Robotaxis in Deutschland: Studie zeigt, wann sie am meisten nützen
Autonome Fahrzeuge sind startklar – doch wer bestimmt, in welchem Rahmen sie fahren? Eine neue Studie zeigt, welches Modell der Gesellschaft nützt. Autonomes Fahren steht in den Startlöchern: Technisch möglich, in Deutschland in den Rahmenbedingungen bereits seit 2021 gesetzlich geregelt – und nicht nur in Ländern wie den USA , sondern auch hierzulande längst im Pilotbetrieb. Doch bevor Anbieter wie Waymo , Uber oder Bolt auf dem deutschen Markt Fuß fassen, stellt eine neue Studie im Auftrag von DB Regio die Frage: Wie lässt sich die Technologie so nutzen, dass sie der gesamten Gesellschaft dient? Erstellt wurde die Studie in Zusammenarbeit mit dem Software- und Verkehrsplanungs-Unternehmen ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Prognos AG. Drei Szenarien – ein klares Ergebnis Grundannahme: Auf privater Ebene werden sich autonome Autos deutlich langsamer durchsetzen – sie gehen vor allem von Robotaxis aus, die den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. Die Initiatoren plädieren für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, bei dem autonome Fahrzeuge nahtlos in bestehende Systeme integriert werden. Nur so lasse sich ihr Nutzen voll entfalten. In der Studie wurden drei Zukunftsszenarien für den Mobilitätsalltag durchgerechnet – mit dem Jahr 2045 als Zielmarke: Im Basis-Szenario werden klassische Linienbusse autonom betrieben. Das spart zwar Kosten, bringt aber kaum neue Nutzer. Kommen privatwirtschaftlich betriebene Robotaxis parallel hinzu (Wettbewerbsszenario) , steigt der Straßenverkehr um bis zu 40 Prozent, vor allem in Metropolen – der ländliche Raum profitiert kaum. Die Studienautoren befürworten entsprechend das sogenannte Daseinsvorsorge-Szenario . Es kombiniert On-Demand-Shuttles (also autonom fahrende Shuttles, die bei Bedarf gerufen werden, ähnlich den Anruf-Sammel-Taxis) mit beschleunigten autonomen Buslinien und einer engen Verzahnung mit dem Bahnverkehr. Die Fahrgäste profitieren den Simulationen zufolge von kurzen Wartezeiten, niedrigeren Kosten und einem deutlich dichteren ÖPNV-Angebot. Wie das Ganze in der Praxis aussehen soll, lassen die Autoren offen: "Das ist nur ein Zielzustand", so Thomas Drewes, Leiter Autonomes Fahren bei DB Regio Straße. "Den Weg dorthin müssen wir uns als Gesellschaft ausdenken." Vorteile für den ländlichen Raum Gerade in ländlichen Regionen sehen die Studienautorinnen und -autoren das größte Potenzial für ein autonomes Fahren: 50 Prozent kürzere Wartezeiten, rund um die Uhr verfügbare Angebote und eine bessere Anbindung an den Bahnverkehr. Das könnte nicht nur die Abwanderung stoppen, sondern sogar umkehren: Laut Modell könnten rund drei Millionen Menschen wieder aus der Stadt aufs Land ziehen. Und auch neue Jobs schaffen, sagt RMV-Chef Knut Ringat unterstreicht: "Mit autonomem Fahren entstehen neue Berufsfelder – in Leitstellen, in der IT oder in der Aufsicht. Gleichzeitig könnten wir den Fahrermangel ausgleichen und den Pkw-Bestand deutlich senken." Schon heute fehlen laut VDV rund 20.000 Fahrerinnen und Fahrer im öffentlichen Verkehr. Autoren fordern mehrere große Testgebiete Noch ist der flächendeckende Betrieb Zukunftsmusik. Die Studie schlägt deshalb ein Modell mit vier bis fünf groß angelegten Testregionen vor – samt Typengenehmigung für autonome Fahrzeuge. Der Bund solle die Rahmenbedingungen schaffen, damit Verkehrsunternehmen und Industrie gemeinsam planen können. Dies bringe deutlich mehr als etliche kleine Testfelder, deren Ergebnisse kaum vergleichbar seien. Ein solches Vorgehen würde auch bei den Kunden besser ankommen: "Mobilität ist tief in Routinen verankert", erklärte Meike Jipp vom DLR. Bis eine Verhaltensänderung eintritt, brauche es Zeit. Doch die Vorteile lägen auf der Hand – wer heute mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, brauche für viele Strecken zwei- bis dreimal so lange wie mit dem eigenen Auto. Im gezeigten Szenario verkürzen sich diese Zeiten deutlich – das mache den Umstieg attraktiver und steigere die Lebensqualität. Studie sieht mehrere Vorteile Gelingt der Wandel, rechnet die Studie mit spürbaren Effekten: Autofahrer könnten monatlich rund 170 Euro sparen, wenn sie auf den ÖPNV umsteigen. Die Verkehrsbelastung in Städten würde um bis zu 11 Prozent sinken und der Markt für KI-gestützte Mobilitätslösungen könnte 74 Milliarden Euro umfassen, es handelt sich also auch um einen wirtschaftlichen Faktor, so die Autoren. Gleichzeitig könnte die öffentliche Hand ihre Zuschüsse zum ÖPNV trotz massiv ausgebautem Angebot um 20 Prozent reduzieren. Dies wird durch technologische Effizienzgewinne und stärkere Nutzerfinanzierung ermöglicht: Kalkuliert wurde mit einer Gebühr von 100 Euro im Monat plus einem Zuschlag von 49 Cent pro Kilometer bei den Robotaxis. Ohne laufende Kosten für ein Auto sei dies immer noch günstiger als Autofahren, argumentieren die Autoren. Und auch für die Automobilindustrie ergeben sich Chancen: Zwar würde der Pkw-Bestand um 25 Prozent sinken, dafür stiege die Nachfrage nach hochautomatisierten Fahrzeugen für Flotten – mit deutlich kürzerer Lebensdauer aufgrund höherer Fahrleistungen und entsprechendem Ersatzbedarf.
