Mercedes EQS Facelift: Wenig Retuschen, dafür Lenk- und Laderevolution
Mit dem EQS wollte Mercedes zahlungskräftige Kunden für die E-Mobilität gewinnen, doch der große Erfolg blieb aus. Ein umfassendes Update soll nun Schwächen korrigieren. Nach der S-Klasse ist jetzt der elektrische Gegenpart an der Reihe: Mercedes überarbeitet den EQS. Auf den ersten Blick bleibt vieles beim Alten: die sehr runde Silhouette, das Grundlayout im Innenraum und das große Bildschirmband auf dem Armaturenträger. Doch unter dem Blech hat sich einiges getan. Mehr als ein Viertel der Funktionen wurde laut Mercedes neu entwickelt, überarbeitet oder verfeinert. Der Schritt kommt zur rechten Zeit. Denn der EQS hat sich trotz technischer Stärken bislang schwergetan. Die Zulassungszahlen sind zuletzt deutlich gesunken. Wurden in Deutschland im Jahr 2023 immerhin 2.962 EQS zugelassen, waren es 2025 nur noch 1.307 Exemplare. In Zeiten des rasanten Fortschritts bei E-Autos und wachsender Konkurrenz hat es der EQS schwer. Nicht unbedeutend dürfte auch der Look des mehr als 100.000 Euro teuren Luxusgefährts sein: Das verbrauchsoptimierte, aber gleichzeitig rundgelutscht wirkende Design trifft nicht jeden Geschmack, im Innenraum fehlt manchen die gewohnte Großzügigkeit einer klassischen S-Klasse. Und die Bedienung über den zentralen Touchscreen verlangt im Alltag mehr Aufmerksamkeit, als man ihr eigentlich zugestehen möchte. Schneller laden und eine Revolution beim Lenken Optisch tut sich tatsächlich recht wenig. Ein beleuchteter Stern, eine neu gestaltete Kühlerverkleidung und neue Beleuchtung sollen den EQS moderner wirken lassen. Tiefgreifender ist das Technik-Update. Der EQS bekommt eine neue Elektroarchitektur mit 800-Volt-System, überarbeiteten Antriebseinheiten und größeren Batterien. Das zahlt direkt auf die Reichweite ein: Bis zu 926 Kilometer nach WLTP sollen nun möglich sein, also rund 13 Prozent mehr als bisher. Auch beim Laden legt der EQS zu, mit Leistungen von bis zu 350 kW. So ist der Akku in weniger als einer halben Stunde wieder zu 80 Prozent gefüllt; in zehn Minuten sollen sich im Idealfall 320 Kilometer nachladen lassen. Neu ist außerdem ein Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Es soll die bekannte Herausforderung der Elektromobilität – kräftige Beschleunigung bei gleichzeitig hoher Effizienz auf der Langstrecke – besser ausbalancieren. Eine Technik, die Mercedes bereits in anderen Baureihen wie dem CLA eingeführt hat und nun in die Oberklasse trägt. Besonders weit geht Mercedes bei der Lenkung . Als erster deutscher Hersteller bringt die Marke ein Steer-by-Wire-System in ein Serienauto. Die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern entfällt, stattdessen werden die Lenkbefehle elektronisch übertragen. Das soll Rangieren erleichtern und mehr Spielraum bei der Abstimmung schaffen, verändert aber auch das gewohnte Lenkgefühl grundlegend. Mehr Software, mehr Komfort im Fond Parallel rückt die Software stärker in den Mittelpunkt. Mit dem neuen Betriebssystem MB.OS wird der EQS zu einer Art rollendem Rechner, der Funktionen zentral steuert und regelmäßig aktualisiert werden kann. Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, sich an Nutzergewohnheiten anzupassen. Am Bedienkonzept selbst ändert sich allerdings wenig. Der Hyperscreen bleibt das prägende Element im Cockpit, das grundlegende Layout des Instrumententrägers ändert sich nicht. Während vorn also vieles vertraut bleibt, richtet sich der Blick stärker nach hinten. Der Fond wird weiter aufgewertet – mit größeren Displays, neuen Bedienmöglichkeiten und Funktionen bis hin zu Videokonferenzen während der Fahrt. Dazu kommen Komfortdetails wie eine Gurtheizung, die man bislang aus der S-Klasse kennt , sowie eine weiterentwickelte Luftfederung. Deren Dämpferregelung greift auf Cloud-Daten im Internet zurück und soll sich frühzeitig an Unebenheiten anpassen können, heißt es. Gebaut wird die Limousine weiterhin in Sindelfingen – dort, wo auch die S-Klasse entsteht. In der Factory 56 laufen beide Modelle gemeinsam vom Band, unabhängig davon, ob sie mit Batterie oder Verbrennungsmotor unterwegs sein werden. Mindestens 94.403 Euro werden für den neuen EQS fällig.
