Jahren nicht mehr erlebt." Es habe zwar immer wieder mal heftige Schneefälle gegeben, aber nicht in Kombination mit einem solchen Sturm. Und auch am Wochenende bleibt es seiner Prognose nach gefährlich: Dann sinken die Temperaturen in Deutschland vielerorts drastisch ab. Vor allem in Ostdeutschland sind für Sonntag und Montag teils bitterkalte Nächte von minus 15 Grad angekündigt. Brandt prognostiziert: "Die Einsätze wegen Herz-Kreislauf-Problemen werden durch die Decke gehen." Insbesondere wer sich länger draußen aufhalte und sich körperlich betätige, etwa beim Schneeschippen, begebe sich in Gefahr. Wetterexperte: Warnungen nicht übertrieben Aus seiner Sicht sind die Warnungen nicht übertrieben: "Es wird wahrscheinlich Tote geben", sei es durch Unfälle auf spiegelglatten Straßen oder durch Herz-Kreislauf-Notfälle wegen der Kälte. Er hoffe aber, als Wetterexperte einen Teil dazu beizutragen, dass die Menschen sich nicht unnötig in Gefahr begeben. Bereits am Donnerstag und in der Nacht auf Freitag gab es zahlreiche Unfälle mit vielen Verletzten und auch mehreren Toten. Dominik Jung hingegen äußert auch beruhigende Töne: Man sollte in den betroffenen Regionen zwar keinesfalls mit dem Auto unterwegs sein, betont er. Aber: "Uns erwartet nicht das ganz große Drama."
