Julia Ruhs' neue BR-Sendung: Erste Reaktionen mit klarer Tendenz
Julia Ruhs feiert ihr Comeback bei "Klar". In der neuen Sendung beleuchtet sie die Bedrohungslage durch den Islamismus in Deutschland. Mit neuen Erkenntnissen? Es gibt leichtere Themen, mit denen sich nach massiver Kritik die Rückkehr beim Reportageformat "Klar" feiern ließe. Aber Julia Ruhs entscheidet sich in ihrer ersten Sendung für das Thema "Wo Islamisten Deutschland unterwandern". Man wolle der Frage nachgehen, ob der Staat den Einfluss von religiösem Fundamentalismus ausreichend im Blick habe, heißt es vom zuständigen Bayerischen Rundfunk (BR). Das Fazit formuliert Julia Ruhs am Ende der rund 30-minütigen Sendung so: "Die Gefahr von Islamisten beginnt nicht erst mit Gewalttaten, sondern dann, wenn sich ihre Ideologie schrittweise in der Gesellschaft verbreitet und beginnt, demokratische Werte zu untergraben." Dies, so Ruhs, könne unsere Gesellschaft destabilisieren. Die 32 Jahre alte Journalistin beginnt und schließt ihre Reportage mit dem Anschlag in München vom 13. Februar 2025. Damals fuhr ein Afghane mit seinem Auto gezielt in eine Menschenmenge. Eine Mutter und ihr zweijähriges Kind starben, etwa 40 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Ruhs besucht den Gerichtsprozess in München, in dem es heißt, der Täter habe "aus einer übersteigerten religiösen Motivation heraus" gehandelt. Der München-Attentäter habe sich "demnach wohl in Deutschland radikalisiert", so Ruhs. "Mit unserer Demokratie nicht vereinbar" Es ist ein Pfad, dem die Journalistin folgt – oder wie sie es selbst aus dem Off kommentiert: Sie begebe sich auf "Spurensuche". Denn genau das wolle sie herausfinden: Ob diese Art religiöser Propaganda in Deutschland Platz findet. Berlin-Neukölln, Herrmannplatz: Hier trifft Julia Ruhs die Muslima und Islamismus-Expertin Gülden Hennemann. Der Herrmannplatz sei eine "Trennlinie geworden" zwischen den demokratisch geprägten Gegenden und jenen, in denen "Personenkreise" und "Ideologien" dominieren, die "mit unserer Demokratie nicht vereinbar sind". Julia Ruhs: Wie der NDR die Moderatorin absägte Journalistin Ruhs: "Ich stehe zu meinen früheren Aussagen" "Tiefpunkt in der Berichterstattung": ARD-Format sorgt für Kontroversen Anschließend versucht Ruhs, Anzeichen für islamistisches Gedankengut in Deutschland zu sammeln: Schüler, die in Neukölln zur Fastenzeit ihre Brote nicht essen können, weil sie von Muslimen eingeschüchtert werden. Bücher mit fragwürdigem Demokratieverständnis, die es in Neukölln zu kaufen gibt. Kleidungsstücke, die mit Symbolen bedruckt sind, die Erinnerungen an den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 wecken. Junge Männer auf den Straßen Berlins, die die Scharia, also islamisches Recht, über das deutsche Grundgesetz stellen. Sogenannte "TikTok-Islamisten" werden vorgestellt und vor laufenden Kameras auf der Straße konfrontiert. Doch das Treffen mit einem dieser Influencer endet ohne Erkenntnisgewinn. Auch als Julia Ruhs einen ganzen Einkaufswagen voller Lebensmittel aus Supermärkten präsentiert, die teilweise von Organisationen als "halal" zertifiziert werden, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, bleibt die Sendung die Antwort schuldig, was das mit der Recherchethese zu tun hat. Die Geschichte eines Realschullehrers aus Bonn , der seiner Klasse Karikaturen von "Charlie Hebdo" zeigte und am nächsten Tag eine Drohung auf seiner Schultafel vorfand, ist da schon eindrücklicher. Rolf Haßelkus beschreibt, wie geschockt er von dem Satz "Auch dich kriegt der IS" war: "Das hat mir zu denken gegeben und das machte mir auch Angst." Auch eine Muslima wird begleitet, die sich von ihrem fundamental geprägten Ehemann trennen will und massiv bedroht wird. Sie wird in der Sendung unkenntlich gemacht, erzählt anonym die Geschichte, wie sie vor einigen Jahren nach Deutschland kam und mit einem Mann verkuppelt wurde. Als sie schwanger wurde, trat er ihr in den Bauch. Sie wollte die Trennung, er warnte sie: Es werde "Fürchterliches" passieren, wenn sie dies tue. Trotz Todesdrohungen sei der Mann bis heute nicht abgeschoben worden, berichtet "Klar". "Wegen solcher Menschen werde ich gehasst" Die Islamismus-Expertin Gülden Hennemann sagt am Ende der Sendung, es bräuchte "einen sehr ehrlichen, offenen Diskurs". Nur so könne "erstritten werden, wie wir eigentlich leben wollen". Und Erhan Er, ein Überlebender des Anschlags in München, urteilt über den Attentäter: "Wegen solcher Menschen werde ich gehasst." Er sei selbst Muslim und der Meinung, "Religion dürfe nichts mit Terror zu tun haben". Neu mag diese Erkenntnis nicht sein, aber "Klar" schafft es mit der Auswahl der Protagonisten, den Blick auf die Problemlage zu weiten. Ob das dezidiert konservative Format, das "Fehlentwicklungen in der Gesellschaft" dokumentieren will, damit auf die eigene Zielgruppe einzahlt? Die ersten Reaktionen unter der bei YouTube veröffentlichten Folge sind überwiegend positiv: "Klasse, dass es das Thema so klar in den ÖRR schafft. Danke an das gesamte Team", heißt es etwa in den Kommentaren. Und ein User ergänzt: "Wow, dass sich der BR traut, die Wahrheit auszusprechen und sogar einen Bericht darüber macht. Top!" Auch auf X wird Julia Ruhs von ihren Fans für "den Mut und die Klarheit" gefeiert. Am Mittwochabend wird die Sendung erstmals im linearen Fernsehen ausgestrahlt: Der Bayerische Rundfunk zeigt die "Klar"-Ausgabe um 22 Uhr. Große Quotensprünge sind nicht zu erwarten. Der Wirbel aus dem Vorjahr, als Julia Ruhs in ihrer Auftaktsendung über Gewaltprobleme als Folge von Migration berichtete, hat sich gelegt. Bei dieser Art Sendung dürfte dies auch vorerst so bleiben. Oder wie es der Medienkritiker Stefan Niggemeier in der "Süddeutschen Zeitung" formuliert: "Wenn es die Vorgeschichte der Sendung mit der grotesken Aufregung nicht gegeben hätte – jede Wette, diese 30 Minuten würden sich versenden wie so viele andere Dokumentationen".
