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Merz in Peking: China wird zum Risiko

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, Reisen bildet, heißt es; und in keinem Land der Welt lässt sich so viel Neues erfahren wie in China. Der 1,4-Milliarden-Einwohner-Staat hat sich binnen weniger Jahrzehnte aus bitterer Armut an die Weltspitze katapultiert und spielt nun wirtschaftlich, politisch und militärisch ganz vorne mit. Vorbei die Zeit, in der Chinesen bloß westliche Technologien plagiierten. Mittlerweile dominieren sie dank zahlloser Innovationen den Weltmarkt und haben Europa technologisch überholt. Chinesische E-Autos, Baumaschinen und Solaranlagen sind günstiger als westliche Modelle und werden ruckzuck in jeden Teil der Welt geliefert; in den Zukunftsbranchen Robotik und Künstliche Intelligenz messen sich Chinas Entwickler mit den besten Köpfen aus Kalifornien. Bei der Frühlingsfest-Gala vor wenigen Tagen führte das Staatsfernsehen die erstaunlichen Fähigkeiten der jüngsten Robotergeneration vor. Die Chinesen sind so erfolgreich, dass sie uns Deutsche gar nicht mehr brauchen – höchstens noch als Absatzmarkt: So lautet die nüchterne Erkenntnis im Tross des Bundeskanzlers, der heute in Peking empfangen wird. Trotzdem will Friedrich Merz den Eindruck eines Bittstellers vermeiden. Zunächst trifft er Ministerpräsident Li Qiang, der als Pragmatiker gilt, aber kein Jota von der Parteilinie abweicht. Und die Partei, die Partei, die hat in China immer recht. Um zu wissen, was die Partei will, die sich kommunistisch nennt, aber radikalkapitalistisch handelt, muss man Xi Jinping zuhören, Chinas mächtigstem Staatschef seit Mao Zedong. Merz trifft ihn heute Nachmittag in der Großen Halle des Volkes, und wenn es gut läuft, beschränkt Xi sich nicht darauf, routinierte Floskeln zur jahrhundertelangen Arroganz des Westens und dem chinesischen Selbstbehauptungsanspruch vom Blatt abzulesen, wie er es gern tut. Immerhin kehrt er für den Gast früher aus seinem Frühlingsurlaub zurück, was von der deutschen Delegation als besonderes Entgegenkommen gewürdigt wird. Lange genug hat die Terminfindung für den Antrittsbesuch des Kanzlers eh schon gedauert. Merz will in Peking über die Ukraine reden, denn ohne Chinas Unterstützung könnte Putin seinen Krieg nicht führen. Doch im Vordergrund steht die Wirtschaft, weshalb der Kanzler von einer großen Delegation deutscher Firmenchefs begleitet wird. Konzerne wie Volkswagen, Daimler, Siemens, DHL, Bosch, Schenker, Bayer, Continental, BASF und Metro sowie 5.200 weitere deutsche Firmen sind von der Gunst der roten Bosse abhängig und blicken sorgenvoll auf das brutal abgestürzte Handelssaldo. "Falls der chinesische Markt wegbricht, gehen hier die Lichter aus", sagt einer, der es wissen muss. Ein Fingerzeig Xis würde genügen, um im DAX ein Beben auszulösen – schon jetzt setzt China seine Interessen immer rücksichtsloser durch und verbilligt viele Produkte durch Subventionen. Deshalb wollen Merz und seine Berater auf faire Handelspraktiken drängen, bevor sie sich morgen in der Digitalmetropole Hangzhou die menschenähnlichen Roboter der Firma Unitree vorführen lassen und ein Werk von Siemens Energy besuchen. Unser Chefreporter Johannes Bebermeier ist dabei und wird auf t-online berichten. Die meisten deutschen Besucher staunen nicht schlecht, wenn sie chinesische Technologie vorgeführt