Fehlermeldung

Deprecated function: Array and string offset access syntax with curly braces is deprecated in include_once() (line 20 of /mnt/web715/a0/94/5496894/htdocs/automotivemedia-cms/includes/file.phar.inc).

China verdrängt Deutschland: Studie zeigt schwere Folgen für Industrie

Chinas Exportoffensive bedroht die Säulen des deutschen Wirtschaftsmodells. Eine neue Studie beziffert Verluste, die bereits eingetreten sind. Lange Zeit lebte Deutschland gut davon, Maschinen, Autos und Industrieanlagen in die Welt zu verkaufen – insbesondere nach China . Doch aus dem einstigen Absatzmarkt ist längst ein mächtiger Gegenspieler auf dem Weltmarkt geworden. Eine neue Studie warnt nun, dass die chinesische Wirtschaftsstrategie vor allem jene Branchen bedroht, auf denen der Wohlstand in Deutschland beruht. Zu diesem Schluss kommen Wirtschaftsexperten des Centre for European Reform (CER) in einer Studie, die das "Handelsblatt" vorab ausgewertet hat. Die Autoren warnen vor einem "China-Schock 2.0", der Deutschland stärker treffe als andere große Industrieländer. Der Grund dafür sei der starke Anstieg chinesischer Ausfuhren, der deutsche Hersteller in China, auf Drittmärkten und zunehmend auch in Europa unter Druck setze. Interview: "Xi will nicht, dass Putin als Verlierer hervorgeht" Neues Innovationsranking: Chinesischer Konzern stößt VW vom Thron Die Studienautoren Sander Tordoir und Brad Setser sehen darin einen Grund für die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft. Deutschland verliere nicht nur vorübergehend Aufträge, sondern Teile seines bisherigen Wirtschaftsmodells. Hohe Energiepreise und Bürokratie erklärten aus Sicht der Autoren nicht ausreichend, warum vor allem jene Branchen leiden, die direkt mit China konkurrieren. Der entscheidende Faktor sei vielmehr eine sinkende Exportnachfrage: China kauft weniger deutsche Produkte und nimmt deutschen Firmen zugleich in anderen Märkten Kunden ab. Seit Ende 2023 habe der Rückgang der deutschen Nettoexporte die Wirtschaftsleistung um drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verringert. Peking bläht Industrie künstlich auf Hinzu kommt, dass China weitaus mehr Industriegüter produziert, als der eigene Markt aufnehmen kann. Weil die privaten Haushalte vergleichsweise wenig konsumieren, drängen die überschüssigen Waren ins Ausland, wo sie mit deutschen Exporten konkurrieren. Die chinesische Regierung verstärkt diesen Druck weiter durch Subventionen und günstige Kredite. Der Internationale Währungsfonds beziffert die chinesischen Industriesubventionen auf rund 800 Milliarden Dollar jährlich, mit denen Peking entscheidende Industriebranchen künstlich aufbläht. Zum Vergleich: In Deutschland wurde die gesamte Wirtschaft im Jahr 2024 mit rund 285 Milliarden Euro subventioniert. Besonders sichtbar wird das in der Autoindustrie. China ist inzwischen der weltweit größte Autoexporteur. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass das Land bis 2030 zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr exportieren könnte. Laut der CER-Studie hat China diese Marke jedoch bereits Ende 2025 erreicht. Die Kapazitäten seien derweil sogar größer als die aktuelle Nachfrage. So könnte China rund 55 Millionen Autos im Jahr bauen, davon mindestens 25 Millionen Elektroautos. Für deutsche Hersteller ist diese neue Realität in zweierlei Hinsicht bedrohlich. In China selbst verlieren sie Marktanteile an heimische Anbieter. Zugleich produzieren BMW , Mercedes und Volkswagen immer stärker in China, statt Fahrzeuge aus Deutschland zu exportieren. Für die Konzerne mag das wirtschaftlich aufgrund niedriger Produktionskosten sinnvoll sein, für Deutschland als Industriestandort wird es aber zunehmend zum Problem. Eine Studie im Auftrag der US-Handelskammer weist für deutsche Autoexporte nach China zwischen 2022 und 2025 einen Rückgang um 66 Prozent aus, während chinesische Hersteller gleichzeitig Europas Heimatmarkt angreifen würden. Die EU habe zwar Zölle auf chinesische Elektroautos beschlossen, doch chinesische Anbieter wichen teilweise auf Hybridmodelle aus. Ein ähnliches Muster droht im Maschinenbau, in der Chemie und in der Luftfahrt. Deutschland lieferte lange Maschinen und Ausrüstung für Chinas Industrialisierung. Seit Mitte 2025 kauft Deutschland laut CER aber mehr Kapitalgüter aus China als China aus Deutschland. Bei Flugzeugen sind die deutschen Exporte nach China demnach gegenüber dem Höchststand etwa um die Hälfte gefallen. Hunderttausende Jobs womöglich bereits verloren Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hingen auf dem Höhepunkt des China-Exportbooms 2021 rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt von der Nachfrage in China ab. Die CER-Autoren leiten daraus ab, dass bereits mehr als 400.000 Jobs verloren gegangen sein könnten. Auch die geplanten Milliardeninvestitionen der Bundesregierung könnten den Autoren zufolge teilweise nach China abfließen. Wenn Deutschland die Infrastruktur erneuert oder Energietechnik fördert, entsteht eine erhöhte Nachfrage nach Stahl, Batterien, Fahrzeugen und Elektronik. Ohne klare europäische Leitlinien, dass solche Produkte möglichst von europäischen Herstellern kommen sollen, könnten davon vor allem chinesische Anbieter profitieren. EU-Handelskommissar: Abhängigkeit wie bei russischem Gas Als Gegenmittel zur chinesischen Strategie schlagen die Autoren vor allem härtere EU-Handelsregeln vor. Einen ersten Schritt hat Brüssel bereits in dieser Woche unternommen: Am Dienstag wurden die Importregeln für Stahl deutlich verschärft. Das Volumen zollfreier Einfuhren wurde auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich gesenkt. Lieferungen, die darüber hinausgehen, werden künftig mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent belegt. Aus Sicht der Autoren kann das jedoch nur der Anfang sein. Sie schlagen vor, Schutzmaßnahmen, wie sie derzeit etwa bei Elektroautos greifen, auf ganze Branchen auszuweiten. Zugleich solle Europa öffentliche Förderungen stärker an die Produktion in Europa knüpfen. Gleichzeitig warnen die Autoren vor möglichen chinesischen Gegenreaktionen. Peking könnte mit eigenen Zöllen antworten, europäische Unternehmen im Land unter Druck setzen oder Ausfuhren wichtiger Rohstoffe beschränken. Besonders heikel wären Exportkontrollen bei Seltenen Erden und anderen Vorprodukten, die Europa für Autos, Halbleiter, Rüstung und Klimatechnik benötigt. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič verglich diese Abhängigkeit zuletzt mit Europas früherer Abhängigkeit von russischer Energie. Darauf müsse sich die EU vorbereiten. Bürokratie abzubauen sei zweifellos sinnvoll. Allein werde das aber nicht reichen, um Deutschland als Industriestandort vor dem Druck der chinesischen Exportstrategie zu schützen.