USA wüten über Iran-Angebot: Trump sieht sich blamiert
Donald Trump wollte Stärke zeigen. Doch nun wirkt der US-Präsident getrieben: Iran reizt ihn, Israel drängt ihn – und ein Ausweg aus dem Krieg ist nicht in Sicht. Stattdessen droht eine weitere Eskalation. Vor gerade einmal zwei Wochen knöpfte sich Donald Trump Deutschland vor. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte ihm eine fehlende Exit-Strategie im Iran-Krieg attestiert und erklärt, dass Teheran Washington demütigen würde. Der US-Präsident wütete, kündigte den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland an und erhöhte die US-Zölle für Autos aus Europa. Doch nun spricht Trump selbst von einer Demütigung. Trump wollte Teheran mit militärischem Druck an den Verhandlungstisch zwingen. Er wollte die Straße von Hormus wieder öffnen, das iranische Atomprogramm einhegen und am Ende als Dealmaker dastehen. Deutsche Außenpolitik: Immer wieder brennt es Ukraine-Krieg überschattet Parade: Das Blatt hat sich gewendet Doch nun passiert etwas anderes: Iran nimmt Trumps Angebote nicht an, sondern dreht den Spieß um. Die Führung in Teheran stellt eigene Forderungen, verlangt ein Ende der Kämpfe an allen Fronten, die Aufhebung von Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögen – und offenbar sogar Reparationen der USA . Und Trump wütet wieder. "Völlig inakzeptabel", schrieb er auf Truth Social über die iranische Antwort. Zuvor hatte er Teheran vorgeworfen, die USA seit Jahrzehnten hinzuhalten. Der Iran "lacht unser jetzt wieder großartiges Land aus", behauptete Trump. "Ihnen wird das Lachen noch vergehen!" Das klingt nach Drohung. Aber vor allem klingt es nach Ratlosigkeit. Denn Trump findet bislang keinen Ausweg aus einem Krieg, in den er die USA hineingeführt hat. Die Ziele sind unklar, die Kosten steigen, die Munitionsvorräte schwinden. Gleichzeitig merkt Teheran, dass Washington unter Druck steht. Deshalb droht jetzt eine neue Eskalation. Sorge über steigende Energiepreise Der Iran überspannt den Bogen. Teheran verlangt nicht nur Zugeständnisse. Nach Angaben iranischer Staatsmedien blendet das Regime den Streit über das Atomprogramm in seiner Antwort auf das US-Angebot weitgehend aus. Dabei ist genau das der Kern des Konflikts. Israel sieht den Krieg erst dann als beendet an, wenn das angereicherte Uran aus Iran entfernt ist. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Sender CBS, es gebe noch Nuklearmaterial, das aus dem Land geschafft werden müsse. Auf die Frage, wie das geschehen solle, antwortete er: "Man geht hin und holt es heraus." Das ist kein Satz, der nach Deeskalation klingt. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus ein Pulverfass. Über diese Meerenge läuft ein zentraler Teil der weltweiten Energieversorgung. Schon die Unsicherheit treibt die Ölpreise nach oben. Nach Trumps Zurückweisung des iranischen Vorschlags stieg der Preis von Rohöl der Sorte Brent auf rund 105 Dollar je Barrel. Das ist nicht nur ein Problem für die Golfregion. Es ist ein Problem für die Weltwirtschaft – und für den US-Präsidenten selbst. Trotz Waffenruhe: Der wahre Ölschock steht noch aus Kerosinkrise: Flughäfen warnen vor Millionen gestrichener Reisen Denn steigende Energiepreise spüren die Menschen unmittelbar. Auch in den USA. Der Präsident, der Stärke versprochen hat, könnte plötzlich als der Mann dastehen, der einen Krieg ohne klares Ende begonnen und die Preise nach oben getrieben hat. Genau deshalb ist die Lage für ihn so gefährlich. Teheran spielt mit dem Feuer Trump kann allerdings den iranischen Gegenvorschlag kaum akzeptieren. Er würde aussehen wie ein Präsident, der einknickt. Doch unbegrenzt weiterbomben kann er auch nicht, schließlich leert sich zusehends das Arsenal der US-Armee . Der demokratische Senator Mark Kelly warnte bei CBS, es sei "schockierend", wie stark die Bestände dezimiert wurden. Gemeint sind Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs, darunter Tomahawk, ATACMS, SM-3 und