Tempo 130 auf Autobahnen: Wie viel Autofahrer Sprit sparen würden
Der Krieg im Iran treibt die Spritpreise nach oben. Indessen werden Vorschläge nach Tempolimits lauter – aber was bringen diese? Knapp drei Wochen hält der Iran-Krieg an – und die Folgen sind auch an deutschen Tankstellen zu spüren. Nach Daten des ADAC ist Diesel seit dem Tag vor Kriegsbeginn um 42 Cent teurer geworden, Super E10 um knapp 27 Cent. Im bundesweiten Durchschnitt kostete ein Liter E10 zuletzt 2,044 Euro, Diesel lag bei 2,167 Euro. Die Koalition hat darauf mit einem Maßnahmenpaket reagiert, das im April in Kraft treten soll. Künftig sollen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Ob das die Preise spürbar dämpfen wird, ist umstritten. Tempolimit als mögliche Maßnahme Die Internationale Energieagentur (IEA) empfiehlt angesichts der Ölkrise Maßnahmen, die den Verbrauch senken. Der Verkehr spielt dabei eine zentrale Rolle. Rund 45 Prozent des Ölverbrauchs entfallen auf diesen Bereich. Neben mehr Homeoffice und einer stärkeren Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nennt die IEA auch niedrigere Geschwindigkeiten. Ein Tempolimit könnte den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Damit kehrt eine alte Debatte wieder zurück: Was bringt Tempo 130 auf Autobahnen? Mehrheit offen für ein Tempolimit In der Bevölkerung stieß die Idee eines grundsätzlichen Tempolimits in Umfragen der vergangenen Jahre auf Zustimmung. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der "Bild"-Zeitung zeigte Ende 2025, dass 60 Prozent der Befragten ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde befürworten. 36 Prozent lehnen es ab. Bereits 2023 ergab eine t-online-Umfrage ein ähnliches Bild. 67 Prozent sprachen sich grundsätzlich für ein Tempolimit aus . Ein Drittel favorisierte Tempo 130, kleinere Gruppen plädierten für 120 oder 140 Kilometer pro Stunde. Rund ein Drittel war gegen eine Begrenzung. Wie viel Sprit lässt sich durch ein Tempolimit sparen? Der Zusammenhang ist eindeutig: Mit steigender Geschwindigkeit steigt auch der Verbrauch. Luft- und Rollwiderstand nehmen deutlich zu – vor allem bei großen Autos mit entsprechend großer Fläche. Nach Angaben des ADAC verbraucht ein Mittelklasseauto bis zu zwei Drittel mehr Kraftstoff, wenn es statt 100 Kilometern pro Stunde mit 160 über die Autobahn fährt. Die Geschwindigkeit ist also ein entscheidender Verbrauchsfaktor, dazu kommen Faktoren wie der Wirkungsgrad, die Leistung und die Größe des Motors. Ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde würde laut Berechnungen des Umweltbundesamtes rund 600 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr einsparen. Das entspricht allerdings nur etwa 1,5 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs von Autos. In der Summe könnten Autofahrer älteren Berechnungen in einer Studie aus dem Journal "Ecological Economics" durch geringeren Kraftstoffverbrauch rund 766 Millionen Euro pro Jahr sparen. Auch beim CO2-Ausstoß zeigt sich dieses Verhältnis. Tempo 130 würde die Emissionen um rund 1,5 Millionen Tonnen senken. Die absolute Menge ist hoch, gemessen am gesamten Straßenverkehr fällt der Effekt jedoch vergleichsweise gering aus. Größere Einsparungen ergeben sich erst bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Bei Tempo 120 wären es rund 800 Millionen Liter Kraftstoff, bei Tempo 100 etwa 1,7 Milliarden Liter. Weitere mögliche Effekte eines Tempolimits Neben dem Verbrauch werden weitere Auswirkungen diskutiert. Befürworter sehen Vorteile bei der Verkehrssicherheit. Auf Straßen mit Tempolimit gibt es deutlich weniger tödliche Unfälle als auf Abschnitten ohne Begrenzung. Gleichzeitig gelten Autobahnen als die sichersten Straßen in Deutschland. Dort wird rund ein Drittel der Fahrleistung erbracht, der Anteil der Verkehrstoten liegt jedoch nur bei etwa 11 Prozent. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Tempolimit und höherer Sicherheit lässt sich laut ADAC auch im internationalen Vergleich nicht erkennen. Auch beim Lärm könnte ein Tempolimit eine Rolle spielen. Höhere Geschwindigkeiten erhöhen die Lärmbelastung, niedrigere könnten sie entsprechend senken. Beim Verkehrsfluss gehen die Einschätzungen auseinander. Befürworter argumentieren, dass ein gleichmäßigeres Tempo den Verkehr stabilisieren könne. Weniger Überholmanöver und abruptes Bremsen könnten Staus reduzieren. Kritiker widersprechen. Nach Einschätzung des ADAC hat ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde keinen nennenswerten Einfluss auf den Verkehrsfluss. Die maximale Leistungsfähigkeit einer Autobahn werde bei deutlich niedrigeren Geschwindigkeiten erreicht. Zudem gebe es auf stark belasteten Strecken bereits heute Tempolimits. Laut der Studie im Fachjournal "Ecological Economics" könnte es zudem wirtschaftliche Effekte geben. Demnach könnte ein Tempolimit einen jährlichen Wohlfahrtsgewinn von 660 Millionen Euro bringen. Dazu zählen ein geringerer Kraftstoffverbrauch, weniger Unfälle sowie niedrigere Kosten in Lieferketten und Infrastruktur. Zweifel an der Wirkung Gegner bezweifeln, dass ein Tempolimit einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten würde. Die Höhe der Einsparungen ist umstritten. Auch bei der Verkehrssicherheit ist das Bild nicht eindeutig. Hinzu kommt: Ein Tempolimit würde nicht überall etwas verändern. Rund 30 Prozent des Autobahnnetzes sind bereits dauerhaft oder zeitweise beschränkt. Auf etwa 70 Prozent – rund 9000 Kilometer – gibt es kein generelles Limit, doch zahlreiche Mechanismen, das Tempo durch Anzeigen auf Schilderbrücken zu begrenzen. Was bleibt? Ein Zusammenhang ist klar: Wer langsamer fährt, verbraucht weniger Kraftstoff. Für den Spritverbrauch ist am Ende jeder selbst verantwortlich. Wer das Gaspedal nicht durchtritt und von sich aus mit höchstens Tempo 130 auf den Autobahnen unterwegs ist, spart jetzt schon Sprit – auch ohne verordnetes Tempolimit.
