Mercedes-Chef offen für Ausbau von Rüstungsgeschäft
Internationale Krisen, schwache Autoverkäufe: Mercedes-Benz hält eine zusätzliche Verteidigungsproduktion für denkbar. Für den Konzernchef müssen solche Vorhaben aber "wirtschaftlich sinnvoll" sein. Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius ist offen für einen Ausbau des Rüstungsgeschäfts des Autobauers. Dies müsse aber "wirtschaftlich sinnvoll" sein, sagte Källenius dem "Wall Street Journal" nach Angaben des Blattes. "Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist absolut klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss", sagte er. "Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit." Källenius zufolge könnten die Stärken von Mercedes als Großserienhersteller dem Unternehmen helfen, im Bereich der militärischen Ausrüstung direkter tätig zu werden. "Was Automobilhersteller außerordentlich gut können – und wir sind gut darin – ist die Herstellung hochwertiger Präzisionsmaschinen in größeren Stückzahlen", sagte er dem "Wall Street Journal". Källenius prognostizierte nach Angaben des Blattes, dass das Verteidigungsgeschäft im Vergleich zur Herstellung von Pkw und Transportern nur einen geringen Anteil des Geschäfts ausmachen werde. Allerdings "könnte es sich um eine wachsende Nische handeln, die auch zu unseren Geschäftsergebnissen beitragen könnte", sagte er. "Wir werden also sehen." Mercedes-Benz spricht von strategischem Entwicklungsfeld Mercedes-Benz verwies auf Anfrage darauf, das Unternehmen entwickle und produziere grundsätzlich zivile Fahrzeuge. Die Aktivitäten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich seien ein strategisches Entwicklungsfeld, das aktiv und in Kooperation mit Partnern weiter gestaltet werde. "Mit modifizierbaren Fahrzeugen für Sicherheits- und Verteidigungseinsätze stärken wir seit Jahrzehnten die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Europas und der Nato – und sichern gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit und Arbeitsplätze an unseren Standorten", hieß es. Seit vielen Jahren würden auch Fahrgestelle an spezialisierte Firmen geliefert, "die diese in eigener Verantwortung und unter eigener Marke für militärische Anwendungen ausbauen und vermarkten". Autobauer und Zulieferer prüfen einen Einstieg Die deutsche Autoindustrie zeigt angesichts steigender Militärausgaben ein wachsendes Interesse an der Rüstungsbranche. Sowohl Autobauer als auch Zulieferer prüfen einen Einstieg oder planen diesen bereits. Die Absatzschwäche der deutschen Autobranche und der Wandel zur Elektromobilität treffen viele Unternehmen, während die Rüstungsindustrie wegen internationaler Konflikte starke Zuwächse verzeichnet und expandiert. Experten zufolge bieten sich für die kriselnde Auto-Zulieferbranche Chancen in der Rüstungsindustrie, etwa bei der Fertigung von Karosserieteilen, Antriebskomponenten sowie Fahrzeug- und Assistenzsystemen. Es handelt sich also um einen branchenweiten Trend, bei dem Autohersteller und -zulieferer die Rüstungsindustrie als mögliche Diversifizierungsstrategie in Betracht ziehen.
