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BMW iX3 im Test: Das kann das Elektro-SUV, was andere nicht können

469 PS, bis zu 805 Kilometer Reichweite und blitzschnelles Laden: Der BMW iX3 markiert den Start der "Neuen Klasse". Vieles beeindruckt, aber nicht alles ist perfekt. Der erste Kontakt mit dem iX3 sieht so aus: Man zieht am Bügel-Türgriff, der eben gerade elektrisch ausgefahren ist – und erst einmal passiert kurz nichts. Denn entriegelt wird über eine Sensorfläche auf der Innenseite des Griffs. Das Ganze funktioniert mit leichter Verzögerung. Wer also einfach auf die Wirkung der Mechanik setzt, bleibt draußen. Nach kurzer Zeit hat man sich jedoch komplett darauf eingestellt. Und genau das beschreibt den Alltag mit dem neuen iX3 ziemlich gut. BMW startet mit dem iX3 nicht einfach nur ein neues Modell. Das Auto soll zeigen, wie die Marke in Zukunft aussehen und funktionieren will. Neue Designsprache, neue Software, neue Bedienung, neue 800-Volt-Technik – praktisch alles wurde neu gedacht. Entsprechend hoch ist der Anspruch. BMW selbst spricht davon, dass sich der Wagen nicht wie ein normaler Modellwechsel anfühlen soll, sondern wie eine komplett neue Fahrzeuggeneration. Manches wirkt zunächst unnötig kompliziert, vieles funktioniert nach Eingewöhnung aber erstaunlich gut. Nur eben nicht alles, wie der t-online-Alltagstest zeigt. Neue Klasse statt Riesengrill Optisch markiert der iX3 einen klaren Bruch mit den vergangenen BMW-Jahren. Die riesigen Nieren der letzten Modelle? Geschichte. Stattdessen orientiert sich BMW wieder stärker an der "Neuen Klasse" der 1960er-Jahre. Die Front wirkt aufrecht, reduziert und deutlich ruhiger als bei vielen aktuellen BMW-Modellen. Die Lackierung "Space Silver" passt hervorragend zum technischen Charakter des Autos. Polarisieren dürfte der neue Look trotzdem. Manch einer wird sich vermutlich erst daran gewöhnen müssen, dass die Front plötzlich deutlich zurückhaltender auftritt. Mit 4,78 Metern Länge ist der in Ungarn gebaute iX3 ein recht großes SUV. Die Proportionen erinnern noch an den aktuellen X3, insgesamt wirkt das Auto aber deutlich futuristischer. Innenraum: Sehr modern, aber nicht immer praktisch Innen wirkt der neue iX3 extrem aufgeräumt. Hinterleuchtete Stoffflächen auf dem Armaturenträger schaffen eine einladende Atmosphäre, einen klassischen Tacho hinter dem Lenkrad gibt es nicht – stattdessen das breite, sogenannte Panoramic Vision direkt unterhalb der Windschutzscheibe. Es kann neben der Geschwindigkeit auch zahlreiche weitere Funktionen anzeigen und lässt sich sehr flexibel konfigurieren. Wetteranzeige nach außen, Titelanzeige in die Mitte? Oder doch besser anders herum? Das lässt sich über das große Zentraldisplay steuern. Hinzu kommt ein Head-up-Display: BMW schafft einen Innenraum, der futuristisch wirkt, ohne komplett zu überfordern. Das Raumgefühl ist dabei beeindruckend. Vier Erwachsene sitzen ausgesprochen bequem (eine fünfte Person war während des Testzeitraums nicht greifbar). Der Kofferraum fasst 520 bis 1750 Liter, dazu kommt ein 58 Liter großer Frunk unter der Frontklappe – praktisch fürs Ladekabel. Was fehlt, ist eine Fernentriegelung der Rücksitzlehnen vom Kofferraum aus. Bei der Verarbeitung überzeugt der iX3 in vielen Bereichen. Doch die