VW: Warum der Konzern Fahrdaten in 40 Ländern sammelt
VW kündigt an, in 40 europäischen Ländern Daten aus Kundenfahrzeugen zu sammeln. Was dahintersteckt. Eine spontane Notbremsung, ein Ausweichmanöver – neue Autos sind mit umfassender Technik ausgestattet, um in solchen Situationen einzugreifen. Nicht nur, weil sie es können, sondern auch, weil sie es müssen: Mittlerweile schreibt die EU vor, dass Neuwagen Notbremsassistenten, Spurhaltewarner und Geschwindigkeitswarner an Bord haben müssen. Und die Autohersteller verkaufen zusätzliche Systeme als Entlastung für den Fahrer, während sie im Hintergrund an weiteren Ausbaustufen des autonomen Fahrens arbeiten . Und dafür müssen diese in Zukunft zuverlässig funktionieren. Nur: Woher kommen die Daten, mit denen die Systeme verstehen lernen, wie der Verkehr auf der Straße und nicht nur im Softwarelabor oder auf Teststrecken funktioniert? Dazu nutzen die Autohersteller auch die Daten aus Kundenfahrzeugen. So auch Volkswagen . Seit 2024 sammelt der Konzern in Deutschland Informationen, die mittels der eingebauten Sensoren und Kameras bei den Autos auf der Straße entstehen. Der Konzern verspricht sich und den Kunden dadurch mehr Fahrkomfort und mehr Verkehrssicherheit. Was bislang nur in Deutschland der Fall war, soll ab diesem Monat in 40 europäischen Ländern ausgerollt werden. Zunächst startet die Marke Volkswagen, später VW Nutzfahrzeuge, Audi , Cupra, Skoda und Porsche. Auch Mercedes-Benz sammelt seit Juli 2025 solche Daten. Diese Situationen sind relevant Interessant für die Entwickler sind vor allem Situationen, bei denen Assistenzsysteme besonders nützlich sind: Begegnungen mit Radfahrern oder Fußgängern, Kreuzungen an einer Grundschule oder Supermarktparkplätze. Um damit besser umzugehen, sind neben Kamerabildern der Umgebung und den Ergebnissen der Sensoren auch Fahrtrichtung, Geschwindigkeit, Lenkwinkel, aber auch Wetterdaten, Sicht- und Lichtbedingungen relevant. Allerdings gibt es keine dauerhafte Datenübertragung, sie soll vielmehr auslöserbezogen sein – beispielsweise, wenn der Notbremsassistent eingreift oder der Fahrer plötzlich stark auf die Bremse tritt oder ausweicht. Wie steht es mit dem Datenschutz? Eine Menge Daten also. Doch wie steht es mit dem Schutz der Privatsphäre? Schließlich werden auch andere Autos und Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer und Fußgänger von den Kameras erfasst. Nicht jeder Fahrer eines Autos möchte, dass seine Daten beim Autohersteller landen. Die Zustimmung des Kunden sei die Grundvoraussetzung für die Übertragung und Verarbeitung der Daten und kann über verschiedene Wege geschehen und auch jederzeit widerrufen werden, heißt es von VW. Beim Umgang mit allen Verkehrsteilnehmern werden datenschutzrechtliche Vorgaben beachtet, individuelle Informationen seien hier nicht relevant. Von Mercedes heißt es, Menschen, die potenziell von der Bilddatenerhebung durch Fahrzeuge erfasst wurden, können diese Daten löschen lassen. Dazu müssen sie sich laut Mitteilung "unter Angabe von Ort und Zeit an Mercedes-Benz wenden und die Löschung möglicher Aufnahmen anfordern". In der Praxis dürfte es eher selten vorkommen, dass Menschen erkennen, ob sie gefilmt worden sind oder nicht. Autos sind rollende Datensammler Klar ist auch: Schon heute wissen die Autohersteller eine Menge über ihre Kunden. In Europa gibt es allerdings strengere Datenschutzrichtlinien als in den USA . Einer Studie der Mozilla Foundation aus dem Jahr 2023 zufolge sammeln Autohersteller dort sogar Informationen über Verhaltensweisen, Gesundheit oder Körpergewicht . So weit geht es hier nicht, doch Datenschützer kritisieren auch hier gewisse Interpretationsspielräume und fehlende Transparenz: Datenschutzerklärungen seien zu lang, vieles werde nach dem Kauf wieder vergessen. Laut netzpolitik.org werden beispielsweise bei einem aktuellen Modell von Mercedes rund 100 Datenarten erfasst, etwa die Sitzbelegung (anhand der Sensoren für Gurtwarner), der Reifendruck , der Status der Handbremse oder ob Türen oder Fenster geschlossen sind. Weitere über Sensoren erfasste Daten lassen Rückschlüsse auf den Fahrstil zu, etwa Motordrehzahl, Nutzung der Bremsen oder wie häufig ein Gurtstraffer eingreifen musste. Versicherungen bieten Telematik-Tarife an, die den Tarif je nach Fahrstil anpassen; mittels Apps lassen sich Autos orten. Neue Richtlinie soll mehr Transparenz bringen Verkehrsklubs wie der ADAC oder der AvD fordern, dass Autobesitzer über die Verwendung ihrer Daten entscheiden sollen. Seit September 2025 ist der EU Data Act in Kraft, der Verbrauchern mehr Rechte an ihren Daten gibt. Hersteller müssen unter anderem offenlegen, welche Informationen mit vernetzten Geräten – also auch Autos – erhoben werden und wie man darauf zugreifen kann. Kunden sollen auf Daten zugreifen, sie löschen oder auch an Dritte weitergeben können. Geld dürfen Hersteller dafür nicht verlangen. Das bringt mehr Transparenz, birgt aber auch die Gefahr von Missbrauch, wenn sensible Daten unbedacht geteilt werden, warnt der ADAC. Schon heute gibt es Datenlecks, bei denen Informationen über Kunden ungeschützt auf Servern herumliegen . Als Kunde ist man also gefordert. Man sollte sich gründlich informieren und überlegen, welche Daten man teilt und welche nicht, und in Kauf nehmen, dass ohne gewisse Daten auch einige Komfortfunktionen wie App-Ortung oder dergleichen nicht zur Verfügung stehen.
