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AfD-Politiker Philip Steinbeck zusammengeschlagen: Selbstjustiz nach Video?

Ein AfD-Kommunalpolitiker steht immer wieder überregional in den Schlagzeilen. Jetzt glaubt er, dass er deshalb überfallen und zusammengeschlagen wurde. Ein Mann scheucht am Boden krabbelnde junge Leute vor sich her, lässt sie eine Deutschlandfahne ablecken und filmt die Szene. Videos mit diesen Szenen sind vor knapp drei Monaten aufgetaucht. Der Mann, der hinter dieser Szene steckt, ist nun verprügelt worden. Philip Steinbeck, Mitglied der AfD im Kreistag Ludwigslust-Parchim, hat übel zugerichtet eine Nacht im Krankenhaus verbringen müssen – und sieht einen Zusammenhang zu seinen drei Monate alten Videos. Zunächst ist es ungewöhnlich, dass sein Fall in seiner Partei vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: Gleichzeitig hat die AfD im bayerischen Rosenheim einen angeblichen Angriff auf einen 70-jährigen Bürgermeisterkandidaten ausgeschlachtet, der gar keiner war. Dort zeigten Videobilder, dass der Mann beim Versuch gestürzt ist, einer linken Gruppe ein Banner mit Gewalt zu entreißen . Der tatsächlich attackierte Steinbeck in Mecklenburg-Vorpommern erfährt wenig Solidarität aus der örtlichen AfD. Überregional hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah ein Posting von Steinbeck zu der Attacke geteilt – als angeblichen Beleg dafür, dass wieder einmal ein AfD-Politiker für seine rechte Gesinnung angegriffen worden sein soll. Solche Angriffe seien "die Folge des mit Hunderten Millionen Steuereuro gepäppelten 'Kampfs gegen rechts'", schreibt Krah. Doch so einfach ist der Fall nicht. Die Antifa spielt auch keine Rolle bei dem Übergriff. Es sieht nach Selbstjustiz aus – als Quittung für einen Mann, der mehrfach negativ in die Schlagzeilen geraten ist. Übergriff vor Döner-Imbiss Die zuständige Pressestelle der Polizei Rostock kann noch nicht viel sagen über das, was sich am Sonntag, 22. Februar, zwischen 16 und 17 Uhr am Döner-Imbiss am Kirchenplatz in Lübtheen abgespielt hat: Die Ermittlungen laufen noch. Das eindeutige Ergebnis der Tat ist auf diversen Fotos zu sehen, die Steinbeck von sich gemacht hat. Direkt nach der Tat entstandene Bilder zeigen ihn blutüberströmt, jüngere Fotos mit Veilchen an jedem Auge, einem weiteren großen Hämatom im Gesicht und der verheilenden Platzwunde an der Stirn. Er habe sich kurz vor dem Geschehen im Imbiss "Aladin" einen Salat holen wollen und noch im Auto Nachrichten auf dem Handy geprüft, so erzählt er es t-online. Dann sei ein Auto an ihm vorbeigefahren, habe stark gebremst und sei einige Meter weiter am Rand zum Stehen gekommen. Ein Mann sei zügig ausgestiegen und zwei weitere Männer seien ihm gefolgt. "Als ich ausgestiegen bin, schlug er direkt auf mich ein." Im Clinch seien sie zu zweit auf der Straße zu Boden gestürzt, "ich mit der Stirn auf die Pflastersteine, ich habe Sterne gesehen." Das habe der Angreifer genutzt, "wie ein Irrer" auf ihn einzuschlagen. Weil zu seinem Glück gerade ein Auto gekommen sei, habe der Angreifer abgelassen und sei mit den anderen zum Auto gegangen und davongefahren. Auf der Plattform X machte Steinbeck das öffentlich: "Als Mitglied der AfD muss ich politische Motive vermuten", schrieb er mit einem Foto aus dem Rettungswagen. Der Polizei in Rostock liegen dagegen "zum jetzigen Zeitpunkt Anzeichen für eine politisch motivierte Tat nicht vor". Der Schläger ist auch bereits identifiziert, es ist ein 51-Jähriger, der aus der Region weggezogen ist. "Nicht unbedingt ein Antifa-Typ", sagt auch Steinbeck offen. NDR wurden Aufnahmen zugespielt Den Mann zu identifizieren, war auch nicht so schwer: Es ist ein früherer Mieter von Steinbeck, der sich Steinbeck zufolge mit Mietschulden davongemacht hat. Der Fahrer des Autos hat sich selbst bei der Polizei gemeldet, weil er mit dem Geschehen nichts zu tun haben wollte. Er war offenbar überrascht worden, als sein Mitfahrer ihn aufforderte "Halt mal an" und loszog. Die anderen beiden ausgestiegenen Männer waren Steinbeck zufolge an den Schlägen nicht beteiligt und vom Geschehen überrumpelt. Und dennoch sieht Steinbeck den Angriff als Folge politischer Stimmungsmache gegen ihn. "Der Angreifer hat den anderen im Auto gesagt, dass er das wegen des Beitrags gemacht hat", will er erfahren haben. Der Beitrag, den er meint, wurde im Dezember im NDR ausgestrahlt. Titel: "Jugendliche drangsaliert: Ermittlungen wegen Deutschlandfahnen-Video". Dem Sender waren die Aufnahmen zugespielt worden. Sie sind entstanden ein paar Schritte vom "Aladin" entfernt, wo Steinbeck jetzt zu Boden ging. Dort gehört ihm das "Volkshaus", eine Veranstaltungsstätte mit