Türfächer ohne Polsterung fallen negativ auf, und auch manche Kunststoffe dürften in dieser Preisklasse gern etwas schicker wirken. Weniger Knöpfe, mehr Gewöhnung Gleichzeitig verändert BMW beim iX3 klassischen Bedienweg radikal. Der bekannte iDrive-Drück-Drehsteller fehlt komplett. Vieles läuft jetzt über Touch oder Sprachsteuerung, das System wirkt schnell und ordentlich sortiert. BMW bemüht sich sichtbar um Struktur, trotz der vielen Funktionen und Auswahlmöglichkeiten. Trotzdem fehlen manchmal schlicht ein paar Knöpfe. Die Strömungsrichtung der Lüftungsdüsen per Display einzustellen, ist im Alltag unnötig umständlich. Auch die Sprachsteuerung überzeugt nicht immer. Während der Fahrt meldete das System plötzlich, nicht online zu sein – und schon war die Spracheingabe vorübergehend nicht mehr nutzbar. Das neue Lenkrad sieht auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aus, liegt aber überraschend gut in der Hand. Vor allem die Daumenablagen links und rechts funktionieren hervorragend. BMW setzt außerdem auf das sogenannte "Shy Tech"-Prinzip. Bestimmte Funktionen erscheinen nur dann beleuchtet auf dem Lenkrad, wenn sie gerade verfügbar sind. Das soll entlasten, sorgt aber auch dafür, dass man gelegentlich doch hinschauen muss: In einem Fall wurden die Lautstärkeregler plötzlich an einer anderen Position angezeigt. Überhaupt zieht sich dieses Thema durch den ganzen Wagen: Vieles ist clever gedacht, aber nicht immer sofort intuitiv. Und funktioniert am Ende dann doch gut. So fährt der neue iX3 Der getestete iX3 50 xDrive leistet 469 PS und entwickelt 645 Newtonmeter Drehmoment. Entsprechend gewaltig schiebt das SUV an. Im Sportmodus zeigt der Bildschirm die gerade abgerufene Leistung an. Trotzdem wirkt der BMW nie hektisch oder aggressiv. Vielmehr fährt er sehr gleichmäßig und souverän. Man merkt zwar jederzeit, dass hier ein großes, schweres Auto unterwegs ist – gleichzeitig hängt der iX3 extrem direkt am Strom. Der BMW ist ein bisschen wie ein Elefant auf Speed: groß, schwer, aber gleichzeitig brutal kräftig und erstaunlich energisch unterwegs. Das Stahlfahrwerk macht grundsätzlich einen guten Job, gerade auf der Autobahn oder Landstraße. Berliner Straßen schaffen es allerdings, das SUV an seine Grenzen zu bringen. Treffen Querfugen, Gullideckel und Asphaltwellen gleichzeitig zusammen, wird der BMW kurzzeitig polterig. Einer der Gründe: Adaptive Dämpfer gibt es bislang leider nicht. Die würden aber gut zum Charakter des Autos passen. Die Lenkung arbeitet angenehm leichtgängig, liefert aber weniger Rückmeldung als frühere BMW-Modelle. Toll ist die hohe Laufruhe: Selbst bei höheren Geschwindigkeiten bleiben Windgeräusche erstaunlich leise. Die größte Stärke: Wie weich alles zusammenarbeitet Richtig beeindruckend ist, wie harmonisch der iX3 fährt. Die Übergänge zwischen Rekuperation, Bremse und Assistenzsystemen sind extrem weich abgestimmt. BMW nennt das Prinzip im Hintergrund "Superbrains". Klingt erst einmal ein wenig nach Marketing, erklärt aber tatsächlich ganz gut, warum der iX3 so weich und harmonisch fährt: Vier Zentralrechner steuern unter anderem Antrieb, Rekuperation, Bremse und Assistenzsysteme. Dadurch arbeitet vieles sauber zusammen. Das Auto bremst fließend bis zum Stillstand ab, reagiert sanft und