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Suzuki e Vitara im Test: SUV-Klassiker erfindet sich als E-Auto neu

Suzuki bringt seinen Klassiker erstmals mit E-Antrieb auf den Markt. Was der neue e Vitara kann – und wo er nicht ganz mithalten kann. Das SUV im Kurztest. Der Suzuki Vitara gehört zu den Urgesteinen unter den kompakten SUVs: Schon Ende der 1980er-Jahre rollte er auf den Markt, lange bevor das Segment in Mode kam. Jetzt startet das Erfolgsmodell in eine neue Ära: Erstmals bringt Suzuki ihn als reines Elektroauto . Entwickelt wurde er gemeinsam mit Toyota (und wird dort als Urban Cruiser vermarktet), gebaut wird er im Suzuki-Werk im indischen Gujarat auf einer eigenen E-Plattform. Optisch bleibt der e Vitara seiner kantigen Grundform treu, wirkt aber gleichzeitig modernisiert: Die Scheinwerfer erinnern an ein gekipptes Y, am Heck zieht sich ein durchgehendes Leuchtenband über die Breite, die hinteren Türgriffe sitzen versteckt in der C-Säule. Alles wirkt aufgeräumt und eigenständig, ohne übermäßig futuristisch zu wirken. Die Qualität ist solide, die Türen fallen satt ins Schloss, ohne blechern zu klingen. Moderner Innenraum mit klarer Bedienung Wer den bisherigen Vitara mit Verbrennungsmotor oder den Kleinwagen Swift kennt, wird beim e Vitara überrascht sein: Der Innenraum wirkt deutlich moderner und aufgeräumter. Zwei große Displays (10,25 Zoll im Cockpit, 10,1 Zoll in der Mitte) vermitteln einen zeitgemäßen Look, ohne zu überfordern: Der Mix aus echten Tasten (z. B. für Lautstärke und Klimaanlage) und Touchbedienung funktioniert im Alltag gut. Kritikpunkte: Die Mittelkonsole besteht komplett aus schwarzem Hochglanzkunststoff – das sieht schick aus, ist aber kratzempfindlich. Nicht überall sehen die Materialien hochwertig aus und nur der Beifahrer bekommt einen Haltegriff am Dachhimmel. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig an Bord (ab Ausstattung Comfort). Die Menüstruktur ist klar und logisch, alles läuft flüssig. Viele Funktionen lassen sich bequem über das Lenkrad steuern. Wer sich für die Topausstattung Comfort+ entscheidet, kann den e Vitara zudem per digitalem Fahrzeugschlüssel via Smartphone-App öffnen und starten. Platzangebot und Variabilität Vorn bietet der e Vitara ein angenehmes Raumgefühl, vor allem durch das Glasdach (ab Ausstattung Comfort). Die Sitze lassen sich gut einstellen, auch für größere Fahrer ist genug Platz. Die Sitze sind bequem, könnten aber noch ein bisschen mehr Seitenhalt bieten. Hinten wird es durch den etwas erhöhten Boden etwas steiler für die Beine – das ist dem Akku im Unterboden geschuldet. Punkten kann der e Vitara bei der Flexibilität: Die um 16 Zentimeter geteilt verschiebbare Rückbank erlaubt eine flexible Nutzung – entweder mehr Beinfreiheit oder mehr Kofferraum, je nach Bedarf. Wird die Bank ganz nach vorn geschoben, bleibt für große Fondpassagiere allerdings praktisch kein Platz. Klappbare Abdeckungen im Boden stellen sicher, dass beim Vorschieben eine ebene Ladefläche entsteht. Zusätzlich lässt sich die Rücksitzlehne in der Neigung verstellen, was auf längeren Strecken den Komfort erhöht. Die Rückbank ist im Verhältnis 40:20:40 teilbar; der Mittelteil dient umgelegt als Armlehne. Der Kofferraum ist in der Tiefe gut nutzbar, ist aber nicht sonderlich hoch – was der optionalen elektrisch angetriebenen Hinterachse des Allradantriebs geschuldet ist. So fährt der e Vitara Den e Vitara gibt es mit zwei Batteriegrößen: 49 oder 61 Kilowattstunden. Je nach Ausstattung resultieren daraus drei Leistungsstufen: 106, 174 oder 183 PS. Die Topversion kommt mit elektrischem Allradantrieb (AllGrip-e) und zwei E-Motoren. Gefahren wurde die mittlere Variante mit 174 PS, Frontantrieb und großer Batterie. Der Gangwahlhebel ist ein drehbarer Knopf, den man für vorwärts oder rückwärts nach unten und dann nach links oder rechts drehen muss. Der Antrieb