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"Washington Post": Opfert Jeff Bezos seine Zeitung für Trump?

Die renommierte Washington Post entlässt rund ein Drittel ihrer Mitarbeiter. Stecken allein wirtschaftliche Gründe dahinter? David Schafbuch berichtet aus New York City Für Lizzie Johnson war es ein schwerer Tag. "Mir fehlen die Worte. Ich bin am Boden zerstört", schrieb die Journalistin der "Washington Post" am Mittwoch auf der Plattform X. Johnson war zuvor darüber informiert worden, dass sie bei der Zeitung entlassen wurde, während sie aktuell aus der Ukraine berichtet. Erst wenige Tage zuvor hatte Johnson auf der Plattform Einblicke gegeben, wie ihr Alltag in Kiew aktuell aussieht: Sie sei mal wieder ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser aufgewacht. Ihre Texte schreibe sie zurzeit im Auto mit Stirnlampe und Bleistift, weil die Minen der Kugelschreiber einfrieren. Auch wenn der Job schwierig sei, mache es sie stolz, für die Zeitung zu arbeiten. "Washington Post": Ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Damit ist jetzt nicht nur für Johnson Schluss: Am Mittwoch teilte der Chefredakteur der Zeitung, Matt Murray, mit, es werde einen erheblichen Stellenabbau innerhalb aller Abteilungen geben. Die genaue Zahl ließ er in einem Schreiben an die Mitarbeiter offen. Laut Medienberichten soll es sich um rund ein Drittel der Belegschaft handeln, darunter 300 Journalisten. Betroffen sind davon unter anderem große Anteile der Auslandsberichterstattung, die Audioabteilung und nahezu das gesamte Sportresort. Während der Chef in seiner Nachricht hauptsächlich wirtschaftliche und technologische Gründe für den Kahlschlag angab, befürchten viele Beobachter und Mitarbeiter, dass hinter dem Abbau ein anderes Kalkül steckt: Dass "Post"-Besitzer und Amazon-Gründer Jeff Bezos bereit ist, die Zeitung langsam ausbluten zu lassen, um sich weiter die Gunst von US-Präsident Donald Trump zu sichern. Die Zeitung, 1877 gegründet, gilt als eine der traditions- und ruhmreichsten Medienmarken der USA . Insgesamt gewann sie mehr als 70-mal den renommierten Pulitzerpreis, der in der Medienwelt eine vergleichbare Bedeutung mit dem Oscar der Filmbranche hat. Nur die "New York Times", traditionell der größte Konkurrent der Zeitung, konnte den Preis noch häufiger gewinnen. Weltweit berühmt wurde sie in den Siebzigerjahren durch die Enthüllung der sogenannten Watergate-Affäre: Die Recherchen der Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward waren Ausgangspunkt einer Entwicklung, die 1974 zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führten. Es ist in der Geschichte der USA ein bislang einzigartiger Vorgang. Mit den Kürzungen war allerdings schon länger bei der Zeitung gerechnet worden. Das geht aus zahlreichen Nachrichten von Mitarbeitern aus den vergangenen Tagen in den sozialen Medien hervor. Auch die jüngste Mitteilung, dass die Zeitung keine Reporter zu den Olympischen Winterspielen in Italien schicken wolle, hatte Verunsicherung ausgelöst. Dabei konnte die "Post" noch vor wenigen Jahren große Erfolge feiern. Zur ersten Amtszeit Trumps gab sie sich den neuen Slogan "Democracy Dies in Darkness" ("Demokratie stirbt in der Dunkelheit") und enthüllte zahlreiche Machenschaften innerhalb der Trump-Regierung. Die Abonnementzahlen gingen wie bei anderen Medien in dieser Zeit nach oben. Unter anderem hatte die Zeitung versucht, alle Lügen und irreführenden Aussagen Trumps zu zählen. Zum Ende von Trumps erster Amtszeit kam sie auf mehr als 30.000. Laut Marty Baron, damals Chefredakteur der Zeitung, hat sich der Besitzer Bezos in dieser Zeit völlig anders als heute verhalten. Der Milliardär habe bereits damals unter starkem Druck von