wirkt insgesamt harmonisch. Der BMW erkennt sogar rote Ampeln, verzögert passend und weist den Fahrer später darauf hin, wenn es weitergeht. In der Stadt kann man mit dem eingeschalteten System locker mitschwimmen. Auch die Assistenzsysteme hinterlassen insgesamt einen sehr starken Eindruck. Der Autobahnassistent unterstützt souverän, der Überholassistent zieht das Auto nach Blinkersetzen selbstständig auf die Nachbarspur. Allerdings bleiben manche Funktionen erklärungsbedürftig. Zweimal setzte der iX3 bei freier linker Spur plötzlich selbst den Blinker und setzte zum Überholen an, ohne dass vollkommen klar war, warum genau das System aktiv wurde – vermutlich aufgrund eines Spiegelblicks, der jedoch nur zur Vergewisserung diente. Auch wann sich der Autobahnassistent aktiviert (gekennzeichnet durch zwei grüne Lichtleisten am Lenkrad), versteht man nicht sofort. Er bietet teilautomatisiertes Fahren auf Level-2-Niveau. Heißt: Bis Geschwindigkeiten von 130 km/h erlaubt er auf Autobahnen das dauerhafte Loslassen des Lenkrads, sofern der Fahrer das Geschehen überwacht. Der Assistent steuert Abstand, Geschwindigkeit, Lenkung und führt Spurwechsel per Blickbestätigung in den Außenspiegel selbstständig durch. Das Problem ist dabei nicht, dass die Technik schlecht funktioniert – sondern dass sie teilweise sehr viel kann, ohne sich immer selbst zu erklären. Insgesamt aber wirken die Systeme unterstützend statt bevormundend. Besonders gelungen: Der BMW deaktiviert den Tempomaten beispielsweise nicht sofort, wenn der Fahrer leicht bremst – etwa, um andere Fahrzeuge einscheren zu lassen. Hohes Ladetempo Auch beim Laden zeigt der BMW, wie ernst es ihm mit der "Neuen Klasse" ist. Der iX3 nutzt erstmals eine 800-Volt-Architektur. BMW verspricht bis zu 400 kW Ladeleistung. Ganz so viel waren es im Test zwar nicht, trotzdem ist das Ladetempo beeindruckend. An einer Ionity-Säule lagen problemlos 251 kW an, nach 19 Minuten waren 53 kWh nachgeladen. Nicht ganz das, was BMW verspricht – aber immer noch verdammt schnell. Der Akku des iX3 50 xDrive speichert netto 108,7 kWh. Laut WLTP sind bis zu 805 Kilometer Reichweite möglich – wer nicht immerzu mit Vollstrom (maximal 210 km/h) unterwegs ist, kann locker mehr als 500 Kilometer weit fahren. Im Alltag zeigte sich der BMW nämlich effizient. Auf einer morgendlichen Stadtfahrt standen 13,8 kWh auf dem Bordcomputer. Über mehr als 1.000 Kilometer mit viel Autobahnanteil lag der Verbrauch bei 19,8 kWh – für Größe und Leistung absolut fair. Preis und Fazit Der BMW iX3 startet in der ab Sommer erhältlichen Basisversion ab 63.400 Euro, der getestete iX3 50 xDrive liegt deutlich darüber (mindestens 70.900 Euro). Dazu kommt eine lange Aufpreisliste, die den Testwagenpreis locker in Richtung der 100.000-Euro-Marke katapultiert. Trotzdem hat man beim iX3 tatsächlich das Gefühl, einen Entwicklungssprung mitzuerleben. BMW zeigt eindrucksvoll, wie moderne Elektroautos künftig funktionieren könnten: leise, extrem souverän, hochvernetzt und technisch harmonisch. Perfekt ist der Wagen trotzdem nicht. Die neue Bedienphilosophie verlangt mehr Eingewöhnung als frühere BMWs, manche Lösungen wirken unnötig kompliziert. Wer sich darauf einlässt, bekommt allerdings eines der spannendsten Elektroautos der kommenden Jahre.