Fehlermeldung

Deprecated function: Array and string offset access syntax with curly braces is deprecated in include_once() (line 20 of /mnt/web715/a0/94/5496894/htdocs/automotivemedia-cms/includes/file.phar.inc).

Heilstätte Grabowsee: Diesen Lost Place können Sie legal erkunden

Nordöstlich von Oranienburg liegt ein verfallenes Klinikgelände im Kiefernwald direkt am See. Die Heilstätte Grabowsee lässt sich legal erkunden. Lost Places (auf Deutsch: aufgegebene/verlassene Orte) sind für viele Menschen faszinierend. Sie erzählen Geschichten aus längst vergangenen Tagen und von menschlichen Schicksalen, an die sich heute kaum noch jemand erinnert. Meistens sind solche Orte aber nicht begehbar, zumindest nicht legal. Wer dennoch Warnungen, Schilder und Zäune ignoriert und abgesperrtes Gelände betritt, muss mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen. Doch im Norden Berlins gibt es einen Lost Place, der auf eigene Faust erkundet werden kann – legal und fast ohne Einschränkungen. Die ehemalige Lungenheilstätte Grabowsee liegt nordöstlich von Oranienburg, eingebettet in einen typisch brandenburgischen Kiefernwald, auf einer Seite gesäumt vom namensgebenden See. Wer das Gelände besuchen will, muss sich vorher telefonisch beim Pächter anmelden. Die Handynummer findet man auf der Webseite der Heilstätten. Das Gelände ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut zu erreichen, Interessierte sollten lieber auf das Auto oder das Fahrrad setzen. Die ehemalige Heilstätte liegt praktischerweise am Radfernweg Berlin–Kopenhagen. Einmal angekommen, ruft man den Pächter noch einmal an und bezahlt einen Eintrittspreis von zehn Euro. Wer mit dem Handy oder der Kamera Fotos machen will, muss noch einmal zehn Euro bezahlen. Festes Schuhwerk und Taschenlampe empfohlen Nach einer kleinen Einführung kann man das weitläufige Areal eigenständig erkunden. Alle Gebäude sind mehr oder weniger gut erhalten und begehbar, mit kleineren Einschränkungen. Sogar die tunnelartigen Kellergänge kann man besichtigen. Festes Schuhwerk ist unverzichtbar, da mancherorts Schutt und Scherben liegen. Kinder müssen Helme tragen, die mitgebracht werden müssen (etwa einen Fahrradhelm). Auch an wärmeren Tagen lohnt es sich, eine Jacke mitzunehmen – in den alten Gebäuden kann es kalt werden. Die Kellerräume kann man am besten mit einer Taschenlampe erkunden. Für eine komplette und gründliche Besichtigung der Heilstätte Grabowsee sollte man drei bis vier Stunden einplanen. Neben den ursprünglichen Gebäuden der Heilstätten gibt es auch einige Anlagen der sowjetischen Besatzungsmacht, die das Areal als Militärlazarett genutzt hatte. Am idyllischen Grabowsee kann man eine kleine Pause einlegen, im Sommer kann man hier auch baden. Die Geschichte der Heilstätte Grabowsee Ende des 19. Jahrhunderts wollte das Deutsche Rote Kreuz ausprobieren, ob sich die Luft der märkischen Kiefernwälder auf Lungenkranke ebenso positiv auswirkt wie See- oder Gebirgsluft. Für diesen Test wurde das Gelände der späteren Heilstätte Grabowsee auserkoren, auf dem zunächst einige Baracken errichtet wurden. Das Experiment hatte Erfolg. Den überwiegend an Tuberkulose erkrankten Patienten der Heilstätte Grabowsee bekam das Klima gut und auf dem Gelände entstanden ab 1896 immer mehr Gebäude. Im Jahr 1900 konnten bereits 200 Patienten behandelt werden, kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren es schon 400. Mit dem breiten Einsatz von Antibiotika in den 1940er-Jahren wurden viele Lungenheilstätten nicht mehr als solche benötigt, da die Tuberkulose nun medikamentös behandelt werden konnte. Nach der Nutzung der Heilstätte als Lazarett der sowjetischen Besatzungsmacht kaufte 1992 zunächst ein Finanzunternehmen das Gelände. Seit 2005 gehört es dem Verein Kids Globe e. V., dem auch der Pächter angehört.