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Tesla-Chef und SpaceX-Chef Elon Musk: "Muss gewaltigen Preis zahlen"

Tech-Milliardär und Trump-Bewunderer: Elon Musk hat ein Imperium an Firmen errichtet, doch seine Ambitionen reichen viel weiter. Historiker Quinn Slobodian erklärt, warum er Musks Pläne für überaus gefährlich hält. Elon Musk gilt als Mann der Superlative: Der reichste Mensch der Welt baut nicht nur E-Autos und schickt Raketen ins All, sondern ist politisch mittlerweile ganz weit nach rechts gerückt. Während manche seiner früheren Bewunderer Musk mittlerweile für "verrückt" halten, kommt Historiker Quinn Slobodian zu einem anderen Ergebnis: Hinter Musks Verhalten steckt Kalkül, das brandgefährlich ist. Welche Pläne verfolgt Elon Musk? Weshalb ist der Tech-Milliardär ins Trump-Lager und zur extremen Rechten gewechselt? Und aus welchem Grund ist Musks Imperium keineswegs unerschütterlich? Diese Fragen beantwortet Quinn Slobodian, Mitautor des Buches "Muskismus", im Gespräch. t-online: Professor Slobodian, manche Tesla-Fahrer weisen mit Aufklebern darauf hin, dass sie ihr Auto gekauft haben, bevor "bevor Elon verrückt wurde". Wie steht es um Musks Geisteszustand? Quinn Slobodian: Zu Elon Musk hat jeder eine Meinung. Für die einen ist er ein Genie, ein revolutionärer Unternehmer, der Autos, Satelliten und Raketen verkauft. Für die anderen ist er ein Bösewicht, ein Handlanger der extremen Rechten. Manche halten Musk tatsächlich für verrückt. Ich bin da anderer Ansicht. Inwiefern? Was manche bei Musk als eine Art Geisteskrankheit interpretieren, ist eher eine Erklärung für seinen Erfolg. Musk nutzt den sich verändernden Zeitgeist, er weiß den politischen und wirtschaftlichen Wandel für sich zu instrumentalisieren. Wer Musk Wahnsinn attestiert, steht doch gleichermaßen vor einer grundlegenden Frage: Warum führt Musks Form des "Wahnsinns" ihn von einem Rekord zu zum nächsten, was sein persönliches Vermögen und die Bewertung seiner Unternehmen angeht? Wie lautet Ihre Antwort? Musk kam 1995 im Silicon Valley an und hat ein ziemlich gutes Gespür dafür entwickelt, was die Leute vom Internet erwarten und wie man damit Geld verdienen kann. Das ist ein riesiger Vorteil für Musk, denn das Internet war ursprünglich nicht als kommerzieller Ort gedacht. Das Zahlungssystem PayPal war ein guter Einstieg für Musk, der Erfolg seiner nachfolgenden Unternehmen, insbesondere Tesla , beruhte oft darauf, dass er sich der Aufregung und des Enthusiasmus im digitalen Raum bediente. Man könnte auch sagen, dass Musk selbst zur Marke geworden ist. Das ist richtig. Er schaffte es, seinen Produkten eine Meme-ähnliche Qualität zu verleihen, die sich stark auf seine eigene Persönlichkeit konzentrierte. Tesla hatte nie ein nennenswertes Werbebudget, das war auch gar nicht nötig. Musk selbst ist die Marke. Es ist ungewöhnlich, dass ein CEO so lange an der Spitze eines Unternehmens bleibt. Das macht ihn ziemlich einzigartig. Dafür muss Musk aber auch einen gewaltigen Preis zahlen. Welchen? Es bringt gewisse Kosten mit sich, so sehr mit dem Online-Ökosystem zu verschmelzen, wie Musk es tut. Klar, dadurch kann man es zu großem Reichtum bringen, aber irgendwann lässt man sich davon manipulieren: Dann zählt nur noch, welche Aktion die größte Resonanz erzielt und welche Grenzen überschritten werden. Musk sorgt für die Schockmomente, die bei manchen Menschen dann entsprechende moralische Abwehr erzeugen. Mit dem Digitalexperten Ben Tarnoff ordnen Sie Elon Musk in die größeren Zusammenhänge unserer Gegenwart ein, der Titel des gemeinsamen Buches lautet "Muskismus". Was genau ist das? Elon Musk ist umstritten, aber seine Handlungen und Unternehmungen werden vom Markt eindeutig weiterhin belohnt. Das ist doch weniger ein Anzeichen seiner inneren Zerrissenheit oder seines persönlichen Niedergangs, sondern vielmehr Symptom eines gravierenden Problems in unserem System als Ganzem. Der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts