Formel 1: Jonathan Wheatley soll die Saison von Aston Martin retten
Jonathan Wheatley wird wohl neuer Teamchef bei Aston Martin – und übernimmt damit den großen Problemfall der aktuellen Formel 1. Am kommenden Wochenende geht die Formel 1 mit dem Großen Preis von Japan erst in ihr drittes Rennen der Saison 2026 – doch die kurze Zeit seit dem Auftaktrennen Anfang März in Australien hat bereits gereicht, um die "Königsklasse" ordentlich durcheinander zu wirbeln. Im Fokus: ein erfahrener, unter Kollegen hochgeschätzter Teamchef – und ein Traditionsteam, dem er aus der tiefen sportlichen Krise helfen soll. Denn einerseits hat der bisherige Audi-Teamchef Jonathan Wheatley den deutschen Rennstall schon nach den ersten beiden Rennen seiner Formel-1-Historie wieder verlassen . Andererseits wird er wohl zeitnah in derselben Position bei Aston Martin anheuern, übereinstimmenden Berichten zufolge ist der Wechsel wohl nur noch Formsache. Mit seiner Erfahrung könnte der 58-Jährige genau dafür der richtige Mann sein, um die strauchelnden Briten wieder auf Vordermann zu bringen. Nicht ohne Grund soll der bisherige Teamchef Adrian Newey auf die Personalie bestanden haben. Wilden Gerüchten zufolge war auch der frühere Red-Bull-Teamchef Christian Horner – ein weiterer Vertrauter – Kandidat, Newey aber habe Wheatley als Lösung bevorzugt. Er wird wissen, warum: Mit Wheatley soll wieder Ruhe einkehren, was bei einer Anstellung des bei Red Bull auch über angebliche Verfehlungen gegenüber einer Mitarbeiterin gestolperten Horner wohl kaum möglich gewesen wäre. "Es herrscht viel Nervosität" Beim im traditionellen "British Racing Green" antretenden Team kommen große Aufgaben auf Wheatley zu. Denn Aston Martin hat den Saisonstart 2026 komplett in den Sand gesetzt und ist aktuell das große Problem-Team der Formel 1. Nun hoffen sie auf Wheatley als großen Heilsbringer. Er soll die Saison retten. Aber: Weiß er, was er sich da zumutet? Alle Termine im Überblick: Der Formel-1-Rennkalender 2026 Zeitweise stand schließlich sogar der Start beim Auftaktrennen in Melbourne Anfang März infrage. Das Team plagen zahlreiche Schwierigkeiten, am Unternehmenssitz im britischen Silverstone soll es unruhig sein. "Bei Aston Martin herrscht momentan eine große Anspannung, viel Enttäuschung und viel Nervosität", sagte der spanische Formel-1-Insider Antonio Lobato erst kürzlich im "Soy Motor"-Podcast. Gleich an zwei Fronten hakte es bis jetzt. Der "Design-Guru" scheiterte Die Teamführung: Als Newey erst im November 2025 zum Teamchef ernannt wurde, war das Erstaunen in der Branche groß. Der 67-Jährige hatte zuvor schließlich über Jahrzehnte erfolgreich im Hintergrund gearbeitet. Die von ihm konzipierten Autos für Williams und Red Bull fuhren insgesamt zu 14 Fahrer- und zwölf Team-Weltmeisterschaften, dazu zu stattlichen 223 Rennsiegen. Newey gilt als der "Design-Guru" der Formel 1. Doch die Position in allererster Reihe, als Hauptverantwortlicher eines ganzen Teams, war auch für den Altmeister Neuland. "Ich würde sogar sagen, dass es derzeit an Führung mangelt", erklärte Lobato weiter. Newey schien sich in dieser exponierten Position nie so ganz wohl zu fühlen – nicht ohne Grund wolle er sich nach Wheatleys Verpflichtung wieder ganz auf die technische Entwicklung konzentrieren, wird berichtet. "Er ist gut in dem, was er gut kann", sagte Lobato. Ohnehin war schon zu Beginn nur eine einjährige Amtszeit vorgesehen – diese endet nun wohl vorzeitig. Wheatley soll nun nachfolgen – Berichten zufolge sogar auf Vorschlag Neweys hin. Die beiden arbeiteten schließlich einst 20 