Fall Fabian aus Güstrow: Anklage – das steht in Anklageschrift gegen Gina H
Im Fall Fabian aus Güstrow steht Gina H. wegen Mordes vor Gericht. Was genau der 30-Jährigen vorgeworfen wird und welche Fragen offen sind. Am Dienstag (28. April) beginnt mit dem Prozess im Mordfall Fabian vor dem Rostocker Landgericht die juristische Aufarbeitung eines der aufsehenerregendsten Kriminalfälle des vergangenen Jahres. Entsprechend groß ist das Interesse vor Ort: Dutzende Medienvertreter und Zuschauer werden erwartet. Im Gericht gelten spezielle Sicherheitsvorkehrungen: Es gibt Einlasskontrollen, gleich vier Justizangestellte überwachen das Verfahren, Zuschauer müssen ihre Handys ausschalten und Medienvertreter dürfen Fotos vor dem Beginn des Prozesses nur in einem gesondert markierten Bereich machen. Die Tat hatte im vergangenen Jahr bundesweit Entsetzen ausgelöst: Am 10. Oktober verschwand der achtjährige Fabian aus Güstrow spurlos. Vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel im rund 15 Kilometer entfernten Klein Upahl entdeckt. Anfang November nahmen die Ermittler Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, in Untersuchungshaft. Anfang März wurde Anklage erhoben. Für sie gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Mordfall vor Gericht: Fall Fabian aus Güstrow - was bisher bekannt ist Mit sechs Messerstichen: Gina H. - Angeklagte im Fall Fabian aus Güstrow Mordfall Fabian: Anklage wird im Prozess verlesen Medienberichten zufolge soll die Anklageschrift 63 Seiten lang sein. Komplett verlesen wird sie, wie in Strafverfahren üblich, zum Prozessauftakt am 28. April. Doch einige Details hat die Staatsanwaltschaft bereits im Vorhinein kommuniziert. So soll Gina H. am Morgen des 10. Oktober 2025 die Wohnung aufgesucht haben, in der Fabian und seine Mutter lebten. Fabian war nicht in der Schule, weil er sich nicht gut fühlte. Seine Mutter war auf der Arbeit. Gina H. soll "den ihr gut bekannten achtjährigen Jungen unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt haben", teilte die Staatsanwaltschaft mit . Um was für einen Vorwand es ging, wurde nicht mitgeteilt. Nach t-online-Informationen mochte Fabian Gina H., hatte ein Vertrauensverhältnis zu der 30-Jährigen. Anklageschrift im Fall Fabian – was bisher bekannt ist Anschließend, so die Staatsanwaltschaft, soll sie mit dem Jungen in ihrem Auto, einem orangefarbenen Ford Pick-up, nach Klein Upahl gefahren sein. Die Fahrt dürfte laut Daten von Google Maps eine gute Viertelstunde gedauert haben. Der Tümpel, zu dem Gina H. den Achtjährigen gefahren haben soll, liegt außerhalb des Dorfkerns und ist je nach Wetterbedingungen nur mit Allradantrieb zu erreichen. Passanten verlieren sich dort selten hin. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollen Gina H. und Fabian ausgestiegen und zu dem verdeckt gelegenen Tümpel gelaufen sein. "Dort soll sie den Jungen, wie von ihr alleine geplant und durchgeführt, mittels mindestens sechs Messerstiche im Bereich des Oberkörpers getötet haben", so die Staatsanwaltschaft. Um die Spuren der Tat zu beseitigen, soll sie den Leichnam später mithilfe von Brandbeschleuniger angezündet haben, laut "Spiegel" konkret mit Grillanzünder. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, Gina H. habe Fabian "heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen" ermordet. Das ist das völlig Verrückte an dem Fall: Anwalt von Gina H. äußert sich im Fall Fabian Fabian aus Güstrow: Tatwaffe bis heute nicht gefunden Doch ein zentrales Beweismittel fehlt bis heute: das Messer und damit die Tatwaffe. Welche konkreten Beweise die Staatsanwaltschaft sammeln konnte, blieb bislang unklar – das dürfte sich mit der Verlesung der kompletten Anklageschrift ändern. Dem "Spiegel" zufolge sollen an Fasern aus dem Auto der Angeklagten Spuren gefunden worden sein, die belegen sollen, dass Fabian im Fahrzeug saß. Außerdem dürften Zeugenaussagen im Prozess eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur Fabians Eltern werden aussagen. Insgesamt sollen rund 60 Zeugen gehört werden, wie die "Bild"-Zeitung berichtete. Nach t-online-Informationen sollen sich im Laufe des Ermittlungsverfahrens zwei Männer bei der Polizei gemeldet und angegeben haben, von Gina H. nachts zu Fabians Leiche geführt worden zu sein, und zwar bereits vor dem offiziellen Auffinden am 14. Oktober. Auch für die Aussagen dieser beiden Männer dürfte sich das Gericht interessieren. Ein mögliches Motiv für die Tat liegt nach wie vor im Dunkeln. Gina H. nahm vor dem Prozess konsequent ihr Schweigerecht in Anspruch. Ob sich das im Laufe des Verfahrens, für das insgesamt 17 Prozesstage bis Anfang Juli angesetzt sind, ändern wird, ist fraglich. Nach t-online-Informationen gilt ein Geständnis als nahezu ausgeschlossen. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht der 30-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe. Sollte ihre Schuld jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen werden können, bleibt dem Gericht nur eine Möglichkeit: Freispruch.
