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BW-Wahl 2026: So will CDU-Kandidat Hagel Özdemir schlagen

Manuel Hagel könnte der jüngste Ministerpräsident Deutschlands werden, wenn die CDU die Wahl in Baden-Württemberg gewinnt. Was hat er vor? Im Interview mit t-online erklärt er seine Pläne. Manuel Hagel greift im Südwesten nach der Macht. Die Ära Winfried Kretschmann endet, der Grüne geht in Rente . Baden-Württemberg wählt am 8. März einen neuen Landtag. Für die CDU tritt der noch wenig bekannte Hagel an, für die Grünen geht der prominente Bundespolitiker Cem Özdemir ins Rennen. Ein ungleiches Rennen, doch Hagels CDU liegt in Umfragen vorn. Allerdings schrumpft der Abstand, Özdemir holt auf. Der CDU-Spitzenkandidat Hagel gibt sich dennoch siegessicher, präsentiert sich als bodenständiger, pragmatischer und heimatverbundener Familienmensch. Doch reicht das, um gegen den populären Özdemir zu gewinnen, oder läuft die Zeit gegen ihn? Im Interview mit t-online spricht Hagel über das Duell mit Özdemir und seine Pläne für das Autoland Baden-Württemberg. Der 37-Jährige verrät auch, was er von der Wirtschaftspolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz hält, und ob die Menschen im Südwesten genug arbeiten. t-online: Herr Hagel, sind Sie manchmal neidisch auf Cem Özdemir? Manuel Hagel: Wie kommen Sie auf diese Frage? Weil ihn 85 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg kennen. Bei Ihnen sind es nur 41 Prozent. Jeder hat doch sein eigenes Profil. Herr Özdemir war jahrelang Vorsitzender der Grünen in Berlin und Ampelminister bei Olaf Scholz – und die Ampel ist jetzt ja wirklich ein großes Warnschild. Mein Profil ist: gut 15 Jahre in der Kommunal- und zehn Jahre in der Landespolitik, Arbeiten in einer funktionierenden Koalition. Also eher Erfahrung darin, wie es in Baden-Württemberg gelingt. Mein Thema sind aber nicht andere Parteien oder Kandidaten. Mein Thema ist Baden-Württemberg und die Menschen im Land. Da haben wir viele Ideen und noch mehr zu tun, um unser Land zurück an die Spitze zu bringen. Am 8. März schlagen wir ein neues Kapitel auf. Die Menschen spüren, dass wir nicht einfach "weiter so" machen können – dafür sind die Herausforderungen zu groß. Die Grünen haben in den Umfragen allerdings aufgeholt. Sie liegen in einer Umfrage nur noch sechs Prozentpunkte hinter Ihnen. Macht Ihnen das keine Sorgen? Die einzige Umfrage, die mich interessiert, ist die am 8. März. Unser Fixpunkt ist das Land, nicht Umfragen. Die Hütte brennt. Wir lesen jede Woche, dass Tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Darum muss es jetzt gehen. Die Menschen wissen: Die Wirtschaft ist bei uns Christdemokraten in guten Händen. Deshalb wollen sie eine CDU-geführte Landesregierung – für Pragmatismus, Stabilität, Verlässlichkeit und echte Wirtschaftskompetenz. Darum wird es am 8. März gehen. Bei uns sind Programm, Kandidatinnen und Kandidaten, Partei und Fraktion eine Einheit. Auf Geschlossenheit kommt es doch an, wenn man was reißen will. Was ist etwas, das man unbedingt über Sie wissen muss? Überraschen Sie uns. An mir ist im Grunde alles ganz normal. Ich bin Vater von drei kleinen Kindern, habe einen soliden Beruf gelernt und zuvor in der Wirtschaft gearbeitet, mache Politik, weil ich Lust habe, etwas zu bewegen. Im Falle Ihrer Wahl wären Sie der jüngste Ministerpräsident Deutschlands. Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, ein großes, wichtiges Bundesland regieren zu können? Da halte ich es mit Otto Rehhagel : Er sagte mal, dass er keine jungen oder alten Spieler kennt, sondern nur gute oder schlechte. Baden-Württemberg ist ein tolles Land und ich werde alles dafür tun, dass es so bleibt. Die CDU ist ein großes Team und keine One-Man-Show. Genau das braucht es jetzt. Eine weltoffene und empathische Volkspartei, die Jüngere und Ältere, Frauen und Männer, Akademiker und Handwerker, Stadt und Land zusammenbringt, um unser Land wieder voranzubringen. Dieses Team anführen