Superlimousine Aznom L’Epoque: Acht-Meter-Auto auf Italien
Ein beinahe acht Meter langer Design-Entwurf aus Italien zeigt, wie Luxuslimousinen künftig auch als rollende Wohnräume gedacht werden könnten. Aznom Automotive aus Monza hat sich bislang eher mit ungewöhnlichen Umbauten einen Namen gemacht – etwa mit veredelten Smart-Modellen. Nun zeigen die Italiener gemeinsam mit dem Turiner Camal Designstudio eine Konzeptstudie, die in die entgegengesetzte Richtung geht: Mit knapp acht Metern Länge ist der L’Epoque einer der größten Limousinenentwürfe der Gegenwart. Außen wie ein Salonwagen: Klassik trifft Monumentalismus Die Abmessungen sind nicht das einzige Besondere an dem Projekt. Der L’Epoque ist formal ein Viertürer, verzichtet aber auf klassische B-Säulen. Die Türen öffnen in zwei Richtungen – die Fondtüren sind hinten angeschlagen und schwenken auf, vorn schieben sie sich auf. Zusätzlich erleichtert ein sich hebendes Dachelement den Einstieg. Solche Konstruktionen erinnern an historische Karosseriebaukunst, ebenso wie das gesamte äußere Erscheinungsbild: Aufrechte Front, ein überdimensionierter Kühlergrill, lange Haube, ausgezogene Kotflügel, riesige 30-Zoll-Räder. Der L’Epoque will nicht dezent sein. Die Formensprache greift gezielt Gestaltungselemente aus den 1920er- und 30er-Jahren auf, interpretiert sie jedoch mit heutigen Mitteln. Die Seitenansicht wirkt wie ein Zitat aus der Vorkriegszeit, während die Proportionen an moderne "Land Yachts" erinnern. Dabei sei das Auto ausdrücklich nicht als Retroprojekt gedacht, sondern als Neuinterpretation klassischer Prinzipien des sogenannten "Coachbuildings", so Aznom. Innenraum mit Wohnzimmer-Anmutung Im Inneren verabschiedet sich der 7,92 Meter lange L’Epoque vollständig von konventionellen Konzepten einer Limousine. Statt Einzelsitzen im Fond gibt es ein Sofa, ergänzt durch zwei versenkbare Klappsitze und einen zentralen Tisch. Die Gestaltung erinnert an eine Lounge, ein Deckenlicht und ein versteckter Widescreen-Bildschirm komplettieren das Setting. Die Materialien folgen dieser Idee: grüne Plüschstoffe, dunkle Hölzer, Leder, goldfarbene Akzente. Digitale Displays sind vorhanden, bleiben jedoch im Ruhezustand unsichtbar. Zentrale Funktionen wie Licht, Klima und Duftsteuerung übernimmt ein KI-gestützter Sprachassistent, sichtbare Schalter oder Touchscreens sind kaum zu finden. Über 1.000 PS: Technik mit Range Extender Der Antrieb erfolgt vollelektrisch über vier Motoren – einer pro Rad. Die Systemleistung beträgt laut Aznom über 1.000 PS. Eine 100-kWh-Batterie liefert den Strom, unterstützt von einem V6-Motor, der als Generator fungiert und die Reichweite erhöhen soll. Technisch handelt es sich also um ein Elektrofahrzeug mit sogenanntem Range Extender . Die Plattform basiert auf einem klassischen Leiterrahmen, der in dieser Größenordnung strukturelle Vorteile bietet. Ein aktives Fahrwerk mit automatischer Niveauregulierung und Straßenzustandserkennung soll auch bei Unebenheiten gleichbleibenden Komfort gewährleisten. Laut Aznom sind diese Systeme darauf ausgelegt, den Ansprüchen an eine Chauffeurslimousine gerecht zu werden. Konzept statt Kleinserie – oder doch nicht? Offiziell ist der L’Epoque als reine Designstudie deklariert. Aznom spricht von einem "stilistischen Manifest" – ein Ausblick darauf, wie sich Exklusivität jenseits etablierter Luxusmarken denken lässt. Eine Serienfertigung ist nicht vorgesehen. Auf Wunsch eines Kunden könnte aber ein Einzelstück oder eine streng limitierte Kleinserie gebaut werden. Ob es so weit kommt, bleibt offen. Klar ist: Mit dem L’Epoque zeigen Aznom und Camal, dass Luxus im Automobilbau nicht zwangsläufig digital, reduziert oder futuristisch daherkommen muss. Er kann auch grün beplüscht, acht Meter lang und bewusst überzeichnet sein.
