E-Autos gebraucht günstig kaufen: Preisverfall und was zu prüfen ist
Der massive Wertverlust von Elektroautos gilt in der Branche als Problem. Doch für Käufer verwandelt er sich gerade in den größten Vorteil: Derzeit gibt es besonders viel moderne Technik für vergleichsweise wenig Geld. Wer ein gebrauchtes Elektroauto sucht, bekommt erstaunlich viel Auto fürs Geld. Nach Daten der Deutschen Automobiltreuhand (DAT) kostet ein drei Jahre alter Stromer beim Händler im Schnitt nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Listenpreises. Zum Vergleich: Benziner halten im selben Zeitraum noch 60 Prozent ihres Wertes, Diesel knapp 59 Prozent. Die Folge: Was Neuwagenkäufer und Leasinganbieter belastet, eröffnet Gebrauchtkäufern eine günstige Einstiegschance in die Elektromobilität. Warum die Preise auf dem Gebrauchtmarkt sinken Bisher spiegelt sich diese Chance noch nicht in den Verkaufszahlen wider: In den ersten vier Monaten des Jahres wurden in Deutschland knapp 224.000 neue Elektroautos zugelassen, aber nur 120.000 gebrauchte. E-Autos sind dort bislang eine Randerscheinung. Der Preisverfall hat mehrere Ursachen. Entscheidend ist vor allem das hohe Entwicklungstempo bei Reichweite und Ladetechnik. Zwischen einem fünf Jahre alten Modell und einem Neuwagen klafft oft eine große Lücke. Ältere Modelle wirken dadurch schneller überholt. Und das drückt die Preise auf dem Gebrauchtmarkt. Höhere Standards mindern das Risiko Hier liegt das Potenzial für Käufer: Denn der technische Abstand schrumpft inzwischen. Laut Analysen des Beratungsunternehmens Bearingpoint schwindet der Nachteil der älteren Generationen zunehmend. Bereits die aktuelle Fahrzeuggeneration dürfte den Gebrauchtmarkt in den kommenden Jahren deutlich verändern. Reichweiten und Ladeleistungen liegen mittlerweile auf einem wesentlich höheren Niveau. Die Batterie ist es nicht: Der wahre Schwachpunkt älterer E-Autos Auch die Angst vor nachlassender Batterieleistung erweist sich oft als unbegründet. Die Leistung der Akkus halte sich selbst bei älteren Fahrzeugen solide, so die Experten. Wer ganz sichergehen will, nutzt unabhängige Batteriezertifikate. Sie schaffen beim Kauf das nötige Vertrauen – vorausgesetzt, man setzt auf renommierte Gutachter. Sparsame Käufer im Vorteil Zusätzlichen Rückenwind erhält die Entscheidung durch die Entwicklung an der Zapfsäule. Hohe Spritpreise treiben Käufer zwar nicht sofort zum Händler, schärfen aber das Bewusstsein für wiederkehrende Preiskrisen beim fossilen Kraftstoff. Gerade sparsame Käufer können die Unabhängigkeit vom Benzinpreis nun als starkes Argument für einen günstigen Stromer nutzen. Dass das Interesse an dieser Chance wächst, zeigt eine weltweite Studie der Unternehmensberatung Bearingpoint unter anderem in Deutschland, den USA und China . Wer ohnehin nach einem Auto sucht, greift immer öfter zum Elektroantrieb. Die Befragten zeigen sich dabei auch gegenüber neuen chinesischen Marken offen. Für deutsche Käufer erhöht das die Auswahl und drückt die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt weiter. Das ist beim Kauf wichtig Damit aus dem günstigen Einstieg kein Fehlkauf wird, sollten Interessenten drei Punkte prüfen: Akkuzustand Der Zustand der Batterie sollte von einer Fachwerkstatt oder einer unabhängigen Prüfstelle ermittelt werden. Als grobe Orientierung nennt der ADAC folgende Richtwerte für die Restkapazität: bei 50.000 Kilometern: mindestens 92 Prozent bei 100.000 Kilometern: mindestens 88 Prozent bei 150.000 Kilometern: mindestens 84 Prozent Batteriegarantie Viele Hersteller gewähren acht Jahre oder rund 160.000 Kilometer Garantie auf die Hochvoltbatterie. Sie greift in der Regel, wenn die Kapazität unter etwa 70 Prozent fällt. Entscheidend ist, wie viel dieser Laufleistung bereits erreicht wurde. Servicehistorie Ein vollständiges Serviceheft ist wichtig. Fehlende Nachweise können dazu führen, dass Garantieansprüche im Schadensfall eingeschränkt oder vom Hersteller nicht anerkannt werden.
