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Ludwigsburger Raser-Prozess: Was die Geständnisse bedeuten

Zwei Tote, ein Mordvorwurf, lange Stille: Im Ludwigsburger Autorennen-Prozess räumen zwei Angeklagte Raserei ein. Doch der Richter fragt nach der langen Flucht: "Warum hat das so lange gedauert?" Die Stimme des Anwalts hallt durch den stickigen Stuttgarter Gerichtssaal, unterbrochen nur vom gedämpften Gemurmel des Dolmetschers und dem erstickten Schluchzen der Eltern der beiden toten Frauen. Tränen laufen über die Wangen der Geschwister, während minutenlang einer der drei angeklagten Männer über jenen fatalen März-Abend berichtet: über das mutmaßliche Autorennen durch Ludwigsburgs Tempo-50-Zone, das Posieren mit den PS-starken Limousinen, den Moment vor dem Crash an der Tankstelle. Nach Wochen des Schweigens ein Geständnis, das die Luft im Raum dick macht. Spannung nur Meter voneinander entfernt Nur wenige Meter trennen die trauernden Familien der Opfer von den mutmaßlichen Tätern auf der Anklagebank. Die Spannung ist greifbar an diesem Morgen im Landgericht, als die Anwälte schriftliche Einlassungen von zwei der drei Angeklagten verlesen. Die Aussagen des 35 Jahre alten Mannes und seines 25 Jahre alten Cousins könnten den Prozess vor der 19. Schwurgerichtskammer entscheidend verkürzen. Auch der Verteidiger des dritten Angeklagten, des wegen Mordes angeklagten Unfallfahrers, kündigte eine Erklärung an. Und alle Verteidiger boten an, auf die Vernehmung weiterer Zeugen zu verzichten. Den Angehörigen würden so auch weitere belastende Erinnerungen im Gericht erspart. Emotionen im Saal "Ich würde alles dafür geben, das Geschehen ungeschehen machen zu können", lässt der 35-Jährige über seinen Anwalt mitteilen. Er soll am Steuer des zweiten beteiligten Autos gesessen haben, sein Bruder im Unfallwagen. Von Posen, Prahlen und Chillen ist die Rede, von kurzen Rennstarts an Ampeln und Filmen mit dem Handy. "Mein Verhalten war von Übermut und Selbstüberschätzung geprägt", sagt er. Das "Traumauto" als Symbol des Scheiterns Sein "absolutes Traumauto" – eine frisch zugelassene 500-PS-Sportlimousine – symbolisierte für ihn den Erfolg, "was mein Bruder und ich uns durch harte Arbeit aufgebaut haben", erklärt er. Mit ihren schwarzen Sportwagen seien sie an jenem März-Abend immer wieder angefahren, hätten sich gemessen, abgebremst – Euphorie pur, bis zum Crash. "Auch wenn es in diesen Situationen keine konkrete Gefahr gab, war dieses Verhalten falsch und gefährlich", liest der Anwalt vor. "Ich beschönige das nicht und ich übernehme hierfür die volle Verantwortung." Er habe sich auf Bremsen und Assistenzsysteme verlassen, sei überzeugt gewesen, alles im Griff zu haben. Mordvorwurf lastet schwer Es sei ihm nicht egal gewesen, ob Menschen sterben, betont er – ein Hinweis auch an die Anklage. Denn weil ihm versuchter Mord vorgeworfen wird, unterstellt die Staatsanwaltschaft ihm einen Tötungsvorsatz. Das hätte schärfere Strafen als Totschlag zur Folge, inklusive Mordmerkmale wie Heimtücke oder Gemeingefahr. Die Kammer zeigt sich zunächst zurückhaltend. "Ich habe nur eine Frage an Sie", sagt der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann schließlich zu den Angeklagten: "Warum hat das so lange gedauert?" Damit spielt er auf die monatelange Flucht des Mannes an. Der Anwalt der Nebenklägerfamilien reagiert skeptisch auf die zweite Einlassung des Cousins, der in einem der Autos mitgefahren sein soll: "Es wirkt ein wenig so, als wollten Sie einfach nur den Kopf aus der Schlinge ziehen." Der Hintergrund des Prozesses Der Prozess zählt zu den aufsehenerregenden Verfahren der vergangenen Monate. Zwei 32 und 35 Jahre alte Brüder sollen sich am Abend des 20. März in Ludwigsburg ein Autorennen in einer Tempo-50-Zone geliefert und ihre Limousinen teils auf bis zu 150 Kilometer pro Stunde beschleunigt haben. Bei dem Unfall rammte der jüngere der beiden den Wagen von zwei jungen Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren. Beide kamen in den Trümmern ihres Autos ums Leben. Der 32-Jährige sitzt wegen Mordverdachts auf der Anklagebank. Auch der 25-jährige Cousin ist angeklagt.