wurde oft in einem Wort zusammengefasst: "Fordismus". Wir haben es nun mit dem "Muskismus" zu tun. Der Amerikaner Henry Ford machte mit seinem gleichnamigen Konzern einst die USA mobil. Der "Fordismus" verband Massenproduktion mit Massenkonsum. Wenn der "Fordismus" ein Betriebssystem des 20. Jahrhunderts war, stellt der "Muskismus" potenziell ein solches für das 21. Jahrhundert dar. Diesem Phänomen gehen Ben Tarnoff und ich in unserem Buch nach. Was macht den "Muskismus" aus? "Fordismus" und "Muskismus" sind gleichermaßen Modernisierungsprojekte. Ersterer versprach eine Erhöhung des Lebensstandards für alle, der "Muskismus" verheißt hingegen Souveränität durch Technologie. Musk verspricht einen Traum – und zwar, dass Menschen in dieser zunehmend instabilen Welt autark werden können. Moment! Wer Musks Produkte kauft und nutzt, wird doch von ihm abhängig? Genau das ist das Problem mit Musk. Er verkauft Techno-Souveränität, aber wer bei ihm kauft, wird von ihm abhängig. Weder das Pentagon noch die Nasa kommen ohne SpaceX aus, von Starlink wollen wir gar nicht erst anfangen. Ziemlich viel Macht in den Händen eines einzelnen Menschen, nicht wahr? Musk konzentriert eine riesige Macht, ja. Er hat eine irritierende Eigenschaft – und zwar vermittelt er keine Philosophie, wie es bei Steve Jobs oder Bill Gates der Fall war. Musk lässt sich eher vom Internet beeinflussen, er wird von den Wendungen mitgerissen. Als 2020 in den USA die ersten Lockdowns zur Eindämmung der Pandemie verhängt wurden, stellte Musk fest, dass er positive Reaktionen im Internet erhielt, wenn er sich kritisch über die Lockdown-Maßnahmen äußerte. Diese Reaktionen kamen jedoch von der rechten Seite. Für den Tweet "Die Coronavirus-Panik ist dumm" erhielt er eine Million Likes. Musk fand also ein neues, rechtes Publikum? Das war einer der Momente, in denen sich gewissermaßen seine Antennen verschoben. Musk stellte fest, dass er tatsächlich ein Publikum auf der rechten Seite der Wählerschaft erreichen konnte. Entsprechend kam Musk auf den Gedanken, dass sich seine materiellen Interessen fortan mit deren politischen Meinungen überschneiden könnten. Das war der erste Schritt in Musks Entwicklung hin in eine Richtung, die sich aus liberaler Sichtweise als "verrückt werden" bezeichnen lässt. Also hängte Musk sein Fähnchen in den Wind, wie es im Deutschen heißt? Im Englischen haben wir eine andere Redewendung: "Verrückt wie ein Fuchs." Manche Handlungen wirken zunächst "verrückt", aber sie verbergen List. Musk hat eine gewaltige Chance erkannt und sie genutzt. Er folgte damals materiellen Anreizen und suchte nach politischen Gruppen, die ihm bei der Vertretung seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen hilfreich sein können. Musk kontrolliert ein Imperium aus Unternehmen. Dazu gehören das Satellitennetzwerk Starlink, das Raumfahrtunternehmen SpaceX, der Autohersteller Tesla und das Internetportal X. Zugleich agitierte Musk für Donald Trump im Wahlkampf und beschnitt später brachial den US-Behördenapparat. Ist Musk eine Art James-Bond-Bösewicht? Das ist ein interessanter Vergleich. Wenn wir an die klassischen Bösewichte in James-Bond-Filmen denken, versuchen sie oft, irgendwie die globale Ordnung zu zerstören. Goldfinger wollte etwa die Goldreserven der USA radioaktiv verseuchen, was die Weltwirtschaft schon ziemlich erschüttert hätte. Wenn wir nun Musk betrachten, lernen wir einiges über die Grundlagen der Weltwirtschaft. Inwiefern? Die amerikanische Wirtschaft – immerhin die bedeutendste der Welt – wird seit längerer Zeit stark vom Technologiesektor angetrieben. Dieser Sektor wiederum basiert auf einem Glauben an die produktiven Vorzüge des Internets als Ort der menschlichen Interaktion: Sei es in Form von nutzergenerierten Inhalten auf Plattformen wie YouTube oder Facebook oder sei es, dass unsere gesamte kreative Arbeit nun in KI-Modelle einfließt. Aber es gibt da eine Art faustischen Pakt, den das amerikanische Kapitalismusmodell mit dem