Chery bringt Omoda und Jaecoo nach Deutschland – Marktstart, Modelle
Zwei neue Marken, zwei SUVs, ein Plan: Der chinesische Chery-Konzern startet in Deutschland. Wie sich die Marken hierzulande behaupten sollen. Der deutsche Automarkt ist in Bewegung geraten – und das schneller, als viele erwartet hätten. Chinesische Hersteller gewinnen zunehmend an Bedeutung, ihr Anteil an den Neuzulassungen steigt, wenn auch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gleichzeitig wird aber klar, dass sich dieser Markt nicht einfach erobern lässt: Viele Marken drängen nach Europa, doch am Ende werden wohl nur wenige übrig bleiben. In genau dieser Phase treten nun Omoda und Jaecoo an. Zwei neue Namen und vorerst zwei neue SUVs. Doch wer dahintersteckt, ist ein etablierter Player in der Branche. Ein Konzern mit klarer Struktur im Hintergrund Hinter beiden Marken steht der Chery-Konzern, gegründet 1997 und seit Jahren einer der größten Autoexporteure Chinas. Während andere Hersteller früh nach Europa gegangen sind, hat sich Chery bewusst Zeit gelassen und zunächst Erfahrungen in anderen Märkten gesammelt. Zunächst in Südamerika, dann aber auch in Südafrika oder Australien . Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern 2,8 Millionen Autos, in Europa wurden bereits acht Tochtergesellschaften gegründet. In Großbritannien stieg der Marktanteil innerhalb eines Jahres von null auf 2,4 Prozent. Im Januar und Mai war der Jaecoo 7 das meistverkaufte Auto auf der Insel. Auch in Spanien (2,1 Prozent) oder Polen (2,5) hat der Chery-Konzern in weniger als zwei Jahren beachtliche Marktanteile erreicht. Nun soll auch der Einstieg in Deutschland folgen. Der Markt gilt angesichts etablierter Marken als schwierig. Statt eines schnellen Rollouts setzt das Unternehmen deshalb auf einen strukturierten Aufbau. Ein zentrales Element dabei ist das Händlernetz: Bereits in der Startphase sollen rund 40 Standorte entstehen, bis zum Jahresende etwa 100. Langfristig ist ein Netz von bis zu 240 Betrieben geplant. Der Anspruch dahinter ist klar formuliert: Kunden sollen in der Regel nicht länger als 20 bis 30 Minuten bis zum nächsten Ansprechpartner unterwegs sein müssen. Parallel dazu wird die Infrastruktur im Hintergrund aufgebaut. Ersatzteile sollen über ein zentrales Lager in Deutschland sowie über europäische Partner verteilt werden, die Verfügbarkeit liegt laut Hersteller bei rund 99 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Viele Teile sollen innerhalb von 24 Stunden verfügbar sein, ohne dass Kunden lange auf Reparaturen warten müssen. Lokale Teams, klare Verantwortung Auffällig ist dabei, wie stark der Fokus auf lokale Strukturen gelegt wird. Viele der Verantwortlichen kommen aus Europa, bringen Erfahrung mit etablierten Marken mit und gestalten den Markteintritt aus der Perspektive des hiesigen Marktes. Auch die Logistikpartner kennen den Markt und seine Herausforderungen vor Ort. Der Eindruck von der Fahrveranstaltung in Berlin bestätigt das: Die Abläufe sind klar strukturiert, die Organisation wirkt routiniert, und vieles erinnert eher an etablierte Hersteller als an einen Neueinsteiger. Start mit Plug-in-Hybriden statt reinen E-Autos Auch bei der Antriebstechnik zeigt sich dieser pragmatische Ansatz. Obwohl Chery auf der IAA im Herbst 2025 noch mehrere rein elektrische Modelle präsentiert hatte, startet man in Deutschland zunächst mit Plug-in-Hybriden. In Europa, aber besonders in Deutschland, sind diese Antriebe weiterhin stark gefragt. Sie ermöglichen elektrisches Fahren im Alltag und bieten gleichzeitig Reichweiten von über 1.000 Kilometern. Die Marke hört auf die Kundenbedürfnisse, statt ihnen etwas vorzusetzen – hier haben Omoda und Jaecoo den Vorteil, dass Chery sowohl herkömmliche als auch elektrische Antriebe seit Jahren im Portfolio hat. Anpassung bis ins Detail Dass dieser Ansatz der Anpassung nicht nur auf strategischer Ebene verfolgt wird, zeigt sich auch im Innenraum der Fahrzeuge. So wurden beim Jaecoo 7 für den deutschen Markt beispielsweise zusätzliche physische Bedienelemente integriert, nachdem sich gezeigt hatte, dass rein touchscreenbasierte Konzepte bei europäischen Kunden nicht immer gut ankommen. Fensterheber und die Spiegelverstellung sind klassisch über Knöpfe bedienbar, was den Alltag erleichtert. Omoda 9 und Jaecoo 7: Zwei Modelle, zwei Ansätze Wie sich diese Strategie konkret anfühlt, zeigt sich bei den beiden Modellen, mit denen Omoda und Jaecoo in Deutschland starten. Jaecoo 7: Das Volumenmodell Mit 4,50 Metern Länge positioniert er sich im klassischen Kompakt-SUV-Segment und richtet sich entsprechend an eine breite Zielgruppe. Der Plug-in-Hybridantrieb leistet rund 279 PS und ermöglicht in Kombination mit einem rund 60 Liter großen Tank eine Gesamtreichweite von bis zu 1.200 Kilometern. Im Alltag