Andrew Mountbatten-Windsor: Phil Noble wegen Schnappschuss gefeiert
Sein Schnappschuss ging um die Welt: Fotograf Phil Noble lichtete Andrew auf dem Rücksitz eines Autos ab. Nun wird Noble im Netz gefeiert. Zu Recht. Es ist jetzt schon ikonisch, das Foto, das den ehemaligen Prinzen und ehemaligen Freund des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zeigt: Andrew auf dem Rücksitz eines Autos, die Augen entsetzt aufgerissen, womöglich gerade dabei, herunterzurutschen, noch tiefer zu sinken, um doch nicht fotografiert zu werden, auf seinem Rückweg nach einer historisch einmaligen Festnahme und Anhörung auf einer Polizeiwache. Es ist deswegen ikonisch, weil es viral ging. Und mehr noch: Nicht nur im Netz machte das Foto die Runde, das nichts anderes ist als eine öffentliche Demütigung. Unbekannte hängten es unter anderem auch im Louvre auf. Die Welt soll es sehen, die ganze Welt, das ist die Botschaft. Die Nachrichtenagentur Reuters ist noch einen Schritt weitergegangen. Sie hat den Fotografen, dem dieser Schnappschuss gelungen ist, sprechen lassen. Phil Noble heißt der Mann, der sonst Kameras bedient und nun in einem Video von Reuters vor der Kamera erklärt, wie ihm dieser Treffer gelang. Er habe an dem Tag bereits die Hoffnung aufgegeben, die Polizeiwache herauszufinden, in der Andrew verhört wurde. Diesem wird Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Der Verdacht: Er hat in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen Epstein weitergeleitet. Die "Fotogötter" waren auf Nobles Seite Fotograf Noble hatte sich schon damit abgefunden, kein Foto machen zu können, als er auf dem Rückweg zu seinem Hotel einen Anruf mit einem Tipp bekam. Er drehte um, fuhr zur Polizeiwache, hatte glücklicherweise, wie er erzählt, eine halbe Stunde zuvor die Lichtverhältnisse geprüft, Belichtungszeit und Blitz ausprobiert – und dann, so sagt er, "waren die Fotogötter auf meiner Seite". Er habe mehr Glück als Verstand gehabt. Das ist der Bescheidenheit womöglich etwas viel, aber wenigstens wird Noble jetzt im Netz umso mehr gefeiert. Menschen gratulieren ihm, feiern ihn, bedanken sich bei ihm. Phil Noble hat ihnen ein bisschen die Ohnmacht genommen. Und das Gefühl für Gerechtigkeit zurückgegeben. Die Leute lieben den Fotografen dafür, dass er Andrew in einer so erniedrigenden Pose zeigt. Denn seit den Enthüllungen rund um Epstein festigte sich der Eindruck: Es gibt eine Elite aus Royals, Promis, Wirtschaftsmagnaten, Reichen, die meinte, sich nehmen zu können, was sie wollte. Ohne sich um Konsequenzen sorgen zu müssen. Das Foto, das Noble geschossen hat, belegt: Ganz so ist es nicht. Es wird durchaus ermittelt, auch wenn die möglichen Sexualdelikte, die Andrew angelastet werden, in den aktuellen Ermittlungen keine Rolle spielen. Die Ohnmacht der kleinen Leute, und im Vergleich zu Mitgliedern von Königshäusern sind wir ja nun mal alle klein, hat nun einen Kanal gefunden: die Abscheu, die Männer wie Epstein und sein Netzwerk verdienen. Das Foto seines Lebens Auch die Geschwister von Virginia Giuffre meldeten sich nach Andrews Festnahme zu Wort. Giuffre war Hauptklägerin im Verfahren gegen Epstein und hatte dem ehemaligen Prinzen in diesem Zusammenhang vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Sie starb im vergangenen Jahr, laut ihrer Familie war Suizid die Todesursache. Ihre Geschwister kommentierten Andrews Festnahme so: "Endlich, heute sind unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht erleichtert worden, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal Mitglieder des Königshauses." Und dokumentiert hat dies Phil Noble. Es wird wohl, so viel kann man sagen, das Foto seines Lebens sein, das er von Andrew geschossen hat. Und den wiederum wird dieses Foto bis zum Ende seines Lebens verfolgen.