bekommen. So ging es auch Angela Merkel, die ich 2018 und 2019 auf Reisen nach Peking, Shenzhen und Wuhan begleitete. In einem Start-up trafen wir Ingenieure, die an der totalen Vermessung des Menschen arbeiten: Sensoren im Körper registrieren sämtliche Körperfunktionen, berechnen und prognostizieren die Entwicklung der Zellen – und übertragen sie aufs Smartphone sowie in eine staatliche Gesundheitsdatenbank. Das sei ja schlimmer als bei Orwell, meinte Merkel damals. Mir schwant: Acht Jahre später sind Chinas Tüftler schon viel weiter. Der aktuelle Kanzler dürfte ebenfalls Augen machen. China wird nicht nur wirtschaftlich zum Risiko. Boomer Im Osten war es anders Ist die Generation der Boomer schuld am deutschen Reformstau? Der "Tagesanbruch" zum Thema Generationengerechtigkeit hat hohe Wellen geschlagen : Nach der selbstkritischen Analyse eines Stammlesers aus Heilbronn meldeten sich zahlreiche Abonnenten – viele zustimmend, viele ablehnend. Bemerkenswert fand ich jene Stimmen, die mich aus Ostdeutschland erreichten, wo der "Tagesanbruch" ebenfalls viele Anhänger hat. Stellvertretend dokumentiere ich die Zuschrift eines Lesers aus Dessau-Roßlau: "Werter Herr Harms, ich lese sehr gerne Ihre Artikel bei t-online. Leider bin ich sehr enttäuscht von Ihrem Artikel. Ich habe den Eindruck, dass die Boomer als egoistisch, arbeitsscheu und die Freizeit genießend dargestellt werden. Ich möchte deshalb ein bisschen von mir erzählen. Ich bin in der DDR aufgewachsen, meine Mutter war alleinerziehend mit einem Vollzeitjob, damals noch 43 Stunden plus Pause und Arbeitsweg mit dem Bus und zu Fuß. Sie verdiente 600 Ostmark und bekam 40 Mark Kindergeld. Wir hatten kein Auto, Urlaub gab es nur alle zwei Jahre. Ich habe meine Lehre mit 16 Jahren begonnen und habe 46 Jahre, davon 44 Jahre im unregelmäßigen Schichtdienst, früh, spät, nachts, am Wochenende und feiertags mit unterschiedlichen Anfangs- und Endzeiten als Lokführer bei der Bahn gearbeitet. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder und sechs Enkelkinder. Alles, was ich mit meiner Frau geschaffen habe, haben wir durch Fleiß, harte Arbeit und Verzicht auf manche Dinge erreicht. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben und habe keinen Grund zur Klage. Ich würde nie eine Außenpartei wählen. Aber ich würde mich ungern zu einer Gruppe zählen lassen, die nicht verzichten kann oder dem Fortschritt entgegentritt. Alle, die auf die Boomer schimpfen, sollen erst einmal 45 Jahre arbeiten und nicht erst im Alter von 30 das erste Geld verdienen, weil sie so lange studiert haben und in der Weltgeschichte umhergereist sind." aufrüstung Drohnen-Deal trotz Thiel? Ein riesiges Rüstungsprojekt steht heute auf der Tagesordnung des Haushaltsausschusses im Bundestag: Verteidigungsminister Boris Pistorius will Kampfdrohnen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro kaufen und braucht dafür die Zustimmung der Haushälter. Zunächst geht es um Festaufträge über jeweils 270 Millionen Euro für das Berliner Start-up-Unternehmen Stark Defence und für den Münchner Drohnenhersteller Helsing. Die Waffen sollen die Kampfkraft der neuen Bundeswehr-Brigade in Litauen erhöhen. Für Kritik sorgte im Vorfeld allerdings der Deal mit Stark Defence, weil dort der US-Milliardär Peter Thiel investiert ist, ein ausgewiesener Demokratiefeind, Trump-Strippenzieher und Unterstützer