München im Ernstfall: Warum Tiefgaragen wichtig werden
Der Bund setzt künftig auf dezentrale Zufluchtsorte. München hat davon besonders viele – doch einsatzbereit sind sie nicht. Wenn es in München ernst wird, könnte der Weg in eine Tiefgarage führen. Genau solche Orte sollen im neuen Schutzraumkonzept des Bundes eine größere Rolle spielen. Die Stadt hat davon auffällig viele – doch einsatzbereit ist derzeit keine Anlage. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat im Kabinett Eckpunkte für ein Sonderprogramm vorgelegt: Bis 2029 sollen rund zehn Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz fließen. Das neue Konzept setzt auf dezentrale Zufluchtsräume – weg vom klassischen Bunker, hin zu Tiefgaragen, Kellern und anderen schnell erreichbaren Orten. Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die auf Anfrage der t-online-Redaktion antwortete, sind in München noch 17 öffentliche Schutzräume mit insgesamt 16.656 Plätzen formal dem Zivilschutz gewidmet. Damit liegt die Stadt nach Hamburg an zweiter Stelle aller von t-online angefragten Städte. Das Besondere: 14 der 17 Anlagen sind Tiefgaragen – mit zusammen rund 16.000 Plätzen. Einsatzbereit ist allerdings keine einzige Anlage. Wartung und technische Instandhaltung wurden 2007 bundesweit eingestellt. Tiefgaragen statt Bunker: München passt zum neuen Konzept Genau auf solche Strukturen setzt der Bund künftig. Die BImA begründet die neue Linie damit, dass zentrale Bunkeranlagen bei punktuellen Angriffen mit kurzen Vorwarnzeiten für viele Menschen nicht rechtzeitig erreichbar wären. Große Menschenansammlungen könnten zudem selbst zum Ziel werden. Stattdessen sollen dezentrale öffentliche Zufluchtsräume Schutz bieten – idealerweise in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Tiefgaragen, Kellerräume und innenliegende Räume in Massivbauweise stehen dabei im Fokus. München hat mit seinen formal gewidmeten Tiefgaragen dafür eine auffällige Ausgangslage. Ob und wie diese Anlagen tatsächlich wieder nutzbar gemacht werden könnten, ist aber offen. Feuerwehr verweist auf den Bund Die Feuerwehr München gibt sich entsprechend zurückhaltend. Die bestehenden Schutzräume entsprächen "nicht den heutigen Gefahrenlagen", teilt sie auf Anfrage der t-online-Redaktion mit. Zuständig für Planung, Vorhaltung und mögliche Reaktivierung sei der Bund – nicht die Kommune. Bund und Länder arbeiten derzeit an einem neuen Schutzraumkonzept, das weniger auf große zentrale Anlagen und stärker auf kleinere, schnell erreichbare Strukturen setzt. Wann es vorliegt, ist offen. Die Feuerwehr München verweist darauf, dass das Konzept auf der Innenministerkonferenz im Dezember 2025 kurzfristig von der Tagesordnung genommen wurde. Ein neuer Termin steht nicht fest. Auch die Nina-App soll ausgebaut werden. Künftig soll sie den Weg zum nächstgelegenen Schutzort anzeigen – inklusive Tiefgaragen und anderer dezentraler Anlagen. Die dafür nötige bundesweite Kartierung steht allerdings noch aus. Bis dahin bleibt vor allem private Vorsorge. Das BBK empfiehlt Trinkwasser für mindestens zehn Tage – als Richtwert gelten zwei Liter pro Person und Tag –, haltbare Lebensmittel, ein batterie- oder solarbetriebenes Radio und Verbandsmaterial. Im Notfall gilt außerdem die Zwei-Wände-Regel: Schutz bieten Räume, zwischen denen und einer möglichen Gefahr mindestens zwei Wände liegen.
