Formel 1: Alessandro Zanardi gestorben – Sportwelt trauert um Pilot
Alessandro Zanardi war viel mehr als nur Sportler. Der Italiener steckte schlimmste Rückschläge weg und blieb doch vor fast nichts verschont. Den früheren Formel-1-Piloten und späteren Paralympics-Sieger Alessandro Zanardi umgab eine besondere Aura. Er verströmte ein gutes Gefühl, blieb auch in schwersten Situationen optimistisch. Er wurde ein von fast unerträglichem Leid geplagtes Sinnbild des Nicht-Aufgeben-Wollens. "Keine Grenzen – Unmöglich ist nur ein Wort", lautete der Titel einer Dokumentation über Zanardi. Nun ist Alex – wie ihn die meisten nannten – Zanardi tot. Mit nur 59 Jahren . Von einem schweren Unfall mit einem Handbike 2020 hatte sich der Italiener nicht mehr erholt. Die Motorsport- und die gesamte Sportwelt trauern um eine große Persönlichkeit und Inspiration für viele Menschen. "Ein Held größten Kalibers", schrieb die Formel 1 in einer Huldigung. Zanardis "Vermächtnis bleibt ungebrochen" "Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte", sagte Zanardi-Landsmann und Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, nachdem Zanardis Familie den plötzlichen Tod am 1. Mai bekannt gegeben hatte: "Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen." Der deutsche Autobauer BMW , für den Zanardi häufiger fuhr und auch als Markenbotschafter unterwegs war, erklärte: "Alex war ein wundervoller Mensch, unerschütterlicher Optimist und eine Inspiration für viele Menschen weltweit." Italiens Politik zeigte sich ebenfalls tief betroffen, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Zanardi als "außergewöhnlichen Menschen, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte". Auch die großen Fußballklubs wie Inter Mailand oder Juventus Turin ehrten den großen Sportler in den sozialen Netzwerken. Die "Gazzetta dello Sport" schrieb: "Der Rennfahrer und Paralympionike, der Italien gelehrt hat, niemals aufzugeben." Unfall auf dem Lausitzring Die Formel 1 traf die Todes-Nachricht in der Nacht in Miami. Dort stehen am heutigen Samstag das Sprintrennen und die Qualifikation an. Zanardi, wie der aktuelle Spitzenreiter Kimi Antonelli aus Bologna, absolvierte in der Schlussphase der Saison 1991 sein erstes von über 40 Formel-1-Rennen. Nach dem vorläufigen Ende in der Motorsport-Königsklasse nach der Saison 1994 kehrte er 1999 für ein Jahr zurück. Teamkollege damals: Ralf Schumacher , der mittlerweile als TV-Experte im Einsatz ist. Dann die Bilder, die für Entsetzen sorgten. Zanardis grauenvoller Unfall in der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring. Es war der 15. September 2001. Ein Horrorcrash. Der Italiener hatte sich mit seinem Wagen gedreht, ein Konkurrent krachte in das Auto. Den Unfall überlebt zu haben, grenzte an ein Wunder. Im Helikopter auf dem Weg zum Notfallkrankenhaus in Berlin musste Zanardi siebenmal wiederbelebt werden. Er hatte zwar sehr viel Blut verloren, aber Zanardi überlebte. Allerdings mussten ihm beide Beine amputiert werden. Davon ließ er sich jedoch nicht aufhalten und kehrte nach einer langen Reha sogar zurück in den Rennsport. Nur zwei Jahre nach dem Unfall vom Lausitzring saß Zanardi wieder im Cockpit eines Rennwagens – umgebaut für seine Bedürfnisse. Vier Siege feierte er bei den Deutschen Tourenwagen-Masters. Doch damit nicht genug, Zanardi startete bei den Paralympics 2012 und 2016 und holte Gold mit dem Handbike. Dazwischen machte er einen Ausflug nach Hawaii und finishte 2014 und 2015 bei der Ironman-WM. "Alex ist friedlich eingeschlafen" 2019 trat Zanardi, der Unermüdliche und Unbeugsame, bei den legendären 24 Stunden von Daytona an, einem der großen Klassiker des Motorsports. Und dann erwischte es Zanardi wieder – nicht im Auto. Auf einer abschüssigen Straße bei Pienza soll er mit seinem Handbike auf die Gegenseite geraten und mit einem Lkw kollidiert sein. Der nächste schreckliche Unfall hatte wieder schwere Folgen. Von einer "heiklen neurochirurgischen Operation" sprachen die Ärzte damals im Juni 2020. Im Jahr darauf sagte seine Frau, dass er mit ihnen kommunizieren könne, aber nicht in der Lage sei zu sprechen. Er habe aber noch viel Kraft in den Armen und Händen. Bis zum 1. Mai 2026. "Alex ist friedlich eingeschlafen, umgeben von der Zuneigung seiner Angehörigen", erklärte die Familie in ihrer Mitteilung.
