"Tatort" aus Ludwigshafen: So wird Lena Odenthals neuer Fall
Der neue "Tatort" aus Ludwigshafen greift ein gesellschaftsrelevantes Thema auf. Die Umsetzung will aber in großen Teilen nicht gelingen. Im "Tatort: Sashimi Spezial" aus Ludwigsburg taucht Fahrradkurier Mark Weinert abends im Polizeipräsidium auf und will sich selbst anzeigen. Doch Kommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) vertröstet ihn, gerät mit ihm aneinander, dann entdeckt er etwas und verschwindet. Wenige Minuten später stirbt der Kurier, überfahren von einem Lieferwagen. Fahrerflucht . Ein Auftakt, der Wucht verspricht. Doch was das Publikum am Sonntag, dem 1. März 2026, um 20.15 Uhr dann im Ersten sieht, ist weniger spannungsgeladen als gedacht. Der Fall führt Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) – mehr als spontan als verdeckte Ermittlerin – in die Welt der "Velopunks". Die Gruppe von Fahrradkurieren versteht sich als selbstverwaltetes Projekt ohne Hierarchien. Sie kämpfen um Aufträge – und täglich um ihren Platz im Straßenverkehr . Aggressionen von und gegenüber den Autofahrern gehören für sie zum Alltag. Genauso wie Unfälle. Weshalb die Gruppe auch daran festhält, dass ihr Kollege durch einen solchen verstorben ist ... Das Thema ist aktuell. So sagt Polizeichef Kurt Breising (Bernd Hölscher) zu Odenthal: "Sie wissen, was draußen los ist. Auto gegen Fahrrad. Wenn wir irgendeinen Vorsatz konstruieren, dann brennt die Stadt." Der Konflikt zwischen Auto- und Radverkehr besteht – insbesondere in Großstädten: Radwege enden abrupt, Baustellen nehmen Rücksicht auf Pkw, nicht aber auf Fahrräder. Gleichzeitig fühlen sich Autofahrer genervt von Radfahrern, die sich überall durchschlängeln. Der "Tatort" greift diese Spannungen auf. Er zeigt rohe Gewalt im urbanen Raum, emotionale Verletzungen und das Gefühl permanenter Bedrohung. "Tatort": Letzter Fall für Rosa Herzog – die Frauen laufen davon "Tatort"-Star: Das ist die berühmte Freundin von Ulrike Folkerts Doch die Umsetzung bleibt oft plakativ. Die Fahrradkuriere wirken stellenweise arg überzeichnet: solidarisch, energiegeladen, aber auch impulsiv und konfrontativ. Die Gruppe ist völlig klischeebeladen: Hier ein "Eat the Rich"-Aufnäher, dort zig Sticker, die in dieselbe Richtung weisen. Eine alte Lagerhalle mit zusammengewürfelter Einrichtung als Zentrale. Plötzlich springen die "Velopunks" auch noch nachts auf Autos herum. Gewollt jung, gewollt modern. Dazu kommt: Die Handlung verläuft chronologisch, aber wirkt häufig stark konstruiert und abgehackt. Das Team weiß plötzlich Dinge, ohne dass nachvollziehbar wird, wie sie zu dieser Erkenntnis gekommen sind. Hinweise tauchen auf, Verbindungen werden hergestellt, doch Zwischenschritte fehlen. Vor dem Bildschirm fragt man sich nicht selten: Woher kommt diese Information jetzt? Warum führt genau dieser Weg zur nächsten Spur? Ein weiterer Störfaktor ist die Musik, die teilweise aufgesetzt wirkt. "Wo würdest du da fahren?" Das Ermittlerteam selbst funktioniert solide. Die dienstälteste "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal bleibt in ihrem insgesamt 83. Fall gewohnt souverän – und dürfte sich dennoch bei dem einen oder anderen Fan unsympathisch machen. Sie vertritt klar die Lobby der Autofahrenden: "Die Kuriere fahren wie die letzten Henker, auf Bürgersteigen, mitten auf der Straße. Kein Wunder, dass da mal einer auf der Strecke bleibt." Ihr wird entgegnet: "Die Radwege sind eine Zumutung, immer zugeparkt, zu eng, löchrig, und die Straße daneben ist frisch asphaltiert. Wo würdest du da fahren?" Odenthal antwortet: "Autofahren ist schon auch ein Stück Freiheit." Johanna Stern vertraut auf ihren Instinkt, bekommt durch ihre verdeckten Ermittlungen mehr Raum – und nutzt diesen auch. Sie ist Kollegin und Gegenpol zu Odenthal in einem. Mara Hermann (Davina Fox) und Nico Langkamp (Johannes Scheidweiler) fügen sich stimmig ein. Generell als Pluspunkt hervorzuheben ist der diverse Cast des "Tatorts: Sashimi Spezial". Insgesamt hat der "Tatort" in der Umsetzung seine Schwächen. Aber er wird zum Nachdenken anregen. Das Thema ist relevant. Die Frage, wem der öffentliche Raum gehört, betrifft Millionen Menschen. Sie berührt Alltagsrealitäten, politische Entscheidungen und persönliche Empfindlichkeiten. Ob sich das Einschalten lohnt? Wer gesellschaftspolitische Krimis schätzt und bereit ist, über dramaturgische Schwächen hinwegzusehen, könnte zufrieden sein. Aber Relevanz allein macht eben noch keinen packenden Krimi. Wer hingegen auf dichte Spannung und präzise erzählte Ermittlungsarbeit frei von Stereotypen hofft, dürfte ungeduldig auf die Uhr schauen. Teilen Sie Ihre Meinung mit Wie gefiel Ihnen dieser "Tatort"? Schreiben Sie eine E-Mail an Lesermeinung@stroeer.de . Bitte nutzen Sie den Betreff "Tatort" und begründen Sie.
