Hohe Spritpreise: In diesem Fall fahren Sie mit dem E-Auto günstiger
Die Spritpreise sind auf einem Rekordhoch, das Interesse an Elektroautos steigt. Ein ADAC-Vergleich zeigt, wann sich der Umstieg finanziell wirklich lohnt. Die Preise für Benzin und Diesel bewegen sich aufgrund des Iran-Kriegs deutlich über der Zwei-Euro-Marke. Noch immer ist die zentrale Handelsroute, die Straße von Hormus, faktisch gesperrt, und eine Entspannung der Lage im Iran zeichnet sich nicht ab . Bundeswirtschaftsministerin Reiche warnte deshalb schon, dass im Extremfall Kraftstoffe ab Ende April knapp werden könnten . Gleichzeitig ist das Interesse an E-Autos laut Vergleichsportalen im Internet und Umfragen deutlich gestiegen . Das liegt nicht nur an den Spritpreisen, sondern auch an der angekündigten Förderung. Mittlerweile ist das Angebot an bezahlbaren und sparsamen Stromern stark gestiegen, die eine gute Alternative zum Verbrenner sind – sowohl Neuwagen als auch Gebrauchte . Der ADAC hat auf Anfrage von t-online nachgerechnet: Haben E-Autos wirklich einen Preisvorteil gegenüber Verbrennern? Beim E-Auto kommt es auf den Ladestrom an Für seine Berechnungen hat der Verkehrsclub das meistverkaufte Auto Deutschlands, den VW Golf, und seinen elektrischen Bruder, den VW ID.3 , als Basis genommen. Hierbei handelt es sich um Neuwagen. Bei den Kraftstoffpreisen ist der ADAC von 2,10 Euro für Benzin und 2,30 Euro für Diesel ausgegangen – diese Preise können natürlich auch wieder sinken. Jedoch dürften steigende CO2-Preise dazu führen, dass das Tanken von Benzin und Diesel in den kommenden Jahren tendenziell teurer wird . Komplizierter wird es bei den Strompreisen, denn diese können erstens regional schwanken und hängen vor allem davon ab, wo das E-Auto am häufigsten geladen wird. Deshalb gibt es hier gleich vier Szenarien: 0,18 €/kWh für das Laden daheim mit eigener Photovoltaikanlage 0,30 €/kWh: Daheim laden am Hausstrom 0,44 €/kWh für eine Mischform aus Laden zu Hause und öffentlich 0,60 €/kWh: Vorwiegend öffentliches Laden mit Vertrag Wer sein Auto ohne einen Vertrag an Schnellladesäulen lädt, kann in Einzelfällen auch deutlich mehr bezahlen. Deshalb spielen auch das eigene Ladeverhalten und die Möglichkeiten eine entscheidende Rolle bei den laufenden Kosten . Diese Faktoren zählen bei den Kosten Die Kostenrechnung basiert auf der Annahme, dass die Fahrzeuge 15.000 Kilometer im Jahr zurücklegen und 5 Jahre lang gehalten werden. In die Kostenrechnung fließen folgende Faktoren ein: Wertverlust: Dieser wird gern ausgeblendet, spielt aber beim Wiederverkauf eine Rolle und wird deshalb vom ADAC gleich eingepreist. Fixkosten (Vollkaskoversicherung, u. U. Kfz-Steuer, Pauschale für Parkgebühren/TÜV/Kleinzubehör etc.) Betriebskosten (Treibstoff, Öl und Reinigungspauschale) Werkstatt-/Reifenkosten (Ölwechsel, Inspektionen, Verschleißreparaturen etc.). Tabelle: So unterscheiden sich die Preise So sieht der Preisvergleich als aktuelle Momentaufnahme aus: Fahrzeug (und Stromtarif) Fahrzeugpreis Wertverlust Fixkosten Betriebskosten Werkstattkosten Gesamtkosten pro Monat/pro km Benziner (VW Golf 1.5 TSI) 37.684 € 422 € 157 € 165 € 68 € 811 € / 64,9 ct Diesel (VW Golf 2.0 TDI) 33.855 € 386 € 176 € 150 € 66 € 778 € / 62,2 ct E-Auto (VW ID.3 Pure Energy) Strompreis: 0,18 € pro kWh 37.790 € 475 € 167 € 56 € 72 € 770 € / 61,6 ct Strompreis: 0,30 € pro kWh 37.790 € 475 € 167 € 79 € 72 € 793 € / 63,5 ct Strompreis: 0,44 € pro kWh 37.790 € 475 € 167 € 106 € 72 € 821 € / 65,7 ct Strompreis: 0,60 € pro