von JD Vance. Er teile die Bedenken gegen Thiel "ausdrücklich", ließ Pistorius verlauten – sieht sie aber nun wohl als entkräftet an. Nach Angaben des Unternehmens liegt Thiels Beteiligung unter zehn Prozent, er sei außerdem nicht Mitglied des Aufsichtsrats und habe keine Kontroll- oder andere Sonderrechte, die ihm Einfluss auf die operative Geschäftsführung ermöglichen. Sollte Thiels Beteiligung die Zehn-Prozent-Schwelle überschreiten, könne die Bundesregierung diese höhere Beteiligung untersagen. Während die Grünen dennoch skeptisch bleiben, hat die SPD-Fraktion sich mit den Auskünften zufrieden gezeigt und ihre Zustimmung angekündigt. Da auch die Unionsfraktion keine Einwände hat, gilt eine Bewilligung als sicher. lage der nation Trump redet viel Es waren besondere Bedingungen, unter denen Donald Trump gestern Abend im Kapitol in Washington seine "State of the Union"-Rede hielt. Zum einen sah sich der US-Präsident dort nicht nur Abgeordneten und Senatoren gegenüber, sondern auch jenen Männern und Frauen, die ihm die bislang schwerste Niederlage seiner zweiten Amtszeit zugefügt haben: den Mitgliedern des Supreme Court. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte am vergangenen Freitag mit sechs zu drei Stimmen entschieden, dass Trumps weltweit erlassene Zölle illegal sind. Zum anderen hat der Narzisst im Weißen Haus ausgerechnet im Jahr der Zwischenwahlen mit schwachen Zustimmungswerten zu kämpfen: Zwei aktuelle Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner mit seiner Arbeit unzufrieden ist. So liegt die generelle Zustimmung zu seiner Amtsführung laut einer CNN-Erhebung nur noch bei 36 Prozent – zwölf Punkte weniger als vor einem Jahr. Welche Worte Trump in dieser Drucksituation gewählt hat und wie die Reaktionen des Publikums ausfielen, erfahren Sie hier. Wetterwende Ein Hauch von Frühling Wochenlang war das Wetter in Deutschland zweigeteilt: Herrschten im Südwesten bereits deutliche Plusgrade, bibberten der Norden und der Osten der Republik noch vor Kälte. Heute jedoch wird das ganze Land von einer frühlingshaften Wärmewelle erfasst. Freundlicher Hochdruckeinfluss sorgt dafür, dass in einigen Regionen die 20-Grad-Marke erreicht werden könnte. Wie dauerhaft die Wetterwende ausfällt, vermögen die Meteorologen noch nicht einzuschätzen – also am besten gleich rausgehen und genießen! Lesetipps Cem Özdemir zeigt sich im Wahlkampf auffällig oft mit Boris Palmer. Die Verbindung ist Teil einer Strategie, schreibt unsere Reporterin Julia Naue. Artikel lesen Im Epstein-Skandal kommen immer mehr haarsträubende Details ans Licht. Unser Korrespondent David Schafbuch erklärt, welche Folgen die Untätigkeit der US-Justiz hat. Artikel lesen Kurz vor seiner Pension will der Kölner Ermittler Markus Weber den rätselhaften Mord an einer 16-Jährigen lösen. Wie er dabei vorgeht, hat er unserem Reporter Philip Buchen gezeigt. Artikel lesen Trotz seiner Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof setzt US-Präsident Trump weiter auf Zölle. Ein deutscher Unternehmer hat meinem Kollegen Jakob Hartung berichtet, was das für sein Geschäft bedeutet. Artikel lesen Ohrenschmaus China und der größte Rockstar aller Zeiten – geht das zusammen? Jawoll, das geht. Zum Schluss Ich wünsche Ihnen einen frühlingshaften Tag. Herzliche Grüße und bis morgen. Ihr Florian Harms Chefredakteur t-online Mit Material von dpa.