Tanken: Auto mit Gas statt Diesel und Benzin – warum CNG und LPG aussterben
Autogas kostet rund 1,10 Euro pro Liter und ist damit deutlich günstiger als Benzin. Trotzdem verlieren Fahrzeuge mit Gasantrieb seit Jahren an Bedeutung. Eine Variante ist bereits fast verschwunden. Die Kraftstoffpreise bleiben hoch: Benzin und Diesel kosten deutlich über zwei Euro, der Dieselpreis hat inzwischen sogar den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 übertroffen. Viele Autofahrer suchen nach günstigen Alternativen – das Interesse an E-Autos steigt aufgrund der niedrigeren Betriebskosten laut Online-Autoportalen spürbar an . Lange bevor Elektroautos zum Massenphänomen wurden, galten auch Gasfahrzeuge als günstige Option. Doch von den Antrieben mit Erdgas (CNG) und Autogas (LPG) ist heute kaum noch etwas übrig. CNG: Nicht mehr als eine Randerscheinung Zwar experimentierten viele Hersteller über Jahre mit Gasfahrzeugen. Modelle wie der Audi A4 G-tron, der VW Golf TGI oder der Opel Zafira mit Erdgasantrieb (CNG) gehörten zeitweise zum Angebot. Doch die Nachfrage blieb gering. Schon in den frühen 2000er-Jahren spielten CNG-Modelle im Gesamtmarkt kaum eine Rolle. Das zeigt sich auch heute in den Zahlen: In Deutschland sind noch rund 80.000 Erdgasfahrzeuge zugelassen. Die Neuzulassungen sind mangels Angebot inzwischen auf fast Null gesunken. 4.000 Zulassungen waren es noch im Jahr 2021, ein Jahr später nur 1.800. VW verkündete 2024, keine neuen CNG-Fahrzeuge mehr auf den Markt zu bringen und sich stattdessen auf E-Antriebe zu fokussieren. Parallel zum Rückzug der Hersteller verschwindet auch die Infrastruktur. Gab es Anfang der 2000er-Jahre noch einen Ausbau, sinkt die Zahl der CNG-Tankstellen seit Jahren kontinuierlich. Anfang 2025 lag sie nur noch bei rund 650 bis 800 Stationen in Deutschland – Tendenz weiter fallend. Für Halter wird der Betrieb damit zunehmend kompliziert. Hinzu kommt ein technisches Problem: Die Tanks von Erdgasfahrzeugen müssen nach spätestens 20 Jahren ersetzt werden. Sind Ersatzteile nicht verfügbar oder zu teuer, kann das wirtschaftlich das Aus für das Fahrzeug bedeuten. LPG: Günstig, verfügbar – aber trotzdem Nische Anders sieht es bei Autogas aus. Die Infrastruktur ist stabil: Zwischen 6.000 und 7.000 Tankstellen bieten in Deutschland LPG an, europaweit sind es rund 48.000. Die Versorgung ist noch über viele Jahre sichergestellt, heißt es. Auch technisch ist der Einstieg einfacher, weil viele Fahrzeuge bivalent ausgelegt sind. Das heißt: Sie besitzen zusätzlich einen Benzintank. Der Bestand an LPG-Fahrzeugen hat seinen Höhepunkt dennoch bereits überschritten. 2015 waren rund 500.000 Autos mit Autogas unterwegs, heute sind es noch etwa 320.000. Jährlich kommen rund 14.000 Neuwagen hinzu, zudem gibt es Umrüstungen bestehender Fahrzeuge. Der Marktanteil liegt bei rund 0,5 Prozent. Wichtigster Akteur ist Dacia: Die Renault-Tochter bietet viele ihrer günstigen Modelle mit LPG-Option an. Grund hier: Das Flüssiggas hilft dem Hersteller dabei, seine CO2-Ziele zu erfüllen. Der Kraftstoffpreis bleibt ein Argument für LPG. Autogas kostet derzeit etwa 1,10 Euro pro Liter und liegt damit deutlich unter Benzin. Allerdings ist der Vorteil kleiner geworden: Noch 2019 lag der Preis bei rund 50 Cent. Grund ist vor allem der schrittweise Abbau der Steuervergünstigung sowie steigende CO2-Abgaben. Umweltbilanz: Besser als Benzin, aber nicht emissionsfrei Unter Umweltgesichtspunkten schneiden Gasfahrzeuge besser ab als klassische Benziner. Erdgas kann den CO2-Ausstoß um bis zu 25 Prozent reduzieren, Autogas um etwa zehn Prozent, mit elektrischer Unterstützung auch mehr. Auch Schadstoffe wie Stickoxide fallen deutlich geringer aus. Dennoch bleibt der Antrieb fossil. Emissionsfrei ist er nicht – und genau das wird im Zuge der Klimapolitik zunehmend zum Problem. Kann man Autos auf Gasantrieb umrüsten? Das ist in einigen Fällen möglich, lohnt sich aber nicht immer: Der Umbau kostet je nach Fahrzeug zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Hinzu kommen regelmäßige Prüfungen der Anlage sowie zusätzliche Wartungskosten. Auch im Alltag gibt es Einschränkungen: Der Gastank benötigt Platz, meist im Bereich der Reserveradmulde. Zudem liegt der Verbrauch bei LPG aufgrund der geringeren Energiedichte um bis zu 20 Prozent über dem eines Benziners.
