Mexiko: Brennende Autos und Chaos nach Tod von Drogenboss "El Mencho"
Nach dem Tod des Drogenbosses "El Mencho" versinken mehrere mexikanische Bundesstaaten im Chaos. Brennende Autos, Straßensperren und ausgefallene Flüge legen Touristenregionen lahm. Brennende Autos, bewaffnete Straßensperren und ausfallende Flüge haben am Sonntag weite Teile des westlichen Mexikos lahmgelegt. In Touristenorten wie Puerto Vallarta stiegen Rauchwolken auf, Hotels riefen ihre Gäste auf, die Anlagen nicht zu verlassen. Die US-Botschaft forderte amerikanische Staatsbürger in mehreren Bundesstaaten auf, sich "bis auf Weiteres in Sicherheit zu begeben" und ihre Bewegungen einzuschränken. Der Auslöser für die Warnungen war ein Militäreinsatz, bei dem der mutmaßliche Drogenboss Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, bekannt als "El Mencho", getötet wurde. Das mexikanische Verteidigungsministerium bestätigte, Oseguera sei am frühen Sonntagmorgen in der Stadt Tapalpa bei dem Einsatz verwundet worden. Demnach erlag er seinen Verletzungen, als er auf dem Luftweg nach Mexiko-Stadt geflogen wurde. "El Mencho" galt als Gründer und Anführer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), einer der mächtigsten kriminellen Organisationen des Landes. Den offiziellen Angaben zufolge kamen neben ihm sechs weitere Bandenmitglieder ums Leben, zwei weitere wurden festgenommen. Drei Soldaten wurden den Angaben zufolge verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. "El Mencho": Sicherheitskräfte töten mächtigsten mexikanischen Drogenboss Meteor-Raketen für die Ukraine ? Dann können Russlands Kampfjets einpacken Ausnahmezustand in Jalisco Unmittelbar nach dem Einsatz kam es in mehreren Regionen des Landes zu gewaltsamen Reaktionen mutmaßlicher Kartellmitglieder. In Jalisco errichteten Bewaffnete Straßensperren, setzten Fahrzeuge in Brand und blockierten wichtige Verkehrsachsen. Der Gouverneur des Bundesstaates, Pablo Lemus Navarro, sprach von "Konfrontationen" infolge eines föderalen Einsatzes und rief einen landesweiten "Code Red" aus. Ziel sei es, "Akte gegen die Bevölkerung zu verhindern". Besonders betroffen sind die Großstadt Guadalajara und der Urlaubsort Puerto Vallarta an der Pazifikküste. Dort stiegen am Sonntag dichte Rauchwolken über der Stadt auf, nachdem an mehreren Orten Autos und Busse angezündet worden waren. Öffentliche Verkehrsmittel stellten den Betrieb ein, Taxis und Fahrdienste wurden ausgesetzt. Hotels forderten ihre Gäste auf, in den Anlagen zu bleiben, zahlreiche Geschäfte schlossen vorsorglich. Nach Angaben lokaler Behörden wurden Flüge von und nach Guadalajara sowie Puerto Vallarta vorübergehend ausgesetzt oder umgeleitet. Auch Fernbusverbindungen in andere Landesteile fielen aus. Sicherheitskräfte zeigten verstärkte Präsenz auf Straßen und an öffentlichen Plätzen. Konkrete Zahlen zu Verletzten oder Festnahmen wurden zunächst nicht genannt. Warnungen an US-Bürger Die US-Botschaft in Mexiko veröffentlichte eine Sicherheitswarnung für mehrere Bundesstaaten, darunter Jalisco, Michoacán, Guerrero und Nuevo León. US-Bürger in den betroffenen Gebieten sollten sich "bis auf Weiteres in Sicherheit begeben", Menschenansammlungen meiden und ihre Bewegungen einschränken. Auch die kanadische Regierung rief ihre Staatsangehörigen in Jalisco dazu auf, Schutz zu suchen und nicht notwendige Wege zu vermeiden. Puerto Vallarta zählt zu den beliebtesten Reisezielen für Urlauber aus den USA und Kanada . Entsprechend groß ist die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Lage. Mehrere internationale Fluggesellschaften strichen Flüge oder verschoben Verbindungen, einzelne Airlines stellten ihren Betrieb vorübergehend ganz ein. Reisende wurden aufgefordert, sich vor der Anfahrt zum Flughafen über den Status ihrer Flüge zu informieren und den Anweisungen der Behörden zu folgen. "Das Schlimmste kommt erst noch": New York verhängt Ausnahmezustand Die Unruhen beschränkten sich nicht auf Jalisco. Aus dem Nachbarstaat Michoacán meldeten Behörden Straßensperren in mindestens 13 Gemeinden. Medien berichteten zudem von Zwischenfällen in weiteren Bundesstaaten, darunter Veracruz, Guanajuato, Colima und Tamaulipas. Kriminelle Gruppen in Mexiko reagieren häufig mit koordinierten Blockaden und Brandanschlägen auf Festnahmen oder Tötungen hochrangiger Mitglieder. Wer war "El Mencho"? Oseguera war einer der meistgesuchten Drogenhändler weltweit. Die US-Behörden hatten eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (rund 12,7 Millionen Euro) für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Festnahme oder Verurteilung führten. Die US-Regierung hatte das Drogenkartell von "El Mencho" als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien . Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt. Das CJNG gilt als besonders gewaltbereit. Unter Osegueras Führung baute die Organisation ihre Ausrüstung aus und setzte gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen und schwere Waffen ein. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf. 2015 schoss das Kartell gar einen Militärhubschrauber ab, neun Sicherheitskräfte kamen dabei ums Leben. In den vergangenen Jahren nahmen die Behörden mehrere enge Vertraute und Familienangehörige Osegueras fest. "El Mencho", der ein unauffälliges Leben führte, wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. Der Drogenboss soll ein Milliardenvermögen besessen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe auch der "Herr der Hähne" genannt. Sein weiterer Spitzname, "El Mencho", soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmaßliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als "Leute von Señor Mencho" bezeichnen. Politische Folgen und offene Fragen Für die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum bedeutet der Einsatz einen sicherheitspolitischen Erfolg. Ihre Regierung steht seit Monaten unter Druck aus Washington , entschiedener gegen den Drogenschmuggel in die USA vorzugehen. Unklar blieb zunächst, ob und in welchem Umfang US-Behörden an der Operation beteiligt waren. Sheinbaum hatte eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zugesagt, zugleich aber eine direkte Beteiligung ausländischer Kräfte auf mexikanischem Boden ausgeschlossen. Washington reagierte auf die Nachricht seiner Tötung über den stellvertretenden US-Außenminister Christopher Landau. Einer der "blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse" sei getötet worden, schrieb er auf der Plattform X. "Das ist eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen". Gerüchte über den Tod oder die Festnahme Osegueras hatten in der Vergangenheit mehrfach die Runde gemacht und sich später als falsch erwiesen. Dieses Mal bestätigten jedoch mexikanische Behörden offiziell seinen Tod. Ob das Machtgefüge innerhalb des Kartells nun ins Wanken gerät oder rivalisierende Gruppen um Einfluss kämpfen, ist offen. Die Sicherheitslage in den betroffenen Regionen blieb am Sonntag angespannt. Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, Ruhe zu bewahren und offizielle Mitteilungen zu verfolgen. Wie lange die Einschränkungen im öffentlichen Leben andauern, ist derzeit nicht absehbar.