Internet geschlossen hat. Er besagt, dass es mittlerweile keine Trennung mehr zwischen beiden gibt. Kann das gut gehen? Das ist eine berechtigte Frage. Wir befinden uns gerade in der überaus seltsamen Situation, dass selbst die größten Befürworter der Künstlichen Intelligenz aus den wertvollsten Unternehmen der Vereinigten Staaten Bedenken äußern, dass ihre eigenen Technologien so etwas wie eine Apokalypse hervorrufen könnten. Die Situation ist doch so: Im Grunde sagen diese Leute, dass ihre Erzeugnisse uns alle umbringen könnten, aber gleichzeitig handele es sich um unsere einzige Option für Wohlstand. Worauf wollen Sie hinaus? Was wir gerade erleben, ist ein anspruchsvollerer Plot als die Handlung eines James-Bond-Films mit seinen Bösewichtern. Denn das Ziel besteht nicht nur in Zerstörung. Vielmehr bekommen wir das Angebot eines gewaltigen Überflusses. Musk selbst hat kürzlich das Ende der Knappheit durch die Möglichkeiten der KI betont. Das klingt gut, geht aber mit der Möglichkeit unserer Zerstörung durch KI einher. Es ist eine Art vergiftete Pille, die wir angeboten bekommen, denn sie bringt eine apokalyptische Möglichkeit mit sich. Für Europäer ist es sicher einfacher, in Musk einen Bond-Bösewicht zu sehen. Aus welchem Grund? Musk hat etwas vor, er ist in Europa auf Zerstörung aus. Und zwar will Musk die bestehende parteipolitische Struktur dort zerstören. Er hält die Europäische Union als Institution und die bestehenden etablierten Parteien für Dinosaurier und Anachronismen, die aussterben müssen. Das würde den rechtsextremen Parteien zum Vorteil gereichen. Kommen wir wieder auf den "Muskismus" zu sprechen. Welche Merkmale zeichnen ihn aus? Ein Merkmal, das Ben Tarnoff und ich im Buch beschreiben, ist der "Festungs-Futurismus". Der Begriff beschreibt zunächst eine Form des nationalen Schutzes und der militärischen Stärkung eines Staates bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung internationaler Handelsbeziehungen. Das geht mit einer relativen Unabhängigkeit von anderen Staaten einher. Dieses Vorgehen betreibt Musk ebenso. Richtig. Ein typisches Produkt des "Muskismus" sind die Autos von Tesla. Bei Tesla befindet sich so weit wie möglich jeder Schritt der Lieferkette im Besitz von Musk. Das reicht von der Lithiummine bis zum Showroom des fertigen Autos, ganz zu schweigen von der Software, die das Auto nach dem Kauf ständig aktualisiert. Damit kehrte Musk zu einer Vision der vertikalen Integration und Verkürzung der Lieferketten zurück. Musk wurde immer wieder als Libertärer beschrieben, der den Staat ablehnt. Ist das eine Legende? Das ist ein gewaltiger Irrtum über Musk. Er verabscheut den Staat nicht. Musk benutzt ihn vielmehr. Im Bündnis mit dem Staat hat er sein Imperium errichtet. Eine Fusion, die Ben Tarnoff und ich als staatliche Symbiose bezeichnen, scheint bereits in vollem Gange zu sein. Musk war auch ziemlich erfolgreich darin, diese Form von Vision weltweit zu verkaufen. Als Musk Teslas in China baute, verwendete er chinesische Komponenten und verkaufte dies nicht nur als Teil einer Energiewende, sondern auch als Chance für China, unabhängiger zu werden. Als er die Tesla-Gigafactory in Brandenburg baute, war es ähnlich. Musk konnte sagen, dass er der EU helfen wollte, unabhängiger und widerstandsfähiger zu werden. Allerdings zu dem Preis, nun Musk abhängig zu sein. Etwas anderes sollte uns große Sorgen machen. Wir haben es mit einer möglichen Revolution der globalen Wirtschaftsorganisation zu tun. Gut, das lässt sich irgendwie akzeptieren. Zugleich geht das aber mit einer Ideologie einher, die in hohem Maße auf zivilisatorischen Hierarchien und einer Art fremdenfeindlicher Paranoia basiert. Bitte erklären Sie das näher. Während der "Fordismus" den Verbrauchern einst ein günstiges Auto, einen existenzsichernden Lohn, einen steigenden Lebensstandard offerierte, hat Musk der Bevölkerung weit weniger Konkretes zu bieten. Dieser Sozialvertrag gilt nur für diejenigen, die sich Musks