Fiat 500 Topolino: Kleinwagen von 1936 wird 90
Klein, sparsam und erstaunlich modern: Der Fiat Topolino brachte viele Italiener erstmals auf vier Räder. Selbst Stoßstangen kosteten damals allerdings extra. Vor 90 Jahren stellte Fiat in Turin ein Auto vor, das Italien verändern sollte. Der Fiat 500, später fast nur noch unter seinem Spitznamen "Topolino" bekannt, war klein genug für enge Altstadtgassen, sparsam im Unterhalt und deutlich günstiger als viele damalige Automobile. Für viele Italiener wurde das "Mäuschen", so lautet der Name übersetzt, zum ersten eigenen Auto. Entwickelt wurde der Wagen in einer Zeit, in der Autos in Europa noch überwiegend ein Luxusgut waren. Fiat-Chef Giovanni Agnelli Senior gab Anfang der 1930er-Jahre den Auftrag für ein besonders kompaktes und erschwingliches Modell. Die technische Entwicklung übernahm schließlich der junge Konstrukteur Dante Giacosa, der später zu den prägenden Ingenieuren der Marke werden sollte. 13 PS und ungewöhnliche Technik Im Juni 1936 präsentierte Fiat den neuen 500 der Öffentlichkeit. Der Wagen war nur 3,21 Meter lang und wurde von einem 569-Kubikzentimeter-Vierzylinder mit 13 PS angetrieben. Trotz der überschaubaren Leistung erreichte der Kleinwagen bis zu 85 km/h – genug für Landstraßen und den Alltag der damaligen Zeit. Technisch war der Topolino hinsichtlich mehrerer Punkte ungewöhnlich konstruiert. Um Kosten und Gewicht zu sparen, verzichtete Fiat etwa auf eine Benzinpumpe: Der Kraftstoff floss allein durch die Schwerkraft aus dem höher platzierten Tank zum Motor. Auch eine Wasserpumpe war nicht nötig. Gleichzeitig bot der kleine Fiat für die damalige Zeit moderne Technik wie hydraulische Bremsen, eine Einzelradaufhängung vorn und ein 12-Volt-Bordnetz. An vielen Stellen wurde dennoch gespart. Stoßstangen gehörten anfangs nicht zur Serienausstattung, sondern mussten extra bezahlt werden. Trotzdem entwickelte sich der Fiat 500 schnell zum Verkaufserfolg. Die niedrigen Betriebskosten und die kompakte Bauweise machten ihn besonders in Städten beliebt. Wie der Topolino zu seinem Namen kam Seinen Spitznamen verdankte der Wagen seinem Aussehen. Die rundlichen Formen und die frei stehenden Scheinwerfer erinnerten viele Italiener an die Comicfigur Micky Maus, die in Italien "Topolino" heißt. Ursprünglich waren sogar integrierte Scheinwerfer geplant: Sie erwiesen sich im Alltag aber als zu unpraktisch, weil sich die Lampen nur schwer wechseln ließen. Der kleine Fiat blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg im Programm. 1948 erschien mit dem 500 B eine überarbeitete Version mit stärkerem Motor. Kurz darauf folgte der 500 C mit neu gestalteter Frontpartie und erstmals serienmäßiger Heizung. Besonders gefragt war außerdem der Kombi Giardiniera, der mit seinem Holzaufbau als früher Vorläufer moderner Freizeitkombis galt. Sein Nachfolger wurde zum Kultauto Produziert wurde der Topolino nicht nur in Italien. Lizenzversionen entstanden unter anderem bei Simca in Frankreich , NSU in Deutschland und Steyr-Puch in Österreich . Insgesamt liefen bis 1955 mehrere Hunderttausend Fahrzeuge vom Band. Allein vom 500 C verkaufte Fiat rund 376.000 Exemplare. 1957 erschien schließlich der Nachfolger: der Fiat Nuova 500 mit Heckmotor und Zweizylinder. Auch er wurde schnell zum Symbol italienischer Alltagsmobilität. Jahrzehnte später griff Fiat die Gestaltung erneut auf. Der 2007 präsentierte Retro-500 knüpfte optisch bewusst an die Formen des Nuova 500 an und wurde für die Marke erneut ein großer Erfolg. Heute lebt der Topolino weiter: Seit 2024 verkauft Fiat wieder ein Fahrzeug mit diesem Namen – diesmal allerdings als kleines elektrisches Leichtfahrzeug für den Stadtverkehr.
