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Gaspreis-Deckel und Fracking in der EU: Steigende Preise entfachen Debatte

Neben dem Ölpreis ist auch der Gaspreis in Europa seit Beginn des Iran-Kriegs gestiegen. Und es könnte noch schlimmer werden, weshalb die EU jetzt über Gegenmaßnahmen nachdenkt. Seit fast zwei Wochen führen die USA und Israel nun schon Krieg gegen den Iran . Während in den ersten Kriegstagen US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch ihre militärischen Erfolge feierten, wendet sich das Blatt, seitdem der Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Barrel geklettert ist . Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus belastet schon jetzt die Weltwirtschaft. Akut von Energieengpässen betroffen sind zunächst asiatische Länder , die von Öl und Gas aus der Golfregion weitgehend abhängig sind. Früher oder später könnte es aber auch für Europa eng werden. Schon jetzt steigen die Preise an der Tankstelle , und auch der europäische Gaspreis liegt 50 Prozent höher als noch vor dem Krieg. Je länger der Iran-Krieg noch andauert, desto gravierender die Folgen. Gaspreisdeckel in Europa wieder auf dem Plan In ganz Europa wird daher jetzt schon darüber diskutiert, wie man gegen steigende Energiepreise vorgehen kann. Deutschland führt etwa eine neue Tankregel ein , in Dänemark wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, möglichst wenig Auto zu fahren, und in Griechenland werden die Gewinnmargen von Tankstellen und Supermärkten gedeckelt. Auch in Brüssel werden Maßnahmen gegen steigende Energiepreise diskutiert. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will verschiedene Optionen untersuchen, wie etwa eine Subventionierung oder auch eine Deckelung des Gaspreises, sagte sie vor Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Straßburg . Demnach sollen alle vier Preiskomponenten der Energierechnung auf den Prüfstand kommen: die reinen Energiekosten, die Netzentgelte, die Steuern und Abgaben sowie die CO2-Kosten. Sie forderte die EU-Mitgliedstaaten dazu auf, insbesondere die Stromsteuern nach Möglichkeit abzusenken. In Europa sind die Strompreise an den Gaspreis gekoppelt. Die EU hatte bereits 2022 über solche Maßnahmen diskutiert. Nach langen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf einen Gaspreisdeckel, der jedoch nie in Kraft trat und 2025 auslief. Der Deckel war so konzipiert, dass er automatisch dann gegriffen hätte, wenn der Gaspreis im Großhandel (an der europäischen Energiebörse TTF) an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über die Marke von 180 Euro pro Megawattstunde (MWh) gestiegen wäre und wenn der Preis am Terminmarkt um 35 Euro höher gelegen hätte als der durchschnittliche Preis für Flüssigerdgas (LNG) am Weltmarkt. In der Spitze waren die Gaspreise in Europa nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs auf deutlich über 300 Euro/MWh gesprungen, fielen dann aber im Laufe des Jahres 2023 spürbar unter die Marke von 100 Euro/MWh. Seit Beginn des Iran-Kriegs liegen die Gaspreise relativ konstant bei 50 Euro/MWh – vor zwei Wochen kostete Erdgas noch weniger als 30 Euro/MWh. Sollte sich die Lage im Iran nicht bald entspannen, könnte es wieder steiler nach oben gehen. Wie Spanien und Portugal 2022 aus der Krise kamen Die EU könnte in einem solchen Szenario den alten Gaspreisdeckel wieder aus der Schublade holen. Ein anderer Weg, der in Brüssel wohl diskutiert wird, ist eine Deckelung der Gaspreise nur für die Stromerzeugung. Diesen Weg gingen 2022 Spanien und Portugal , weshalb er das "iberische Modell" genannt wird. Unter dem "iberischen Modell" wurde der Preis gedeckelt, zu dem Gas-, Kohle- und Ölkraftwerke ihren Strom anbieten konnten. Das hatte gewissermaßen auch Erfolg, denn die Strompreise in Spanien und Portugal waren dadurch im europäischen Vergleich um bis zu 28 Prozent niedriger. Allerdings wurde dadurch