zu dürfen, ist eine riesige Ehre für mich. Aber es ist vor allem ein Auftrag: Wir werden arbeiten mit der Wirtschaftskompetenz von Lothar Späth, der Geschwindigkeit von Günther Oettinger, und wir werden schaffen wie der Teufel. Das ist unser Angebot – so kennen uns die Menschen im Land. Baden-Württemberg ist ein Autoland. Wie viel Sorge macht Ihnen die Krise der Autoindustrie? Große Sorgen. Sorgen lösen aber keine Probleme, nur Tatkraft macht das. Wir haben im letzten Jahr Zehntausende Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren, weitere Arbeitsplatzverluste sind leider absehbar. Hinter jeder Zahl steckt ein Mensch: unsere Freunde, Nachbarn, Familien. Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Dafür haben wir viele neue Konzepte entwickelt – wie unsere Sonderwirtschaftszonen. Und dafür haben wir uns erfolgreich gegen das pauschale Verbrennerverbot der EU ab 2035 eingesetzt. Wir brauchen Vorfahrt für Innovationen, Forschung und Produktivität. Strukturwandel ist bei uns nichts Fremdes, sondern eher der Normalfall. Mit CDU-geführten Landesregierungen standen wir jedes Mal danach stärker da als zuvor. So wollen wir das diesmal wieder machen. Die EU hat das Verbrenner-Aus aufgeweicht. Künftig sollen bis 2035 nicht mehr 100 Prozent des CO2-Ausstoßes eingespart werden, sondern 90 Prozent. Was weiterhin andere Technologien ermöglicht. Ist das ausreichend? Das ist ein guter Kompromiss, weil er hocheffiziente Verbrenner, Range Extender und Plug-in-Hybride erlaubt. Das pauschale Verbot war schädlich. Ich will diesen grünen Kulturkampf ums Auto beenden. Mir ist egal, wie ein Auto angetrieben wird. Entscheidend ist, dass es in Baden-Württemberg gebaut wird. Unsere Unternehmen sollen das produzieren, was der Weltmarkt nachfragt. Wir werden unsere Umwelt nur gemeinsam mit unserer Wirtschaft schützen, nicht gegen sie. Haben die Autobauer auch eine Mitschuld an der Krise, weil sie E-Mobilität vernachlässigt haben? China fährt uns davon. Es gab in den letzten Jahren viele Strategiewechsel bei einigen Autobauern, das stimmt schon. Das ist zunächst eine einfache Feststellung. Schuldzuweisungen helfen uns aber nicht weiter. Entscheidend ist der Blick nach vorn. Wir sind klar in den Zielen, aber offen in den Wegen. Die Zukunft des Autos entscheidet sich nicht nur beim Antrieb, sondern vor allem auch bei der Software. Deshalb wollen wir in Baden-Württemberg nach über 50 Jahren wieder eine Universität gründen: die erste KI-Universität Europas. Damit kommen wir international wieder auf Augenhöhe – mit Boston, Shanghai und dem Silicon Valley. Es wird hervorragend zu uns passen. Besonders die Zulieferer haben ein Problem, wenn sie für Verbrenner nichts mehr zuliefern können. Wie wollen Sie denen helfen? Zulieferer, Maschinenbau und Autoindustrie sind das Herzstück unserer Wirtschaft. Unsere Mittelständler und Familienbetriebe können Veränderung. Entscheidend sind das richtige politische Mindset und Verlässlichkeit. Kluge Politik beschreibt nicht, was nicht läuft, sondern schafft jetzt den Rahmen für neues Wachstum. Um das Rahmeninnere kümmern sich unsere Unternehmen selbst sehr gut. Wie wichtig ist Ihnen eigentlich der Klimaschutz? Sehr. Als Kind habe ich sehr viel Zeit auf dem Bauernhof meiner Großeltern verbracht. Ich bin nicht nur in der CDU, sondern auch Mitglied beim Nabu. Beides ist sehr gut vereinbar. Ich durfte Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sein, und mein ursprünglicher Berufswunsch war immer Förster. Das Thema begleitet mich schon mein ganzes Leben. Wenn wir durch unsere Wälder und über unsere Flure laufen, spüren wir doch alle, dass sich da etwas verändert. Wer unsere Umwelt schützt, der schützt auch immer unsere Heimat. Das ist ein total konservatives Anliegen. Nur hat die Ampelregierung so ziemlich jedem im Land die Lust auf Klimaschutz genommen. Sie hat durch das Heizungsgesetz eine politische Kultur geschaffen, bei der man beim Klimaschutz immer an Verbote denkt. Unsere Idee