Patriot-Systeme. Es werde Jahre dauern, diese Bestände wieder aufzubauen. Kelly ist ein Trump-Kritiker, aber seine Warnung trifft einen wunden Punkt: Ein langer Krieg gegen Iran schwächt nicht nur die USA selbst, sondern auch ihre Fähigkeit, andere Partner zu unterstützen – etwa die Ukraine . Wenn Patriot-Raketen im Nahen Osten gebraucht werden, fehlen sie womöglich anderswo. Auch deshalb wirkt Trumps Lage so vertrackt. Doch der Iran sollte sich nicht täuschen. Gerade eine gedemütigte US-Regierung ist gefährlich, und rein militärisch sind die USA noch immer massiv überlegen. Druck führt zu verhärteten Fronten Trump versuchte in den vergangenen Wochen, eine Drohkulisse aufzubauen. Seine Aussage, die USA würden das angereicherte Uran "irgendwann" bekommen, ist dafür bezeichnend. Das Material stehe unter Beobachtung, sagte er. "Wenn sich jemand dem Ort nähert, werden wir davon erfahren, und wir werden ihn in die Luft jagen." Trump kann derweil aus innenpolitischen Gründen nur schwer eine Bodenoffensive befehlen. Derweil testet Teheran aus, wie weit es angesichts von Trumps Drohungen gehen kann. Drohnen in der Golfregion, Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait, Drohungen gegen Staaten, die US-Sanktionen durchsetzen: All das erhöht den Druck. Iran will zeigen, dass ohne Teheran keine Stabilität in der Region möglich ist. Aber genau darin liegt das Risiko. Je stärker der Iran die Golfstaaten und die Schifffahrt bedroht, desto größer wird der Druck auf Trump, militärisch zu reagieren. Für Trump ist das innenpolitisch besonders heikel. Er hat seinen Anhängern immer versprochen, keine endlosen Kriege zu führen. Nun steckt er selbst in einem Konflikt, der nach genau so einem Krieg aussieht: unklare Ziele, hohe Kosten, brüchige Waffenruhe, wachsende regionale Risiken. Der jüngste US-Vorschlag sollte 30 Tage Verhandlungen ermöglichen. Doch schon der erste iranische Gegenvorschlag hat gereicht, um Trump öffentlich explodieren zu lassen. Das zeigt: Die Diplomatie ist nicht tot. Aber sie ist extrem fragil. Trump hat kaum Optionen Ein Kompromiss müsste beiden Seiten etwas geben. Der Iran bräuchte ein Ende der US-Seeblockade, wirtschaftliche Erleichterungen und Sicherheitsgarantien. Die USA bräuchten Kontrolle über das Atomprogramm, freie Schifffahrt und ein Ende iranischer Angriffe auf Partnerstaaten in der Golfregion. Israel wiederum wird keinen Deal akzeptieren, der Teheran weiter hoch angereichertes Uran überlässt. Diese Interessen sind schwer vereinbar. Die Alternative ist aber: ein Krieg, der sich ausweitet. Genau deshalb ist der aktuelle iranische Kurs riskant. Die Führung in Teheran mag glauben, sie könne Trump vorführen und sich damit für die Tötung von Teilen ihrer Führung rächen. Kurzfristig mag das sogar stimmen. Doch wenn der Iran die Straße von Hormus als Geisel nimmt, die Golfstaaten bedroht und das Atomprogramm aus den Verhandlungen heraushält, dann liefert er Trump die Begründung für den nächsten Schlag – und das könnte auch eine europäische Koalition zur Sicherung der Seewege auf den Plan rufen. Trump braucht möglicherweise genau dieses Szenario, um die eigene Blamage zu überdecken. So entsteht die gefährlichste Dynamik dieses Krieges: Beide Seiten brauchen einen Ausweg, aber beide fürchten, dabei schwach auszusehen. Nicht Stärke treibt diesen Krieg weiter, sondern verletzter Stolz. Trump darf sich als Präsident nicht von Teheran vorführen lassen. Der Iran will nicht als Regime erscheinen, das vor amerikanischem Druck kapituliert. Israel will nicht zulassen, dass Teheran nuklear handlungsfähig wird. Die Golfstaaten wollen Sicherheit für ihre Schiffe und Infrastruktur. Europa will offene Seewege und sinkende Energiepreise. Der US-Präsident steht damit vor einer Wahl, die er bislang vermeiden wollte. Entweder er akzeptiert, dass ein Ende des Krieges nur über schmerzhafte Zugeständnisse möglich ist. Oder er versucht, mit neuen Angriffen zu erzwingen, was die Diplomatie bislang nicht geschafft hat.