Jahre lang beim Red-Bull-Rennstall zusammen. Erst im vergangenen Jahr verließen beide das österreichische Team, um sich ihren neuen Arbeitgebern anzuschließen. Und werden nun wohl erneut zusammenfinden. Es geht schließlich jetzt schon um alles. "Die Probleme kommen jeden Tag aus dem Nichts" Der Motor: Das Aggregat, das seit dieser Saison vom japanischen Autobauer Honda geliefert wird, der Mercedes abgelöst hat, macht große Probleme. Mehr noch: Der "RA626H" ist aktuell eigentlich nicht Formel-1-tauglich. Schon bei den Tests in Barcelona und Bahrain vor Saisonstart zeigte das Auto deutliche Schwächen. Bis zu viereinhalb Sekunden fehlten zur Konkurrenz. Es stimmt nicht im Boliden, auch nicht im Getriebe, das Aston Martin zum ersten Mal selbst gefertigt hat. Und: Das Auto ist offenbar eine Gefahr für die Gesundheit der Fahrer. Alonso habe beklagt, "dass er nicht mehr als 25 Runden am Stück" fahren könne, "ohne eine dauerhafte Schädigung der Nerven in seinen Händen zu riskieren", meinte Newey. Lance Stroll wiederum, der zweite Fahrer, rechne sogar damit, "dass er nicht mehr als 15 Runden fahren kann, bevor diese Schwelle erreicht ist." Der Grund dafür liegt in starken Vibrationen, die von dem neuen Honda-Motor ausgehen. "Es ist so, als ob man auf einem elektrischen Stuhl sitzen würde, und das ist nicht weit hergeholt", schimpfte Stroll weiter. Und sein erfahrener Teamkollege Alonso ließ ebenfalls kein gutes Haar am Auto: "Wollen wir um Siege kämpfen? Ja. Kämpfen wir heute um Siege? Es sieht nicht danach aus", sagte der zweimalige Weltmeister schon vor Wochen. Vor dem Rennen in China verzweifelte er: "Die Probleme kommen jeden Tag aus dem Nichts. Es scheint also, dass wir noch nicht mal die Spitze erreicht haben, daher ist es schwierig einzuschätzen." Alonso übt sich in Durchhalteparolen Alonso musste in den ersten beiden Rennen 2026 sein Auto abstellen, Stroll gab in Melbourne schon nach 43 Runden auf, konnte nicht länger fahren, in Shanghai war es die Batterie. Keiner der Aston Martins kam also bislang bei auch nur einem der beiden Saisonrennen ins Ziel. Ein früherer Teamkollege von Alonso traf bereits eine düstere Prophezeiung. "Leider wird das in aller Wahrscheinlichkeit eines der schlechtesten Jahre von Fernando", erklärte Felipe Massa, zwischen 2010 und 2013 mit Alonso bei Ferrari , dem spanischen Portal "Jugones". Und weiter: "Er muss jetzt viel Geduld haben, aber das ist mit 44 Jahren nicht so leicht." Auch der frühere Formel-1-Teamchef Günther Steiner sagte bei RTL: "Wenn er nicht sieht, dass es wirklich nach vorne geht, dann hört er nach dem Ende der Saison auf." Und: "Das macht bestimmt keinen Spaß. Er hat immer wieder gewartet und an Aston Martin geglaubt. Es ist das schlimmste Jahr, seit er da ist." Alonso selbst übte sich indes in Durchhalteparolen: "Ich habe zu 100 Prozent den Glauben, dass sie die Probleme lösen, weil sie das schon in der Vergangenheit geschafft haben." Schon die vergangene Saison verlief ernüchternd für den Altstar, der gleich fünfmal nicht ins Ziel kam und insgesamt nur bei zehn Rennen in die Punkte fahren konnte. Immer wieder verzweifelte Alonso am Auto. Tragikomisch fast, dass Ex-Motorenpartner Mercedes mit den umfassenden Änderungen 2026 aktuell am besten zurechtzukommen und der Konkurrenz einen Schritt voraus scheint, während sich Honda schwertut. Journalist Lobato verriet bereits: "Ich habe mit jemandem aus Fernandos Umfeld gesprochen, und das Gefühl, das man mir schilderte, war: 'Noch ein Jahr in der Hölle. Noch ein Jahr voller Leiden.'" Nun liegt es wohl an Wheatley, das zu verhindern.