wirkt souverän, leise und ausreichend kräftig. Die Lenkung ist bei niedrigen Geschwindigkeiten etwas schwergängig, daran gewöhnt man sich aber schnell. Das Fahrwerk ist eher komfortabel als sportlich abgestimmt und filtert vieles weg. Auf Kopfsteinpflaster kann es je nach Bereifung etwas poltern. Angenehm ist der Wendekreis von etwas mehr als zehn Metern. So zirkelt er in der Stadt leicht in Parklücken und kommt im Wald auch um enge Kurven. Per Schalter in der Mittelkonsole lässt sich die Rekuperation (Rückgewinnung der Bremsenergie wie mit einem Dynamo) aktivieren und in drei Stufen über das Display einstellen. One-Pedal-Driving, bei dem der Wagen beim Loslassen des Fahrpedals bis zum Stillstand verzögert, ist nicht möglich. Im Alltag greifen zahlreiche Assistenten unauffällig ein, darunter Spurhaltehilfe, adaptiver Tempomat und Notbremsassistent. Die 360-Grad-Kamera zum Rangieren liefert jedoch eine nur durchschnittliche Bildqualität. Getestet wurde auch eine leichte Geländestrecke mit Steigungen und Waldwegen. Mehr soll ein SUV auch in der Regel nicht leisten. Die Traktionskontrolle sowie Bergan- und Bergabfahrhilfe greifen zuverlässig ein. Über dedizierte Tasten lassen sich die Modi schnell aktivieren. Die maximale Anhängelast liegt bei 750 Kilogramm. Das reicht für einen kleinen Wohnwagen oder Anhänger, aber nicht für schweres Gerät. Verbrauch und Lademanagement Bei der Testfahrt über 72 Kilometer – ein Mix aus Landstraße, Dorf und Autobahn – zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von über 30 Kilowattstunden pro 100 Kilometer an (Außentemperatur: 2 Grad). Das ist viel, aber angesichts der Bedingungen erklärbar. Ab der Ausstattung Comfort ist serienmäßig eine Wärmepumpe verbaut, die den Energiebedarf bei Kälte reduzieren soll. Geladen wird der e Vitara mit bis zu 11 kW an der heimischen Wallbox oder per Schnellladung in rund 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Das ist definitiv kein Topwert, doch Suzuki betont: Die Zielgruppe – viele bestehende Vitara-Kunden – lädt ohnehin überwiegend zu Hause. Auch eine Vorklimatisierung per App über Suzuki Connect ist möglich, wurde aber bei dieser Testfahrt nicht ausprobiert. Die App bietet darüber hinaus weitere Funktionen wie Routenplanung, digitales Fahrtenbuch, Statusabfragen oder Warnhinweise bei Serviceterminen und Rückrufen. Technische Daten (Testwagen) Batterie: 61 kWh Leistung: 128 kW (174 PS) Antrieb: Front Reichweite (WLTP): 428 km Verbrauch Testfahrt: >30 kWh/100 km Ladeleistung: 11 kW AC, DC ca. 45 min (von 10 auf 80 %) Maße: 4,28 m lang, 1,80 m breit, 1,64 m hoch Wendekreis: 10,4 m Anhängelast: 750 kg Das kostet der e Vitara Der Einstieg in die e-Vitara-Welt beginnt bei 29.990 Euro. Dafür gibt es den Club mit 49-kWh-Batterie und Frontantrieb. Diese Basisversion bringt bereits 18-Zoll-Alufelgen, Navigationssystem, eine verschiebbare Rückbank und eine Rückfahrkamera mit. In der Ausstattungslinie Comfort (ab 36.490 Euro) sind zusätzlich unter anderem der größere Akku, Sitz- und Lenkradheizung, eine Wärmepumpe, beheizbare Außenspiegel und eine teilbeheizte Frontscheibe an Bord. Die Topversion Comfort+ (ab 40.490 Euro) bietet darüber hinaus größere 19-Zoll-Räder, ein Glasdach, elektrisch verstellbare Sitze, ein Infinity-Soundsystem mit Subwoofer sowie die 360-Grad-Kamera. Wer Allradantrieb möchte, muss zur großen Batterie greifen – und mindestens 39.490 Euro einplanen. Fazit: Unaufgeregt, eigenständig, alltagstauglich Wer einen e Vitara kauft, bekommt ein bodenständiges E-SUV mit klarer Bedienung, durchdachter Variabilität und solider Verarbeitung. Das Design ist eigenständig, der Innenraum variabel, die Technik in Ordnung. Dennoch sollte man sich seiner Schwächen bewusst sein: Dazu zählen das lahme Schnellladen, der recht flache Kofferraum und die mittelmäßige Anhängelast. Wer damit leben kann, bekommt ein gutes Auto zum fairen Preis.