Kfz-Versicherung: Diese Mythen bringen Autofahrern kaum Ersparnis
Wer bei der Kfz-Versicherung auf Rabatte durch Garage, Kinder oder Wohneigentum setzt, spart oft nur ein paar Euro. Noch teurer wird es mit Zusatzbausteinen, die kaum etwas nutzen. Die Versicherung fürs Auto wird immer teurer. Schon 2025 stiegen die Beiträge für Vollkasko um acht Prozent, für die Haftpflicht um fünf Prozent . Und die Entwicklung dürfte angesichts höherer Arbeits- und Ersatzteilkosten und weiterer Faktoren so weitergehen. Sparen kann trotzdem, wer die richtigen Hebel kennt. Viele Autofahrer setzen dabei auf sogenannte weiche Tarifmerkmale: Garage, Kinder im Haushalt oder Wohneigentum sollen die Kfz-Prämie senken. Doch wie eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt, bringt das oft nur minimale Vorteile – oder gar keine. Diese Tarifmerkmale bringen wenig Etwa zwei Prozent Ersparnis lassen sich im Schnitt erzielen, wenn Versicherte ein selbst genutztes Eigenheim angeben. Für einen 45-jährigen Golf-Fahrer in Berlin bedeutet das rund 20 Euro weniger im Jahr. Auch der Garagenstellplatz hilft kaum: Nur jeder dritte Tarif berücksichtigt diesen Aspekt – und dann meist mit einem Nachlass von einem Prozent. Spürbar günstiger wird es eher, wenn mehrere Verträge bei einem Anbieter liegen, es also einen sogenannten Kombi-Vorteil gibt. Doch laut Verivox lohnt sich das auch nicht immer: Häufig ist es sinnvoller, wenn alle Versicherungen einzeln verglichen und abgeschlossen werden. Noch enttäuschender fällt der Blick auf den vermeintlichen Familienrabatt aus. Der verbreiteten Annahme, dass Eltern mit Kindern sicherer fahren und deshalb weniger zahlen, widerspricht die Verivox-Auswertung deutlich. Im Durchschnitt ergibt sich kein Vorteil – einzelne Versicherer gewähren maximal fünf Prozent, aber nur in Ausnahmefällen. Genauso wenig hilfreich: Fahrsicherheitstrainings oder die Mitgliedschaft in einem Verkehrsclub – es sei denn, es gibt eine konkrete Kooperation. Diese Extras lassen den Preis steigen Teuer wird es, wenn unnötige Extras hinzukommen. Viele Versicherte wählen Zusatzleistungen, die auf dem Papier Sicherheit oder Komfort versprechen, in der Praxis aber vor allem den Beitrag in die Höhe treiben . Ein Beispiel ist die sogenannte Direktregulierung: Sie sorgt dafür, dass nach einem Unfall sofort gezahlt wird – noch bevor die Schuldfrage geklärt ist. Doch dieser Service kostet im Schnitt mehr als das Doppelte des Standardtarifs. Für den Beispielkunden von Verivox bedeutet das rund 939 Euro Mehrkosten im Jahr. Ein weiterer Kostentreiber ist der sogenannte Rabattschutz. Er verhindert zwar die Rückstufung nach einem Unfall, allerdings nur beim aktuellen Anbieter. Wer die Versicherung wechselt, verliert diesen Vorteil. Der Aufpreis von bis zu 25 Prozent war dann umsonst. Auch die Eigenschadendeckung, die etwa beim Zusammenstoß mit dem eigenen Garagentor greifen soll, hat ihre Tücken. Rund 22 Prozent mehr Beitrag kostet dieser Baustein, doch viele Tarife schließen Schäden auf dem eigenen Grundstück aus. Im Zweifel bleibt der Versicherte also auf den Kosten sitzen. Darauf kommt es wirklich an Statt auf symbolische Angaben wie Garagenplatz oder Automobilclub-Mitgliedschaft zu setzen, rät Verivox zu einem nüchternen Blick auf die Vertragsdetails. Die größten Einsparungen bringen eine realistisch angegebene Fahrleistung, die persönliche Schadenhistorie, ein aktueller Vergleich von Tarifen und Anbietern und der Verzicht auf teure Zusatzbausteine. Nicht ändern lassen sich äußere Faktoren wie die Regionalklasse. Sinnvoll ist auch der Verzicht auf Einrede bei grober Fahrlässigkeit. Sie greift beispielsweise, wenn Sie eine rote Ampel übersehen oder kurz am Steuer abgelenkt sind. Wer rechtzeitig handelt, spart oft mehrere Hundert Euro. So zeigt eine Modellrechnung von Verivox: Ein Wechsel vom mittleren in einen günstigen Tarif bringt für den Berliner Golf-Fahrer bis zu 836 Euro Ersparnis im Jahr – bei identischem oder sogar verbessertem Versicherungsschutz. Auch ein Tarifwechsel beim gleichen Anbieter kann sich lohnen. Viele Versicherer bieten neue Modelle wie Telematiktarife an, bei denen sich bis zu 30 Prozent sparen lassen. Für klassische Jahresverträge gilt: Bis zum 30. November kann regulär gekündigt werden. Dabei gilt: Erst wechseln, dann kündigen, um keine Deckungslücke zu riskieren.