Trump gestanden. Dennoch habe er sich immer hinter die Redaktion gestellt. "Er erklärte oft, dass der Erfolg der 'Post' zu den stolzesten Errungenschaften seines Lebens gehören würde", schrieb Baron jüngst auf der Plattform LinkedIn. Von dieser Geisteshaltung könne Baron heute allerdings nichts mehr erkennen. Wirtschaftlich hielt der Aufschwung der Zeitung nach der Abwahl Trumps allerdings nicht an. 2023 kalkulierte die "Post" mit Verlusten von 100 Millionen Dollar, die durch Abfindungen von verschiedenen Mitarbeitern auf 77 Millionen reduziert wurden. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 führte dann ein anderer Umstand für weiter sinkende Einnahmen: Die "Post" hatte sich kurzfristig dazu entschieden, keine Empfehlung an ihre Leser auszusprechen, welchen Kandidaten man wählen solle. In den USA sind solche Wahlempfehlungen anders als in deutschen Zeitungen nicht ungewöhnlich. Die Entscheidung, keine Empfehlung abzugeben, soll allerdings laut Medienberichten erfolgt sein, nachdem sich die Zeitung intern schon für Trumps Konkurrentin Kamala Harris ausgesprochen hatte. Als Ergebnis der ausbleibenden Empfehlung meldete die Zeitung später den Verlust von rund 250.000 Abonnements, was einem Gesamtrückgang von 10 Prozent entsprach. Klagewelle gegen Medienunternehmen Die Medienlandschaft der USA steht seit Langem unter großem Druck. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Regionalzeitungen schließen mussten, geht der Druck aktuell aber direkt vom Weißen Haus aus. Trump hatte in den vergangenen Monaten mehrere Milliardenklagen gegen die "New York Times", den britischen Sender BBC oder das "Wall Street Journal" eingereicht. Zudem einigte sich Trump mit den Sendern CBS und ABC auf Vergleiche in Millionenhöhe. Gegen die "Washington Post" liefert sich Trump bislang keinen Rechtsstreit. Kritiker werfen Bezos vor, er habe sich seit dem Wahlsieg die Sympathien des Präsidenten erkauft. Unter anderem hatte Amazon zuletzt eine Dokumentation über First Lady Melania Trump finanziert. Die Rede ist von Ausgaben von 75 Millionen Dollar. Unbestritten ist zudem, dass Bezos die Verluste der Zeitung ausgleichen könnte. Laut dem Magazin "Forbes" soll Bezos' Vermögen aktuell mehr als 235 Milliarden Dollar betragen, was ihn zur viertreichsten Person der Welt macht. Auch Ex-Chefredakteur Baron vermutet, dass Bezos seinen Kurs gewechselt habe, um sich mit Trump möglichst gut zu stellen. "Dies ist ein Fallbeispiel für eine fast augenblickliche, selbst verschuldete Zerstörung einer Marke", schrieb Baron auf LinkedIn. Der 71-Jährige sprach bei den Entlassungen von "widerwärtigen Bemühungen, sich bei Präsident Trump einzuschmeicheln" und von einem der "dunkelsten Tage in der Geschichte einer der weltweit größten Nachrichtenorganisationen". Bezos selbst hat sich bislang nicht zu den Entwicklungen geäußert. Chefredakteur Murray sagte dem Nachrichtensender CNN , dass Bezos weiter hinter der Zeitung stehe. "Er möchte, dass die 'Post' eine größere, relevante und florierende Institution wird." Marty Baron fürchtet dagegen, dass die Entlassungen der Anfang vom Ende der Zeitung sein könnten. "Ich denke, das wird zu weniger Abonnenten führen. Und ich hoffe, dass es keine Todesspirale wird, aber ich befürchte, dass es so kommen könnte", sagte er dem britischen "Guardian". Die Mitarbeitervertretung der Zeitung hat derweil einen Spendenaufruf gestartet, um die entlassenen Mitarbeiter finanziell zu unterstützen. Am Donnerstagmorgen waren dort mehr als 300.000 Dollar zusammengekommen. Lizzie Johnson möchte dagegen weiter aus der Ukraine berichten. Auf der Plattform X könne sich jeder melden, der an der Arbeit einer "hartnäckigen und einfühlsamen" Reporterin interessiert sei.