fällt vor allem auf, dass der Wagen einen Großteil der Zeit elektrisch unterwegs ist, sodass das Fahrgefühl eher an ein Elektroauto erinnert als an einen klassischen Hybrid. Der Innenraum wirkt ordentlich verarbeitet (einzelne Elemente wie die im Geländelook gestalteten Tür-Innengriffe sind Geschmackssache), bietet ausreichend Platz und setzt auf ein stark digital geprägtes Bedienkonzept. Gleichzeitig zeigen sich im Detail kleinere Schwächen, etwa bei der Abstimmung des recht harten Fahrwerks. Insgesamt entsteht der Eindruck eines soliden Alltagsautos, das vor allem über sein Antriebskonzept und seine Reichweite überzeugt – und seinen Preis ab 36.900 Euro. Die Topausstattung kratzt immer noch unter der 40.000-Euro-Marke – ein klares Kaufargument. Omoda 9: Mehr Leistung, mehr Anspruch Der Omoda 9 setzt darüber an – preislich, qualitativ und bei der Leistung – und fungiert als Aushängeschild. Mit knapp 4,80 Metern Länge, einer Systemleistung von 537 PS und einer rein elektrischen Reichweite von rund 145 Kilometern richtet er sich klar an Kunden mit höheren Ansprüchen. Im Innenraum zeigt sich deutlich, dass hier mehr Aufwand betrieben wurde. Materialien und Verarbeitung bewegen sich auf einem Niveau, das sich kaum noch von europäischen Herstellern unterscheidet, zumindest auf den ersten Blick. Details wie die Mittelkonsole oder die Gestaltung der Oberflächen wirken sauber umgesetzt und hochwertig. Gleichzeitig zeigt sich auch hier, dass nicht jedes Detail perfekt ist. Türablagen ohne Polsterung oder einfachere Kunststoffe in weniger sichtbaren Bereichen fallen in dieser Preisklasse stärker ins Gewicht. Auf der Straße überzeugt der Omoda mit einem komfortabel abgestimmten Fahrwerk. Der Hybridantrieb arbeitet auch hier überwiegend elektrisch und bietet ein gleichmäßiges, unaufgeregtes Fahrerlebnis. Der Preis: ab 52.900 Euro. Ein Markt mit hohen Anforderungen Die Ausgangslage für neue Marken bleibt in Deutschland jedoch anspruchsvoll. Zwar gewinnen chinesische Hersteller zunehmend Marktanteile, doch der Wettbewerb ist intensiv. Im Straßenbild sind chinesische Marken noch recht selten. Von den 49,5 Millionen Autos, die hierzulande am 1. Januar zugelassen waren, stellen sie nur 131.000 – das entspricht einem Anteil von etwa 0,26 Prozent. Was auch bremst, sind zwar die seit 2024 geltenden EU-Zusatzzölle auf E-Autos aus China . Bislang scheinen sie den Vormarsch chinesischer Marken in Europa aber nicht gestoppt zu haben. Zugleich treiben einige Hersteller ihre Produktion in Europa voran. Ein Trend, den auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer beobachtet. "Die Dominanz von China wird in den nächsten Jahren 'exportiert' werden", schreibt er in einer aktuellen Studie. "Es ist ein ähnliches Modell, wie das der Japaner vor 50 Jahren oder der Deutschen vor 70 Jahren." Experten gehen davon aus, dass sich der Markt mittelfristig konsolidieren wird und nur wenige Anbieter dauerhaft erfolgreich sein können. Entscheidend ist dabei nicht nur das Produkt, sondern vor allem die Fähigkeit, ein funktionierendes Vertriebs- und Servicenetz aufzubauen. Marken mit reinem Direktvertrieb haben bislang Schwierigkeiten. Nio setzt stark auf eigene Vertriebskonzepte ohne klassisches Händlernetz, stößt damit in Deutschland jedoch an Grenzen, weil viele Kunden weiterhin Wert auf persönliche Ansprechpartner und Werkstattnähe legen. Im Januar verkaufte Nio nur ein Auto in Deutschland . Gleichzeitig wächst der Druck durch andere chinesische Hersteller weiter. BYD etwa baut sein Händlernetz in Deutschland massiv aus und plant, noch in diesem Jahr mehrere hundert Standorte zu eröffnen. Auch MG hat sich bereits früh positioniert und profitiert von einem vergleichsweise dichten Netz an Partnerbetrieben. Leapmotor kooperiert mit Stellantis und ist mit seinen Modellen mittlerweile in Autohäusern von Citroën und Co. zu finden. Fazit Mit Omoda und Jaecoo betritt absehbar kein weiterer kurzfristiger Herausforderer den deutschen Markt, sondern ein Hersteller, der sich offensichtlich intensiv mit den Anforderungen auseinandergesetzt hat. Die Kombination aus lokalen Teams, wachsendem Händlernetz und angepassten Produkten zeigt, dass hier mehr dahintersteckt als ein schneller Markteintritt. Die Fahrzeuge selbst machen deutlich, wie weit die Entwicklung inzwischen ist. In vielen Bereichen bewegen sie sich auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz oder liegen sogar darüber, wie beim Plug-in-Hybrid-System – auch wenn im Detail noch nicht alles perfekt wirkt. Vor allem locken die Chinesen mit Preisen, die auch Flottenkunden interessieren dürften. Entscheidend wird am Ende jedoch sein, ob es gelingt, Vertrauen aufzubauen und die eigene Präsenz im Markt dauerhaft zu verankern. Denn genau daran entscheidet sich, wer bleibt und wer wieder verschwindet.
