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Mercedes 300 SL: Flügeltürer-Unikat soll Rekordpreis erzielen

Er ist das Gegenteil eines hochglanzpolierten Oldtimers. Dennoch soll dieser Mercedes morgen Millionen einbringen. Der Grund liegt unter einer dicken Staubschicht verborgen. Und in einer einmaligen Entdeckung. Er glänzt nicht. Er hat Beulen. Und er trägt den Staub von Jahrzehnten. Doch genau deshalb jagen die reichsten Sammler der Welt diesem Mercedes hinterher. Was morgen in Paris unter den Hammer kommt, ist kein Oldtimer wie jeder andere. Sondern eine Zeitkapsel auf Rädern. Am Mittag richtet sich der Blick der Oldtimerszene auf das Auktionshaus Artcurial. Dort wird ein Mercedes 300 SL mit Flügeltüren versteigert. Experten rechnen mit einem Rekordpreis von bis zu fünf Millionen Euro. Und das nicht trotz, sondern wegen seines Zustands: Dieser Wagen ist unberührt. Seit rund 70 Jahren wurde an ihm keine Schraube gelöst, kein Kratzer kaschiert und kein Glanz herbeipoliert. Ein Sportgerät mit sechs Zylindern Als der 300 SL 1956 gebaut wurde, war er noch längst kein Mythos, sondern ein Werkzeug. Bestellt hatte ihn der französische Industrielle Claude Foussier – 1,90 Meter groß, olympischer Sportschütze, kein Freund von Zierrat. Er wählte nicht Luxus, sondern Leistung: einen Hochleistungsmotor, ein straffes Rennfahrwerk und Felgen mit Zentralverschluss für schnelle Radwechsel. Eine kompromisslose Konfiguration, mit der nur etwa 60 Exemplare das Werk verließen. Foussier nutzte den Wagen dennoch wenig. Gerade einmal 34.000 Kilometer stehen heute auf dem Tacho. Für ein 70 Jahre altes Auto ist das fast nichts. Für Sammler ist es ein Glücksfall. Die lange Reise nach Hause Die Geschichte dieses Autos liest sich wie ein Roman mit einer späten Heimkehr. 1956 wurde der Mercedes an die Adresse Boulevard Suchet 2 in Paris ausgeliefert. Danach verschwand er aus dem Blick der Öffentlichkeit, tauchte Jahre später in der Auvergne auf, ging durch deutsche Hände. Und landete schließlich beim heutigen Besitzer. Erst nach dem Kauf bemerkte dieser Sammler den einmaligen Zufall: Er wohnt genau an jener Adresse, an die das Auto 70 Jahre zuvor ausgeliefert worden war. Heute steht der Mercedes wieder dort, wo seine Geschichte begann. Staub als Gütesiegel Der Wagen trägt noch seinen Erstlack in Graphitgrau. Auch das Naturleder im Innenraum ist original. Nichts wurde ersetzt, nichts restauriert. Selbst eine alte Steuerplakette klebt noch an der Windschutzscheibe. Der Besitzer konservierte den Staub der Jahrzehnte sogar unter einer schützenden Folie. Für Sammler ist dieser Schmutz kein Makel, sondern ein Beweis. Er zeigt: Hier wurde nichts geschönt, nichts gefälscht, nichts nachträglich veredelt. Der Staub ist ein Siegel der Echtheit. Bei einer Untersuchung kamen Details zutage, die in keinem Handbuch stehen: ein Außenthermometer vor dem Beifahrersitz, ein spezielles Aluminiumwerkzeug zum Auswuchten der Räder, die originale Bodenverkleidung, die sonst meist beim ersten Service verschwindet. Kleinigkeiten – und doch von unschätzbarem Wert. Ein Los für die höchste Liga Wer morgen den Zuschlag erhält, kauft nicht nur ein Auto. Er erhält Zugang zur exklusivsten Klasse der Oldtimerwelt. Der Mercedes ist automatisch für den "Concours d'Élégance" von Chantilly qualifiziert, einen der prestigeträchtigsten automobilen Schönheitswettbewerbe der Welt. Allerdings tritt er nicht in der Kategorie "Glanz" auf, sondern in der "Preservation Class" für Autos im unrestaurierten Originalzustand. Dort wird nicht poliert – dort wird bewahrt. Der Staub bleibt, wo er ist. Vorerst zumindest.