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E-Autos: Diese Innovation bringt nur wenigen etwas

Statt immer größere Akkus einzubauen, wollen Ingenieure jetzt beim Laden mehr Tempo machen, den Komfort erhöhen und das Auto als intelligenten Zwischenspeicher nutzen. Wie realistisch sind die Ziele? Drei neue Technologien sollen die letzten Hürden der Elektromobilität beseitigen: Induktives Laden verspricht maximalen Komfort, bidirektionales Laden soll die Wirtschaftlichkeit verbessern, und Megawatt-Laden will die Ladezeiten auf Tankstellenniveau drücken. Doch halten diese Innovationen, was sie versprechen? Komfort ohne Kabel: Das induktive Laden Was bei der elektrischen Zahnbürste oder beim Smartphone seit Jahren gängig ist, bringt Porsche jetzt als erster Hersteller beim Auto in Serie: Der Cayenne kann induktiv laden . Zwar nur mit 11 statt mit bis zu 400 kW am Gleichstromanschluss. Über Nacht oder an einem Arbeitstag ist der 113 kWh große Akku damit trotzdem voll. Man muss dafür nur mit Hilfe der Parksensoren passgenau über eine Platte im Boden rangieren, die selbst unter Laub oder Schnee verborgen noch funktioniert, die sich aber sofort abschaltet, wenn etwa ein Haustier darüber läuft. Solche Lösungen könnten zum Gamechanger werden, glauben Experten: "Automatisches Laden ist für den Durchbruch der Elektromobilität wahrscheinlich so bedeutend wie es vor 100 Jahren die Erfindung des elektrischen Anlassers für die Benziner war" sagt Christian Guhl vom Marktforscher Capgemini: "Einsteigen und wegfahren war damals wie heute die entscheidende neue Fähigkeit." Porsche ist damit freilich nicht alleine: BMW hat mit dem induktiven Laden schon vor Jahren experimentiert, es bislang aber nicht im großen Stil auf den Markt gebracht. Und auch Mercedes hat im Forschungsfahrzeug ELF auf Basis der V-Klasse ebenfalls kürzlich eine ähnliche Lösung demonstriert und für die nahe Zukunft in Aussicht gestellt. Die schnelle Marktdurchdringung könnte allerdings von den Preisen gebremst werden: Porsche verlangt für die Platte im Boden rund 5.000 Euro und für das Gegenstück am Fahrzeug noch einmal etwa 2.000 Euro. Wirtschaftlichkeit durch Rückspeisung: Bidirektionales Laden Einen Teil dieser Investition können die Kunden womöglich mit einem anderen Trend refinanzieren, der ebenfalls gerade Fahrt aufnimmt: dem bidirektionalen Laden. Hier geht es nicht nur um Komfort, sondern um bare Münze. Nicht nur, dass immer mehr Fahrzeuge in allen Klassen vom kommenden Renault Twingo über den Hyundai Ioniq 5 bis zum BMW iX3 den Strom aus ihren Akkus als eine Art Powerbank auch an externe Verbraucher wie E-Bikes oder bei der Autopflege an den Staubsauger abgeben können. Sie funktionieren auch als Pufferspeicher für den Strom zu Hause etwa von der PV-Anlage . Das hat mittlerweile auch die Bundesregierung erkannt: Autos werden jetzt als Speicher anerkannt und die Netzentgelte sowie zum Teil auch die Steuern für die Rückspeisung weitgehend gestrichen . So lassen sich nun nach Studien etwa des Thinktanks Agora Verkehrswende durch Laden bei niedrigen und Entladen bei hohen Strompreisen pro Jahr und Fahrzeug bis zu 500 Euro erwirtschaften. Kommt der Strom vom eigenen Dach, könne der Gewinn noch höher sein, melden die Experten. Laut Mercedes sind damit 10.000 und mehr "kostenlose" Kilometer möglich. Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) haben mittlerweile alle deutschen Hersteller E-Fahrzeuge im Angebot, die bidirektional laden können. Über 20 entsprechende Modelle zählt der Branchenverband auf. Geschwindigkeit durch Megawatt: Das Rennen um die Ladeleistung Während es zu Hause um Komfort und Kosten geht, wollen die Ingenieure unterwegs vor allem Tempo machen: Megawatt-Laden ist das Stichwort. Und nachdem das Rennen um die maximale Reichweite so langsam ausläuft, überbieten sich die Hersteller jetzt mit ihren Ladeleistungen. Wo unter den deutschen Serienautos BMW iX3 und Porsche Cayenne mit 400 kW aktuell die Spitze markieren, wirft Zeekr beim 7X schon 480 kW ins Rennen, die Xpeng-Modelle G6 und G9 laden seit dem Facelift mit 525 kW. BYD hat auf der IAA im letzten September genau wie Mercedes beim AMG Concept GTXX das Laden mit einem Megawatt demonstriert. Damit kann der Sportwagen, der schon 2026 in Serie gehen soll, die Energie für 400 Kilometer in fünf Minuten nachladen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis kranken diese Werte an der Infrastruktur. Denn viel mehr als 400 kW geben die Ladesäulen in Deutschland anders als etwa in China in der Regel gar nicht her. Kein Wunder, dass Mercedes zum neuen AMG-Modell auch gleiche eine neue Ladesäule bringen will, die dann zumindest an den werkseigenen Stationen aufgestellt wird. Den gleichen Weg geht auch BYD: Damit der Z9 GT der luxuriösen Schwester Denza als erstes Modell der Marke zum Europastart 2026 tatsächlich Megawatt-Laden kann, wollen die Chinesen in Europa mehrere Hundert entsprechende Stationen installieren. Zwar rühmen Experten wie Andreas Radics vom Münchner Strategieberater Berylls dieses Ansinnen, weil es eines der letzten Probleme der E-Mobilität adressiere. Doch der Fachmann sieht auch deutliche Grenzen: Zum einen könnten solche Leistungsspitzen meist nur über einen kurzen Zeitraum gehalten werden. Und zum anderen müsse klar sein, dass Megawatt Charging System (MCS) für Pkw auf lange Sicht nur einem kleinen Kreis nutzen werde. Die Ladesäulen dafür seien signifikant teurer und würden mangels Auslastung wohl kaum wirtschaftlich zu betreiben sein. Ebenso sei die Technologie an Bord kostspielig und würde die Fahrzeugpreise, die momentan ohnehin schon signifikant gestiegen sind, nochmals in die Höhe treiben. Und zu allem Übel gebe auch das Netz solche Leistungen nur bedingt her, bremst Radics die Euphorie. Stattdessen hält Radics eine Ladeleistung zwischen 300 bis 600 kW für erstrebenswert und rät anstelle hoher Peaks lieber zu breiten Plateaus: "Wenn solche Werte über eine möglichst lange Zeit anliegen, könnte eine signifikante Optimierung der Ladezeiten erreicht werden, die die Dauer des Ladevorgangs in den Bereich der Dauer des Tankvorgangs rücken." Alles darüber hinaus diene vor allem dem Prestige der einzelnen Anbieter, habe aber wenig ernsthaften Nutzen. Der fragile Zeitvorteil Wie fragil der Vorteil sein kann, darauf weist E-Auto-Influencer und E-Autovermieter Stefan Moeller aus Leipzig hin: Zwar könne man mit den Spitzen von 1.000 kW vielleicht ein paar Minuten an der reinen Ladezeit sparen, gibt der Experte zu. Aber schon eine Ampelphase mehr oder weniger auf dem Weg von und zur Ladesäule oder ein zweiter Versuch bei der Autorisierung und Freischaltung könnten den Vorteil zunichtemachen. "Statt zehn oder zwanzig Prozent Ladezeit gewinnt man so am Ende vielleicht noch fünf Prozent, die den ganzen Aufwand kaum wert sind", sagt Moeller. "Da ist das Geld für die Aufrüstung der Autos und die Ertüchtigung der Infrastruktur an anderer Stelle sehr viel besser investiert." Fazit: Innovation trifft auf Realität Alle drei Technologien zeigen: Die E-Mobilität entwickelt sich rasant weiter und adressiert gezielt ihre verbliebenen Schwachstellen. Doch zwischen Vision und Praxistauglichkeit klafft oft noch eine Lücke. Induktives Laden könnte tatsächlich zum Gamechanger werden – wenn die Preise sinken. Bidirektionales Laden bietet bereits heute echten Mehrwert für Eigenheimbesitzer mit PV-Anlage. Und Megawatt-Laden? Das bleibt vorerst wohl Prestige für wenige, während moderate Ladeleistungen mit stabilen Plateaus für die breite Masse relevanter sind.