auch deutlich mehr Erdgas verbraucht. Schließlich verwässerte der Deckel das Preissignal, das Verbraucher zum Stromsparen angeregt hätte. Eine Studie im "Energy Journal" aus dem Jahr 2024 kam zu dem Schluss, dass dadurch weniger in erneuerbare Energien investiert wurde. Die kurzfristige Entlastung ging also zulasten der längerfristigen Dekarbonisierung und damit der Energie-Unabhängigkeit. Klare Absage von Experten am Gasplan aus Spanien und Portugal Aus genau diesen Gründen lehnen Experten die Einführung eines europaweiten Gaspreisdeckels nach dem iberischen Modell ab. "Die EU hat den Deckel für Spanien und Portugal damals erlaubt, weil sie anders als im Rest Europas keine Versorgungskrise hatten und auch die Angst vor einem kalten Winter nicht besonders groß war. Für ganz Europa ist das aber nach wie vor keine gute Idee, da der Anreiz zum Sparen verloren geht", erklärt Energieökonom Andreas Fischer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf Nachfrage von t-online. Eine Preisobergrenze auf Gas einzuführen, würde auch nur dazu führen, dass mehr LNG nach Asien verkauft wird – schließlich würden Länder wie Indien oder China das Flüssigerdgas dann zum höheren Preis kaufen. Sollte es doch noch zu Versorgungsengpässen kommen, werde das Problem so nicht gelöst, so der Experte. Traum von Unabhängigkeit: So funktioniert das Stromsystem der Zukunft Was kann Europa also tun, um die Energiepreise abzufedern? "Wenn Europa niedrigere Strompreise will, muss es saubere Stromerzeugung ausbauen, langfristige Verträge stärken und die Flexibilität des Systems verbessern – nicht den bestehenden Marktrahmen demontieren", sagt der Gründer der Denkfabrik Epico, Bernd Weber. Dem stimmt auch Andreas Fischer zu. "Langfristig muss die EU sich von fossilen Energieimporten unabhängiger machen. Und auch bei grünem Wasserstoff, der mutmaßlich auch in Teilen importiert werden muss, sollten wir uns von vornherein breit aufstellen", sagt er. Dass der Ausbau der Erneuerbaren auch zu sinkenden Strompreisen führen kann, zeigt eine aktuelle Analyse der Denkfabrik Ember. So seien die Gaspreise in den ersten Kriegstagen besonders in Italien , den Niederlanden und Deutschland gestiegen – Länder, in denen der Strompreis besonders vom Gaspreis abhängig ist. In Spanien sei der Strompreis hingegen deutlich weniger vom Gas abhängig, da Solar- und Windenergie stark ausgebaut wurden. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs seien dort die Strompreise um nur 15 Prozent gestiegen, verglichen mit 40 Prozent in Deutschland und sogar 89 Prozent in Italien. Grundsätzlich sei der spanische Strompreis 2025 rund 32 Prozent niedriger als im EU-Schnitt, heißt es in der Analyse von Ember. Reiche denkt über mehr Gas aus Deutschland nach Auch die Berater im Wirtschaftsministerium haben sich zu den Energiepreisen geäußert und lehnen ebenfalls staatliche Eingriffe in die Energiemärkte ab . In einem Gutachten zum Iran-Krieg schreiben die vier Ökonomen, die Katherina Reiche beraten, dass "Preissteigerungen zu den Risiken des Lebens" gehörten und der Staat nicht alles absichern könne. Deutschland sollte längerfristige Gasverträge abschließen, empfehlen sie weiter – ein Aspekt, den auch IW-Ökonom Fischer betont. Aktuell schließt Deutschland keine Gasverträge ab, die nach 2045 noch Bestand hätten, da dies die deutschen Klimaziele konterkarieren würde. "Längere Verträge können aber mehr Preisstabilität bieten", so Fischer. Wirtschaftsministerin Reiche soll nach dem Willen ihrer Berater außerdem prüfen, inwiefern die heimische Gasförderung mittels Fracking gesteigert werden könnte. "Das kann man machen, wird aber in der aktuellen Situation wenig bringen. Die Gasmengen, die Deutschland hat, sind begrenzt und außerdem würde es Jahre dauern, bis die Kapazitäten aufgebaut wären", betont Fischer. Daher schaffe es keine kurzfristige Abhilfe und wäre mit hohen Kosten verbunden.