kWh 37.790 € 475 € 167 € 137 € 72 € 852 € / 68,1 ct Bei einem Benziner liegen die Betriebskosten also derzeit bei 811 Euro, ein Diesel kostet monatlich 778 Euro. Beim E-Auto zahlen Besitzer zwischen 770 und 852 Euro monatlich, je nach Lademöglichkeit. Hoher Wertverlust, geringe Betriebskosten Was aus der Tabelle klar wird: Der Wertverlust ist bei E-Autos derzeit deutlich höher als bei Benzinern oder Dieseln. Das liegt unter anderem daran, dass viele Gebrauchtwagenkäufer misstrauisch bezüglich der Haltbarkeit der Akkus sind – obwohl Studien mittlerweile mehrfach belegt haben, dass die Energiespeicher deutlich haltbarer sind, als es die Hersteller selbst erwartet hatten . Zudem führen hohe Rabatte auf Neuwagen und auch Förderprämien dazu, dass elektrische Gebrauchtwagen weniger attraktiv sind. Für Verkäufer ist das schlecht, für gut informierte Gebrauchtwagenkäufer ideal: Sie bekommen viel E-Auto für recht wenig Geld. Während es bei den Fixkosten und Werkstattkosten nur kleine Unterschiede gibt, spielen E-Autos ihren großen Vorteil bei den Betriebskosten aus, vor allem angesichts der hohen Kraftstoffpreise: Wer sein E-Auto daheim mit Sonnenstrom lädt, zahlt in der Beispielrechnung derzeit monatlich nur 56 Euro statt 150 Euro für einen Diesel oder 156 Euro für einen Benziner. Selbst wer nur öffentlich lädt, ist bei den reinen Betriebskosten aktuell besser dran als ein Diesel- oder Benziner-Fahrer. Fazit: E-Auto oder Verbrenner? Das Ergebnis zeigt also ein gemischtes Bild: Wer sich jetzt einen Diesel- oder Benzin-Neuwagen kauft, zahlt über einen Zeitraum von fünf Jahren trotz hoher Kraftstoffkosten kaum mehr oder sogar weniger als ein E-Auto-Fahrer – vor allem wegen des Unterschieds beim Wertverlust. Wer sich jedoch einen Elektro-Gebrauchtwagen kauft (bei dem der größte Wertverlust bereits entstanden ist) oder schon einen älteren Stromer besitzt, profitiert umso mehr von den günstigeren Betriebskosten. FAQ: Für wen eignet sich ein E-Auto? Für wen eignet sich ein E-Auto im Alltag? Für Fahrer mit regelmäßigen Strecken und planbaren Wegen: Wer täglich pendelt oder feste Fahrprofile hat, kommt mit den meisten aktuellen Modellen problemlos zurecht. Brauche ich zwingend eine eigene Lademöglichkeit? Nein. Eine Wallbox erleichtert den Alltag, ist aber keine Voraussetzung. Wichtig ist, dass es in der Nähe ausreichend öffentliche Ladepunkte gibt. In den meisten Fällen ist dies bereits der Fall . Sind E-Autos auch für längere Strecken geeignet? Ja, viele Modelle schaffen heute mehrere Hundert Kilometer pro Ladung. Auf langen Strecken hängt es vor allem von der Ladeplanung und der Infrastruktur ab. Wie umweltfreundlich sind E-Autos wirklich? Das hängt stark von der Nutzung ab. Wer viel fährt und Strom aus erneuerbaren Quellen nutzt, kann die CO2-Bilanz gegenüber einem Verbrenner deutlich verbessern. Bei geringer Laufleistung oder großen Batterien relativiert sich der Vorteil. Wie alltagstauglich sind E-Autos im Winter? Auch bei niedrigen Temperaturen bleiben sie einsatzfähig. Die Reichweite kann sinken, etwa durch Heizung und Batteriebedingungen. Eignen sich E-Autos für Familien oder als einziges Auto? Das hängt vom Modell ab. Größere Fahrzeuge mit hoher Reichweite können ein Verbrennerauto vollständig ersetzen. Gibt es Einschränkungen bei speziellen Anforderungen (z. B. Anhänger)? Teilweise. Viele aktuelle Modelle können Anhänger ziehen, die mögliche Last variiert jedoch je nach Fahrzeug. Der neue Mercedes GLC beispielsweise kann 2,4 Tonnen an den Haken nehmen.
