E-Auto-Prämie: Autohändler warnen vor Pleitegefahr und Ausgestaltung
Autohändler sehen durch die neue E-Auto-Prämie bislang keine Belebung der Nachfrage. Stattdessen wachsen die Unsicherheit bei Kunden und der wirtschaftliche Druck. Die neue staatliche Förderung für Elektroautos soll den Absatz ankurbeln und den Umstieg auf klimafreundlichere Antriebe beschleunigen. Aus Sicht vieler Autohändler bleibt dieser Effekt bislang jedoch aus: Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) spricht von anhaltender Kaufzurückhaltung, wachsender Unsicherheit und zunehmendem wirtschaftlichem Druck auf die Branche. In einem Schreiben an Bundesumweltminister Carsten Schneider fordert der Verband eine zügigere Umsetzung der angekündigten E-Auto-Prämie sowie Nachbesserungen bei der Ausgestaltung. Grundlage ist eine aktuelle Mitgliederumfrage: Mehr als 80 Prozent der befragten Händler berichten demnach, dass sie derzeit keine oder nur eine sehr geringe Belebung der Nachfrage nach Elektroautos feststellen. Das steht allerdings im Widerspruch zu Meldungen, dass Onlineplattformen wie meinauto.de und Carwow deutlich steigende Anfragen zu Elektroautos melden. Auch der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, spricht von einem hohen Kundeninteresse. Unklare Ausgestaltung, spätes Förderportal Allerdings heißt steigendes Interesse nicht automatisch, dass es zu Käufen kommt: Offene Fragen führen dazu, dass viele Interessenten abwarten. Angesichts langer Lieferzeiten dürfte sich ein möglicher Effekt auf die Neuzulassungen ohnehin erst in einigen Monaten zeigen. "Wir sehen weiter große Zurückhaltung bei potenziellen Käufern", sagt VAD-Präsident Burkhard Weller. "Die Ankündigung der Prämie hat zu weiterer Unsicherheit auf Kundenseite geführt." Als besonders problematisch nennen Händler die unklare Ausgestaltung der Fördervoraussetzungen – etwa bei der Berechnung des Haushaltseinkommens – sowie fehlende Planungssicherheit bei Einführung und Auszahlung der Prämie. In der Praxis sei häufig nicht verlässlich zu klären, ob ein Anspruch bestehe. Zudem erschwere die notwendige Zwischenfinanzierung viele Kaufentscheidungen zusätzlich. Kritisch sieht der Verband auch den Zeitplan: Die geplante Freischaltung des Förderportals erst im Mai komme aus Sicht der Händler deutlich zu spät. Der VAD fordert, die Prämie schnellstmöglich umzusetzen, um weitere Verunsicherung im Markt zu vermeiden. Nach Einschätzung des VAD droht die Förderung damit, ihre klimapolitische Wirkung zu verfehlen. Neuwagen sind teuer – und der Ladestrom nicht für alle gleich bezahlbar Nach Einschätzung der Händler reicht die Förderung zudem nicht aus, um die Einstiegshürden spürbar zu senken. Viele Elektro-Neuwagen – auch aus deutscher Produktion – blieben selbst mit staatlicher Unterstützung für Privatkunden schwer erschwinglich. Hinzu komme eine für Verbraucher schwer kalkulierbare Kostenstruktur beim Ladestrom. Der Verband spricht sich deshalb ausdrücklich für die Einbeziehung junger gebrauchter Elektrofahrzeuge in die Förderung aus. Der überwiegende Teil der Privatkunden entscheide sich erfahrungsgemäß für Gebrauchtwagen. "Nur wenn auch junge Gebrauchte gefördert werden, kann Elektromobilität schnell für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich werden", so Weller. Ohne diesen Schritt werde ein großer Teil der potenziellen Käufer den Umstieg nicht vollziehen. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer äußert grundsätzliche Kritik an der Förderung. Sie sei ein steuerfinanziertes Programm, das der Markt nicht brauche, und berge die Gefahr von Mitnahmeeffekten. Kurzfristig könne die Prämie zwar Absätze stützen, strukturelle Probleme im Markt löse sie jedoch nicht. Druck auf Händler nimmt zu Dass die Lage im Autohandel angespannt ist, zeigen auch Berichte aus der Branche. Viele Händler melden sinkende Margen und eine schwierige Ertragslage. Besonders kleinere, inhabergeführte Betriebe geraten unter Druck, da sie häufig schlechtere Einkaufskonditionen haben als große Händlergruppen. Die staatliche Förderung für Neuwagen wirkt sich zudem auf den Gebrauchtwagenmarkt aus. "Die Prämie wird die Restwerte komplett in den Keller schieben. Das wird ein Blutbad für uns", sagte der Bonner Autohändler Claus Trilling der "Wirtschaftswoche". Sinkende Restwerte erschweren vor allem das für viele Betriebe wichtige Gebrauchtwagengeschäft. Erschwerend wirken sich auch die hohen Zielvorgaben der Hersteller aus. Um Bonuszahlungen zu sichern, verzichten Händler teils auf einen Teil ihrer Marge. Laut einer Auswertung der "Wirtschaftswoche" hat sich die Zahl der Insolvenzen unter großen Autohändlern im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. EY-Autoexperte Constantin Gall spricht von einem "perfekten Sturm" für die Branche. Sinkende Auftragseingänge, hohe Neuwagenpreise und der kostspielige Umbau zur Elektromobilität belasteten die Hersteller – und dieser Druck werde an den Handel weitergegeben. Kunden unter Kostendruck Die angespannte Marktlage spiegelt sich auch im Kaufverhalten der Verbraucher wider. Laut dem DAT-Report 2026 der Deutschen Automobil Treuhand haben private Neuwagenkäufer im Jahr 2025 im Schnitt 44.560 Euro für einen neuen Pkw bezahlt. Reine Elektroautos lagen mit durchschnittlich 47.160 Euro noch darüber. Gebrauchtwagen kosteten im Schnitt 18.310 Euro – etwas weniger als im Vorjahr, aber weiterhin auf hohem Niveau. Viele Halter entscheiden sich deshalb, ihr Auto länger zu fahren. 76 Prozent gaben im DAT-Report an, ihr Fahrzeug bewusst länger behalten zu wollen – auch, um die technologische und politische Entwicklung bei der Elektromobilität abzuwarten. Gleichzeitig steigen die Kosten für Wartung und Reparaturen deutlich. Eine durchschnittliche Reparatur kostete 2025 rund 604 Euro, etwa 30 Prozent mehr als 2020. 44 Prozent der Befragten äußerten die Sorge, sich das Auto künftig womöglich nicht mehr leisten zu können. Mobilität wird für viele zunehmend zur Kostenfrage.