Produkte leisten können und seine Aktien besitzen, während diejenigen, die für das Musk-Projekt nicht von Nutzen sind, gar als "Parasiten" oder "illegitime Akteure" charakterisiert werden. Während Musks Tätigkeit für die "Effizienzbehörde" Doge gerieten die staatlichen Sozialausgaben in sein Blickfeld. Ist das gemeint? Beim Doge-Projekt ging es Musk auch darum, Menschen aus dem System zu entfernen, die er als "illegitime Subjekte" innerhalb des amerikanischen Systems ansieht. Wobei der Schwerpunkt auf nichtweißen Einwanderern lag. Aus produktionstechnischer Sicht ist der "Muskismus" also lediglich eine Art Post-Globalisierung, eine Renationalisierung der Produktion. In gesellschaftlicher Hinsicht ist er jedoch ein Argument für so etwas wie einen sozialen Krieg, der offen das beinhaltet, was er als "Remigration" bezeichnet. Besonders Europa hat Musk dabei im Blick, er greift Punkte der dortigen identitären Extremisten auf: Diese Leute wollten eine Art Massenabschiebung von nichtweißen Menschen aus "weißen" Kernländern und dann eine "weiße" Männerkultur herstellen. Ich halte diese Vorstellung für ziemlich beunruhigend. Unterschätzen wir das Ausmaß von Musks Radikalität? Diese Seite an Musk ist völlig schockierend. Die meisten Menschen bekommen höchstens die Hälfte davon mit, aber wenn man Musk auf Social Media folgt, sieht man seine ganze ideologische Wucht. Anders Breivik hatte ein abscheuliches Manifest verfasst, bevor er 2011 in Norwegen 77 Menschen ermordete. Mittlerweile gibt es nur wenige Punkte aus Breiviks Manifest, die Musk in seinem X-Feed nicht auch gepostet hat. Der Übernahme durch Musk zum Trotz sind immer noch zahlreiche Menschen auf X aktiv. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum Regierungen X weiterhin für ihre offiziellen Angelegenheiten nutzen. Dabei hat sich X unter Musk zu einer Plattform entwickelt, die eine internationalistische Gemeinschaft der extremen Rechten zusammenschweißen will. Musk wurde 1971 im Südafrika der Apartheid geboren und wuchs dort auf. Welche Auswirkungen hatte das auf ihn? Das hat Musk sehr geprägt. Entgegen landläufigen Vorstellungen war das Südafrika der Apartheid keineswegs technologisch abgehängt. Südafrika importierte Spitzentechnologie von IBM, betrieb ein fortschrittliches Atomprogramm und baute Autos von Top-Marken. Wenn man reich und weiß war, hatte man Zugang zu den meisten Dingen. Musk gehörte mit seiner Familie nicht nur zu dem kleinen Teil der Bevölkerung, der in die USA oder nach Hongkong reiste, er bekam auch recht früh einen Commodore VIC-20. Auf diesem Computer erlernte er das Programmieren. Viele seiner damaligen Erfahrungen spiegeln sich in seinen weiteren Ansichten und Entscheidungen wider. Haben Sie ein Beispiel? Musk hatte das Gefühl, am südlichen Ende Afrikas irgendwie gestrandet zu sein. Er hatte ein Gefühl der Sehnsucht, er wollte sich an den großen, rauschenden Informationsfluss anschließen, zu dem das Internet geworden war. Ihm kam die Idee, dass sich ein Wirtschaftsmodell errichten lässt, das keine globalen Abhängigkeiten erfordert. Dafür könnte man die Fabriken innerhalb der eigenen Grenzen ansiedeln, dazu die Nukleartechnologie und die Computertechnologie. Das Bild einer befestigten Enklave, einer kleinen Einheit, die inmitten des Chaos floriert, beschreibt diese Vorstellung recht gut. Das klingt sehr nach dem Südafrika der Apartheid, in der sich zahlreiche Weiße tatsächlich in gesicherte Wohnanlagen zurückzogen. Das erklärt auch, warum Musk nicht nur Souveränität oder Autonomie an Nationalstaaten verkauft, sondern dieses Modell auch für private Haushalte als eine Art Modul herunterbricht. Sie sollen die Fähigkeit haben, sich von größeren Infrastrukturen abkoppeln zu können. Ein Tesla selbst ist also gar kein Auto, Musk verkauft es als ein ganzes Ökosystem. Dazu gehören Sonnenkollektoren, die Batteriespeicher mit Strom versorgen, die dann für Heizung und Internetverbindung über Starlink-Satelliten sorgen können. In einer