Sälen, die aber aktuell nicht betrieben wird. Und die laut Steinbeck dennoch genutzt wurde, und das ohne sein Wissen. Jugendliche und junge Leute hätten dort offenbar mehrfach gefeiert. Partys in seinem Eigentum, "als ich da reinkam, habe ich gesehen, wie die mit Bohr- und Schraubmaschinen aus meinem Inventar eine Bühne zusammenbauen." Da habe er dann "überreagiert". So nennt es Steinbeck. Die "Gewalt-Videos" (NDR) machten mit Szenen vom Juni 2025 deutschlandweit die Runde. Zu sehen ist auf Bildern, wie der selbst filmende Steinbeck einen jungen Mann am Ohr packt. Die Bilder zeigen auch, wie er den jungen Leuten befiehlt, die Fahne abzulecken. Zuvor hatte er sie auf Knien nach draußen krabbeln lassen. "Die hatten da mit den Baumaschinen gestanden und hätten mir damit ja was tun können. Da habe ich aus meiner Erfahrung bei der Bundeswehr erst mal gesagt 'Auf den Boden'", erklärt er. Und gefilmt habe er, um Belege zu haben. "Ich war in Rage und wütend" Er ahnte da nicht, dass er sich mit den Bildern selbst belasten würde und sie noch Empörung auslösen sollten. Er hat sie nicht selbst veröffentlicht, aber eine starke Vermutung, wer sie weitergegeben haben könnte. Nach der Trennung von seiner Frau hätten Unbekannte versucht, ihm zu schaden, so stellt er es dar. Dass da in seiner Immobilie die Dorfjugend ihr Unwesen treibt, sei ihm schlagartig bewusst geworden, als er davor junge Leute mit einer an ein Fahrrad gebundenen und auf dem Boden schleifenden Deutschlandfahne gesehen habe. "Ich habe plötzlich realisiert: Das ist ja unsere Fahne aus dem Volkshaus, die haben sich die geholt." In Rage sei er hineingestürmt. "Ich war natürlich wütend." All die Umstände seien nicht öffentlich geworden, als die demütigenden Bilder gezeigt wurden. Allerdings antwortete er damals auf eine kurzfristige Anfrage des NDR auch nicht. Er habe auch schnell von den jungen Leuten abgelassen und niemanden angezeigt. Von den Leuten zu verlangen, die Fahne sauberzulecken, sei eine spontane Reaktion gewesen, und er habe auch schnell gesagt, sie sollten aufhören, rechtfertigt sich Steinbeck heute. "Das gibt ja auch gar keinen Sinn, und ich will keine Sabber dranhaben." Aus seiner Sicht stellt das Weglassen der Umstände Hetze und Stimmungsmache dar, die jetzt zum Übergriff auf ihn geführt hätten. Der Antifa rechnet er den Täter nicht zu, "aber er hat sich aufhetzen lassen". Im Ort, behauptet er, habe es viel Verständnis für ihn gegeben, "dass ich das so geregelt hatte". Die Behörden haben bislang allerdings nicht viel Verständnis. Der Staatsanwaltschaft Schwerin zufolge laufen Ermittlungen gegen Steinbeck wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung. Steinbeck wundert sich und sagt, er habe wegen dieses Vorfalls nie etwas Entsprechendes bekommen. Ein Verfahren gegen die jungen Leute liegt dort nicht vor. 60 Polizisten suchten bei Steinbeck nach Waffen Bei der Staatsanwaltschaft wird dafür ein anderes Verfahren geführt, das im August 2025 viel Wirbel machte und dazu beitragen könnte, dass sich Steinbeck als Verfolgter darstellt. In Steinbecks Wohnhaus gab es eine Waffen-Razzia. Das Anwesen, ein Gutshaus, war bis dahin durch eine andere Sammlung bekannt. Dort hatte es 2016 eine AfD-Spendenveranstaltung mit Alexander Gauland gegeben Am 6. August 2025 rückten dann rund 60 Polizisten an, der Einsatz dauerte von 11 Uhr bis nach Mitternacht, Spezialkräfte des Landeskriminalamts waren zur Verstärkung dort, Drohne und Metalldetektor wurden eingesetzt. Steinbeck, der Kontakte zum rechtsextremen "Nordkreuz" hatte, wurde Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Die Behörden hatten offenbar einen Hinweis bekommen. Welchen Wert der Tipp hatte, ist aber trotz umfangreicher Sicherstellungen bis heute nicht klar. Und Steinbeck fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Er sprach von untauglich gemachten historischen Kriegswaffen, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) von "alarmierenden Funden". Die durchgeführten Ermittlungen und das gezielte Handeln der Einsatzkräfte seien "entscheidend" gewesen, so der Minister. Entscheidend wofür, das bleibt bisher offen. Als ein AfD-Landtagsabgeordneter im Oktober wissen wollte, ob es sich bei den sichergestellten Waffen doch nur um unbrauchbar gemachte Dekowaffen und Modelle sowie erlaubnisfreie Vorderlader handelte, blieb eine klare Antwort aus. Auch heute kann die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen, ob unter den 72 sichergestellten Waffen ("Schuss- und sonstige Waffen, wie Messer, Schlagstöcke etc.") eine verbotene oder gar eine Kriegswaffe war. Gesichert ist, dass Steinbeck ein Kilo Schwarzpulver besaß und keinen Pulverschein dafür.