eines konservativ inspirierten Umweltschutzes geht da wohlwollender an die Sache ran. Wie geht es besser? Die Ampel hat uns weltweit zum abschreckenden Beispiel gemacht. Wir müssen aber Vorbild werden. Wir Deutschen sind für rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Wir werden der Verantwortung für unsere Kinder nur gerecht, wenn uns die großen Industrienationen und die Schwellenländer der Erde auf diesem Weg folgen. Das werden sie aber nur, wenn sie sehen, dass dadurch Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand entstehen können. Klimaschutz und Wirtschaft – das geht nur zusammen und nicht gegeneinander. Heißt das für Sie, die Klimaziele abzuschwächen, wie es in der CDU zuletzt diskutiert worden ist? Nein. Wir brauchen jetzt Stabilität und Verlässlichkeit in unseren Entscheidungen. Wir wollen die Wege öffnen, um diese Ziele zu erreichen. Etwa CCS und CCU als hilfreiche Technologien. Also das Speichern oder die Nutzung von CO2. Kommt wirtschaftspolitisch zu wenig von der Bundesregierung ? Nein. Was Friedrich Merz und die Bundesregierung leisten, wird für Rückenwind bei unseren Betrieben sorgen. Sie haben in den ersten acht Monaten rund 400 Maßnahmen durchs Kabinett gebracht. Die beginnen jetzt zu wirken und sind die richtigen Schritte in die richtige Richtung. Weitere werden folgen: die Absenkung der Stromsteuer für alle, die Unternehmenssteuerreform, die Einkommenssteuerentlastung. All das wird unserer Wirtschaft und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Land helfen. Die Stromsteuersenkung für alle soll eventuell kommen, wenn mal wieder Geld da ist. Die Körperschaftssteuersenkung ist erst ab 2028 schrittweise geplant. Muss das früher kommen, jetzt, wo wir sehen, dass die Wirtschaft sich zu langsam erholt? Früher ist immer besser. Aber: Ich habe meine politische Prägung in der Kommunalpolitik erfahren. Nirgendwo ist Politik mehr in der direkten Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger als in den Kommunen. Eines habe ich dort von Grund auf gelernt: Glaubwürdigkeit ist ein hohes politisches Gut, das Vertrauen schafft. Dafür müssen wir jetzt ohne große Ankündigungen und viel Getöse ruhig und souverän einen Punkt nach dem anderen abarbeiten. Arbeiten die Menschen in Baden-Württemberg eigentlich genug? Ja! Baden-Württemberg ist die Heimat der Fleißigen. Wir sind mitten in einer Rezession. Unsere Unternehmen investieren mehr Geld im Ausland als bei uns. Vor allem bei Forschung und Entwicklung schmerzt uns das sehr. Deshalb brauchen wir Reformen. Der Staat muss aber bei sich selbst beginnen. Hier haben wir wirkungsvolle und konkrete Ideen für Baden-Württemberg. Denken Sie an unsere Verwaltungsreform, die Genehmigungsfiktion, Verfallsdatum für neue Normen, die Abschaffung von Dokumentations- und Berichtspflichten … Gerade spricht die CDU eher über Dinge wie die "Lifestyle-Teilzeit", die der Wirtschaftsflügel abschaffen wollte. Das geht an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei. Die Stärke der Volkspartei CDU ist, dass wir von allen Seiten auf politische Fragen blicken. Deshalb haben wir ja auch unseren Arbeitnehmerflügel. Unser Beitrag als CDU Baden-Württemberg besteht darin, unser Land aus einer mitfühlenden und empathischen Mitte heraus zu denken. Mit einem klaren, wohlwollenden und wachen Blick auf den Alltag der Menschen. Minijobs und Teilzeitjobs sind wichtig, gerade für junge Familien, für viele Mamas und Papas im Land und für Menschen mit geringem Einkommen. Minijobs und Teilzeitmodelle sind gelebte wirtschaftspolitische Vernunft. Da gibt es viele andere Dinge, die wir anpacken müssen. Mit mir können Sie zum Beispiel gerne über eine Anhebung der Minijobgrenze auf 1.000 Euro sprechen. Worüber noch? Wir haben uns in den letzten fünfzehn Jahren mit Wirtschaftswachstum und hohen Steuereinnahmen um einige notwendige Reformen gedrückt. Wir müssen jetzt zuallererst jeden arbeiten lassen, der arbeiten will. Sprich: das Arbeitszeitgesetz