scheinbaren Welt des sozialen Chaos und des Klimawandels soll der Cybertruck wie eine Art schützender Panzer wirken. Konnten Sie eine Art Erfolgsgeheimnis bei Musk ausmachen? Sicherlich hatte Musk Glück mit dem Timing. Aber an ihm muss auch mehr dran sein als diese clowneske Figur, als die manche Menschen ihn mittlerweile wahrnehmen. Musk hat viel Geld verdient, er hat mit seinen Teams bedeutende technische Meisterleistungen vollbracht: darunter den Bau attraktiver Elektroautos, dazu wiederverwendbare Raketen und die Etablierung eines Satelliten-Netzwerks in erdnaher Umlaufbahn. Ich denke, dass er es geschafft hat, hoch qualifizierten Teams von Ingenieuren, Logistikern, Planern und anderen Experten ein geradezu absurd hohes Maß an Engagement für die Projekte einzuflößen oder ihnen aufzuzwingen. Wird Musk seine Erfolgsgeschichte fortsetzen können? Dieses Jahr wird SpaceX an die Börse gehen – und es wird voraussichtlich der größte Börsengang der Geschichte werden. Das ist ziemlich erschreckend, denn die hohe Bewertung von SpaceX ruht allein auf der Annahme, dass Musk in der Lage sein wird, orbitale KI-Rechenzentren im Weltraum zu bauen und damit im Grunde ein globales Monopol auf Telekommunikation auf der Erde zu schaffen. Bestehen Chancen, dass ihm das gelingt? Das kann auch ziemlich schiefgehen. Investoren aus der ganzen Welt sind trotzdem bereit, dieses Risiko mit ihm einzugehen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis Musks besteht also in seiner Fähigkeit, eine ziemlich große Anzahl von Menschen mit Zugang zu ziemlich großen Kapitalmengen davon zu überzeugen, dass seine Vorhersage für die nahe Zukunft so wahrscheinlich ist, dass sie das Risiko eingehen. Zugleich hinkt Musk in Sachen KI ziemlich hinterher. Bei KI ist Musk gerade einmal auf Platz drei. Um die derzeit strauchelnde Marke Tesla als Autohersteller zu ersetzen, spricht er nun von Tesla als Roboterunternehmen. Was immer da auch dran sein mag – niemand dürfte bislang irgendwo einen Tesla-Roboter gesehen haben, der herumläuft und irgendetwas tut. Musk gilt als Skeptiker in Sachen KI. Ist da etwas dran? OpenAI wurde ursprünglich – unter anderem von Elon Musk – mit der Absicht gegründet, die KI "sicher" zu entwickeln. Dies führte zu dem öffentlichen Eindruck, dass Musk eine Art KI-Skeptiker oder sogar KI-Kritiker sei. Tatsächlich gründete Musk unmittelbar nach OpenAI das Unternehmen Neuralink, das sich mit Gehirn-Computer-Schnittstellen befasst. Diese Schnittstellen sollen als Möglichkeit für alle Menschen genutzt werden, um die Bandbreite ihrer Kommunikation mit Netzwerken zu erweitern. Musk äußert also seine Besorgnis darüber, dass KI die Macht übernehmen könnte, und versucht gleichzeitig sein Bestes, um unsere Verschmelzung und Integration mit dem, was er als kybernetische Kollektive bezeichnet, zu beschleunigen. Das ist ziemlich widersprüchlich. Elon Musk ist derzeit der reichste Mensch der Welt. Ist seine Macht unerschütterlich? Musk ist keineswegs unbesiegbar, tatsächlich ist er ziemlich verletzlich. Denn sein Vermögen steckt in Form von Aktien in seinen Unternehmen, er verfügt über wenig Liquidität. Wenn die Kurse seiner Unternehmen fallen, verliert er Geld. Auch deswegen muss Musk ständig neue technologische Durchbrüche oder finanzielle Erträge ankündigen oder verkündigen. Klingt ein wenig nach der Masche Donald Trumps, der immer wieder Aufregung verursacht? Die beiden haben ihre Gemeinsamkeiten, ja. Musk greift immer wieder zu Drohungen wie: "Wenn mein Produkt nicht funktioniert, dann scheitert die Zivilisation." Das stimmt zwar nicht, aber es ist schon richtig, dass Musk persönlich scheitert, wenn sein Produkt keinen Erfolg hat. Die Vermischung dieser beiden Sphären ist unter Größenwahnsinnigen ziemlich verbreitet. Das Geheimnis des "Muskismus" besteht darin, den Eindruck zu erwecken, dass man keine andere Wahl hat, als dabei zu sein. Aber damit will Musk uns nur austricksen. Professor Slobodian, vielen Dank für das Gespräch.