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Strom gratis: Diese "Happy Hour" lockt Kunden – das steckt dahinter

Samstag kostenlos das E-Auto laden und Sonntag umsonst die Wäsche waschen – das klingt nach einem tollen Angebot. Was hinter der Aktion eines Energieanbieters steckt, erklären zwei Experten. Gratis-Strom am Wochenende! Mit dieser Aktion macht derzeit der österreichische Energiekonzern Gutmann auf sich aufmerksam. Wer dort Kunde ist, bekommt von April bis August an Wochenenden und Feiertagen zwischen 12 und 16 Uhr gratis Strom. Er zahlt also keinen Cent für den verbrauchten Strom – zumindest für die Energie selbst. Netzgebühren und die monatliche Grundgebühr bleiben weiterhin fällig. Voraussetzung für die Nutzung ist unter anderem ein intelligenter Stromzähler (Smart Meter) . Doch was steckt hinter dieser "Happy Hour" für Stromkunden? Und könnte es so ein Angebot auch in Deutschland geben? t-online hat zwei Energieexperten gefragt. Warum es den Gratis-Strom gibt Hintergrund der Aktion ist, dass es am Wochenende und an den Feiertagen zur Mittagszeit immer wieder zu einem Stromüberschuss kommt . Das bedeutet, dass Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen zu viel Strom erzeugen. Da energieintensive Industrie- und Gewerbeunternehmen am Wochenende nicht arbeiten, gibt es nur wenige Stromverbraucher, die diese überschüssige Energie abnehmen. Es kann zu einer Netzüberlastung und somit zu einem Blackout kommen . Um dem vorzubeugen, bietet der österreichische Energieanbieter diese Gratis-Strom-Stunden an. Er erhofft sich wahrscheinlich, dass seine Kunden ihren Stromverbrauch in dieses Zeitfenster legen und somit mehr von dem überschüssigen Strom verbrauchen. Deutliche Mehrausgaben hat der österreichische Energieanbieter durch die Aktion vermutlich nicht. Denn bei einem Stromüberschuss sinkt der Strompreis an der Strombörse sehr stark - teilweise sogar ins Negative . Dieses Phänomen kennen vor allem Privathaushalte, die einen dynamischen Stromtarif nutzen. Starre Zeitfenster als Schwachstelle Ralf Walther, Energiemarktexperte beim Anbieter Tibber, hält den Tarif durchaus für sinnvoll: "Wer seinen Verbrauch gezielt in diese Zeiten verlagert, nutzt nicht nur günstige Energie, sondern hilft gleichzeitig, das Stromnetz zu stabilisieren und erneuerbare Energien besser zu integrieren." Im Grunde handele es sich bei Gutmanns Aktion um eine besonders plakative Variante dessen, was Fachleute "Demand Response" nennen – also eine Reaktion des Verbrauchs auf Preissignale. Aus diesem Grund begrüßt Walther Aktionen, die zur Verschiebung der Stromnetzbelastung beitragen. Doch "starre Zeitfenster wie bei einer 'Happy Hour' schränken diese Möglichkeiten ein. Sie verhindern eine wirklich erlösorientierte und systemdienliche Nutzung verschiebbarer Lasten". Anders sieht es hingegen bei dynamischen Stromtarifen aus, die es bereits in Deutschland gibt. "Ein solcher Tarif bildet die realen Marktpreise Viertelstunde für Viertelstunde ab. Dadurch entstehen Einsparpotenziale genau dann, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist – nicht nur in einem festen Zeitfenster", erklärt der Energiemarktexperte. Das motiviert Privathaushalte dazu, stromhungrige Geräte wie E-Auto, Heimspeicher oder Wärmepumpe automatisch in Stunden günstiger Energie zu verlegen – was auch vor 12 Uhr oder nach 16 Uhr sein kann. Einsparpotenzial bleibt überschaubar Zwar hält Peter Vest, ehemaliger Geschäftsführer von Yello Strom und Mitgründer des Stromversorgers Starqstrom, die Idee flexibler Strompreise grundsätzlich für richtig. In der Praxis sei sie jedoch überschätzt: "Man darf die Einsparpotenziale nicht überbewerten. Auch ein Haushalt mit E-Auto kann nur einen Teil des Verbrauchs verschieben . Für die meisten bleibt der Effekt überschaubar." Zur Veranschaulichung führt er folgendes Beispiel an: Selbst wer 500 Kilowattstunden seines Jahresverbrauchs in die vier Gratis-Stunden legt, spart im Verhältnis wenig. Der größere Anteil bleibt unverändert – und teilweise zahlen Kunden in anderen Stunden einen höheren Arbeitspreis . Für viele Haushalte sei deshalb ein konstanter Tarif oft günstiger und planbarer. "Energie zum Nulltarif gibt es eigentlich nicht", warnt Vest. "Man riskiert, die Menschen an solche Ausnahmen zu gewöhnen – dabei steckt dahinter meist ein Marketingeffekt." Auch Walther sieht die Aktion eher als "niederschwelligen Einstieg in das Thema Flexibilität". Sie mache sichtbar, dass Strompreise nicht immer gleich seien und das eigene Verhalten Auswirkungen auf das Gesamtsystem habe. Aus diesem Grund rät er Privathaushalten dazu, auf automatisierte Systeme zu setzen, die Stromflüsse selbstständig steuern. Heim-Energie-Management-Systeme können beispielsweise Geräte, Solaranlagen oder Autos so steuern, dass sie automatisch zu den günstigsten Zeiten laden oder heizen, ohne dass jemand eingreifen müsse. "Nur wenn die Steuerung automatisiert ist, wird Flexibilität wirklich alltagstauglich und skalierbar", erklärt er. Abrechnungsprobleme bei Netzbetreibern Es gibt noch einen essenziellen Knackpunkt, der aktuell gegen die Einführung eines derartigen "Happy-Hour"-Tarifs in Deutschland spricht: die Smart-Meter-Infrastruktur. Denn genau daran hapere es, betont Energieexperte Vest: " Der Rollout läuft extrem schleppend . Von rund 860 Netzbetreibern können vielleicht zehn Prozent überhaupt dynamisch abrechnen. Viele Anbieter müssten solche Tarife mit Risikoaufschlägen kalkulieren, weil ihnen die Datenbasis fehlt." Statt Ersparnis könne es demnach zu Mehrkosten für Verbraucher und Energieversorger kommen. Doch die Netzbetreiber haben noch weitere Probleme. Denn nicht jeder von ihnen kann aktuell die nötigen Daten abrechnen, wie eine Analyse der Verbraucherzentralen zeigt . Einen Lichtblick gibt es immerhin. Denn spätestens 2032 müssen alle Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet sein – und somit die Netzbetreiber auch fähig sein, die Daten korrekt abzurechnen. Nur für flexible Haushalte sinnvoll Gratis-Strom-Stunden sind also eher ein charmantes Beispiel dafür, wie man die Energiewende greifbar machen kann. Derartige Modelle zeigen allerdings auch Grenzen auf. Für Haushalte mit flexiblem Verbrauch, etwa Solaranlage und E-Auto, bietet er einen gewissen Anreiz. Doch der systemische Effekt auf die Stromversorgung bleibt klein. "Ein echter Netzeffekt entsteht dadurch nicht", sagt Vest. Er sieht nicht in der Verschiebung des Verbrauchs den entscheidenden Hebel, sondern in der Speicherung von Energie. "Wir müssen Produktion und Verbrauch besser ausgleichen – durch Speicher, flexible Anlagen und marktgerechtes Einspeisen."