ändern, um von einer Tages- zu einer Wochenarbeitszeit zu kommen. Wir sollten die Überstundenzuschläge komplett steuerfrei stellen und die Aktivrente für Unternehmerinnen und Unternehmer und unsere Beamten öffnen. Zugleich gehört aber auch dazu, zu sagen: In einer Solidargemeinschaft bekommt jeder Hilfe, der sie braucht. Aber es muss auch jeder, der arbeiten kann, arbeiten gehen. Aber noch mal: Gesundheitsministerin Nina Warken prüft zum Beispiel die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Können Sie verstehen, wenn Menschen den Eindruck haben, dass ihnen misstraut wird? Der Ausgangspunkt war hier eine wissenschaftliche Studie. Wir brauchen da einen nüchternen Blick. Ziel der Debatte ist, dass wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben, die gesund sind und gerne arbeiten – und gleichzeitig Missbrauch verhindern. Darum geht es Nina Warken. Ihre CDU in Baden-Württemberg regiert gerade mit den Grünen recht geräuschlos zusammen. Was spricht eigentlich dagegen, dass das künftig weiter so geht? Das entscheiden die Wählerinnen und Wähler am 8. März. Die Grünen sind im Moment in einer Identitätskrise. Sie spüren, dass sie mit ihren Themen gesellschaftlich nicht ankommen, weil die Zeit jetzt anderes erfordert. Aber Sie haben recht: Wir haben in den letzten zehn Jahren mit Winfried Kretschmann verlässlich und stabil regiert. Ich mag Winfried Kretschmann persönlich sehr. Gleichzeitig gilt aber auch: Winfried Kretschmann ist ein Grüner. Aber die Grünen sind nicht wie Winfried Kretschmann. Cem Özdemir geht auch oft auf Distanz zu seiner Partei. Inwiefern unterscheidet er sich von Kretschmann? Noch mal: Der Fixpunkt für meine Politik sind nicht andere Parteien oder andere Kandidaten. Der Fixpunkt für meine Politik sind Baden-Württemberg und die Menschen im Land. Würden Sie sich eine andere Koalition wünschen als mit den Grünen? Für uns als CDU wird die Koalition die beste sein, mit der wir am meisten von dem umsetzen können, was wir für richtig fürs Land und die Menschen bei uns halten. Es geht um Stabilität und Verlässlichkeit. Wir werden alle Kräfte brauchen, um spürbare Wirtschaftspolitik zu machen, um für jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen, um wieder mutige Bildungspolitik zu machen und die innere Sicherheit weiter zu verbessern. Wer uns dabei unterstützt, kann ein Partner sein. Dazu reichen aber nicht Sprüche auf Wahlplakaten, sondern es muss jeder auch in der Lage sein, das in seiner eigenen Fraktion und Partei durchzusetzen. Da habe ich bei so manchem Zweifel, weil ich gerade zu oft erlebe, dass vor jeder Gruppe genau das erzählt wird, was dieser Kreis hören will. Gleichzeitig weiß jeder, dass das die Partei niemals mitmachen wird. Aber die Menschen haben für so etwas ein feines Gespür. Wenn die FDP wieder in den Landtag einzieht, könnten Sie eventuell auch eine Deutschlandkoalition mit FDP und SPD bilden. Würden Sie sich das wünschen? Möglich ist es. Und eine realistische Option noch dazu. Zuerst hat aber immer der Souverän das Wort. Das hat auch etwas mit Demut zu tun. Wer eine stabile und verlässliche Landesregierung möchte, muss mit beiden Stimmen CDU wählen. Das spricht ja nicht grundsätzlich dagegen. Würden Sie, sollte es so kommen, auch Minister unter einem Ministerpräsidenten Cem Özdemir werden? Oder würden Sie dann zurück zur Sparkasse nach Ehingen gehen? Die Menschen im Land wünschen sich eine CDU-geführte Landesregierung. Wir liegen seit zwei Jahren stabil auf Platz 1. Die Frage müssten Sie daher eigentlich eher jemand anderem stellen. Aber ich finde es schon wichtig, dass Politikerinnen und Politiker einen anständigen Beruf gelernt und darin gearbeitet haben. Ich persönlich kann jederzeit in meinen Beruf zurückkehren. Dieses Wissen, nicht von der Politik abhängig zu sein, gibt mir eine unglaubliche innere Freiheit. Das macht Politik auch mutiger, ambitionierter und freier. Und genau das braucht unser Land jetzt. Herr Hagel, vielen Dank für das Gespräch.