Akkus bei E-Autos im Test: Diese Hersteller haben die haltbarsten Batterien
Gebrauchte E-Autos verlieren langsamer an Batteriekapazität als erwartet. Neue Zahlen machen die Unterschiede zwischen Herstellern erstmals sichtbar. Gebrauchte Elektroautos tun sich im Handel weiterhin schwer. Während Benziner laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) im Schnitt nach gut 80 Tagen verkauft sind, brauchen Stromer oft deutlich länger. Ein Grund ist die Unsicherheit vieler Käufer: Wie lange hält die Batterie und wie viel Reichweite bleibt nach Jahren noch übrig? Dabei sind aufgrund des recht hohen Wertverlusts echte Schnäppchen möglich. Die reguläre Hauptuntersuchung für E-Autos erfasst nur sicherheitsrelevante Aspekte wie Gehäuse oder Isolation. Wie leistungsfähig die Batterie noch ist, bleibt außen vor. Mittlerweile gibt es deshalb Anbieter, die den sogenannten "State of Health" (SoH) ermitteln. Auch der TÜV Nord bietet ein solches Verfahren mit dem Datenspezialisten Carly an. Jetzt wurden die Daten von 50.000 Autos ausgewertet und auch nach Herstellern aufgeschlüsselt. Im Schnitt fallen die Ergebnisse weniger kritisch aus als häufig angenommen. Der Batteriezustand liegt laut TÜV Nord im Mittel bei etwa 96 Prozent. Nur ein kleiner Teil der untersuchten Fahrzeuge unterschreitet 85 Prozent. Auch der Verlauf der Alterung zeigt ein klares Muster. Pro 10.000 Kilometer sinkt der sogenannte State of Health zunächst um rund 0,7 Prozentpunkte. Bis etwa 90.000 Kilometer bleibt der Rückgang vergleichsweise moderat. Danach beschleunigt sich die Alterung auf etwa 2,3 Prozent pro 10.000 Kilometer. Ein typischer Akku kommt nach 90.000 Kilometern noch auf rund 94 Prozent, nach 150.000 Kilometern auf etwa 80 Prozent. Unterschiede zwischen Herstellern erkennbar Mit der wachsenden Datenbasis lassen sich erstmals auch Unterschiede zwischen Herstellern erkennen, wenn auch mit Einschränkungen. Die Datenlage ist weiterhin nicht ausreichend, um beispielsweise zwischen einzelnen Modellen zu differenzieren. Vorn liegen in der Auswertung Modelle des koreanischen Hyundai-Konzerns mit den Marken Kia und Hyundai. Die Akkus von neun Jahre alten Gebrauchtwagen hatten laut "Auto Bild" im Schnitt noch rund 93 Prozent der ursprünglichen Speicherkapazität. Dahinter folgen Modelle von Mercedes (Gebrauchte des Baujahres 2019: 94,2 Prozent Speichervermögen) sowie Fahrzeuge der BMW-Gruppe mit Marken wie BMW und Mini (Baujahr 2020: noch über 94 Prozent der ursprünglichen Akkukapazität. Elf Jahre alte Elektro-BMW haben noch rund 80 Prozent). Auch andere Hersteller schneiden insgesamt solide ab, zeigen aber eine teils stärkere Alterung in älteren Baujahren, zum Beispiel bei VW- und Renault-Modellen des Baujahres 2015. Weiter gehen die Messungen nicht, da die Verbreitung erst ab dann kontinuierlich zunahm. Gleichzeitig bewegen sich auch diese Werte noch oberhalb typischer Garantiegrenzen, die meist bei rund 70 Prozent liegen. Auffällig ist zudem ein technischer Fortschritt über die Jahre, heißt es: Bei mehreren Herstellern flacht die Alterungskurve ab etwa 2018 ab, was auf Weiterentwicklungen bei Batteriezellen und -management hindeutet. Studien zeichnen ein ähnliches Bild Die Ergebnisse des TÜV Nord decken sich mit denen anderer Untersuchungen. Eine Auswertung des britischen Spezialisten Generational+ von mehr als 8.000 Batteriechecks ergab 2025 eine durchschnittliche Restkapazität von rund 95 Prozent. Selbst acht bis neun Jahre alte Fahrzeuge erreichen demnach im Mittel noch etwa 85 Prozent. Auch Analysen der Beratung P3 in Kombination mit Daten von Aviloo sowie Untersuchungen der Dekra kommen zu ähnlichen Resultaten. Demnach sinkt der Batteriezustand zunächst auf etwa 95 Prozent nach rund 30.000 Kilometern und stabilisiert sich anschließend. Bei 100.000 Kilometern liegen viele Fahrzeuge noch bei rund 90 Prozent. Praxiswerte bestätigen das. Ein VW ID.3 erreichte im ADAC-Langzeittest nach 160.000 Kilometern noch einen SoH von 91 Prozent – trotz häufiger Schnellladevorgänge. Eine Studie der Stanford-Universität kommt zudem zu dem Ergebnis, dass Batterien unter realen Nutzungsbedingungen langsamer altern als unter konstanten Laborbedingungen und damit die Erwartungen und Angaben der Autohersteller sogar übertreffen.
