Fall Fabian aktuell: Prozess gegen Gina H. – Zeugin sah Feuer an Tümpel
Im Mordfall Fabian steht am sechsten Prozesstag die Aussage einer Zeugin im Fokus. Sie fotografierte möglicherweise die brennende Leiche des Jungen – ohne es zu wissen. Im Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow haben am Mittwoch mehrere Zeugen vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Im Fokus steht nicht nur der orangefarbene Ford Ranger der Angeklagten Gina H., auch Beobachtungen am Fundort der Leiche, einem Tümpel bei Klein Upahl, sind im Mittelpunkt des Interesses. Der Junge wurde am 10. Oktober des vergangenen Jahres mit sechs Messerstichen getötet. Gina H., die Partnerin des Vaters des Jungen, steht unter Mordverdacht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie mit der Tat die damals angeschlagene Beziehung zu Fabians Vater retten wollte. Nach dem Mord soll H. sich zunächst mit einem Bekannten getroffen und anschließend zu dem Tümpel zurückgekehrt sein, um die Leiche des Jungen mittels Grillanzünder anzuzünden. Damit soll sie versucht haben, Spuren zu verwischen. Für Gina H. gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung. Ergebnis steht fest: Fall Fabian – Gefundenes Messer war nicht die Tatwaffe Schockierende Aussage vor Gericht: Fabians Mutter verlässt weinend den Saal Fall Fabian aus Güstrow: "Mensch, ist das nicht die Gina?" Am Mittwochvormittag sagten zunächst zwei Zeugen aus, die sich am Tattag in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben. Laut "Stern" gab ein 18 Jahre alter Landwirt an, den orangefarbenen Ford Ranger der Angeklagten zwischen 12 und 13 Uhr gesehen zu haben. Das Auto kam demnach aus Richtung des Tatorts und fuhr weiter Richtung Dorf. "Ich meinte noch zu meinen Kollegen: 'Mensch, ist das nicht die Gina aus Reimershagen?' Und alle meinten: 'Ja, das ist sie'", sagte er dem Bericht zufolge auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Holger Schütt. Er habe in dem Auto eine Frau mit langen, blonden Haaren gesehen. Zum Zeitpunkt der Tat trug Gina H. blonde Haare. Sein Arbeitskollege, der ebenfalls als Zeuge geladen war, sagte hingegen, er habe nicht erkennen können, wer in dem Auto saß. Der Wagen von Gina H. spielt eine wichtige Rolle: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass H. gegen 10.43 Uhr die Wohnung von Fabian in Güstrow aufsuchte. Zu dem Zeitpunkt war er allein zu Hause – er war wegen Unwohlseins nicht zur Schule gegangen. Seine Mutter war auf der Arbeit. Um 11.22 Uhr, so die Ermittler, deaktivierte Gina H. ihr Smartphone. Alle aktuellen Informationen: Mordfall Fabian – Prozess vor dem Landgericht Rostock Anschließend soll sie mit Fabian Richtung Klein Upahl gefahren sein. Gemeinsam mit dem Jungen sei sie zu dem Tümpel gelaufen, habe das Messer gezückt und zugestochen. Zwei Stiche trafen direkt ins Herz, wie die Obduktion ergab. Um 12.43 Uhr aktivierte die Angeklagte ihr Smartphone wieder. Fabian starb laut Obduktion zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr – also genau in dem Zeitraum, in dem die Zeugen auch den Wagen beobachten konnten. Bereits zu Beginn des Prozesses im Fall Fabian waren Videoaufnahmen einer Überwachungskamera gezeigt worden, auf denen der orangefarbene Ford Ranger im relevanten Zeitraum rund 100 Meter von Fabians Wohnung entfernt zu sehen war. Aus den Aufnahmen ergab sich jedoch nicht, wer den Wagen steuerte und ob sonst noch jemand in dem Auto saß. Fall Fabian: Feuer am Fundort der Leiche – Zeugin spricht Neben den beiden Landwirten wurde am sechsten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock eine weitere wichtige Zeugin angehört: Sie fotografierte am Tattag gegen 15 Uhr ein Feuer am späteren Fundort der Leiche – mutmaßlich die brennende Leiche des Jungen. Das Foto wurde später von der Polizei veröffentlicht, mit dem Appell an weitere Zeugen, sich zu melden. Vor Gericht sagte die Zeugin aus, sie sei gerade mit ihrem Pferd spazieren gewesen, als sie zunächst Rauch und wenig später die Feuerstelle gesehen habe. Das Feuer habe "wie ein kleines Lagerfeuer" ausgesehen, erklärte sie laut "Bild"-Zeitung. "Das sah aus, als hätte jemand das Schilf runtergebrannt." Sie habe ein Foto von dem Feuer gemacht, um es ihrem Partner zu schicken und ihn zu fragen, ob er wisse, was los sei. An eine Straftat habe sie keinesfalls gedacht. Tatsächlich war das Verschwinden des Jungen der Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Erst am 11. Oktober bat die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe. Messer im Fall Fabian untersucht: Ergebnis liegt vor Vor Gericht wurde am Mittwoch außerdem ein Polizeivermerk vorgetragen: Die Beamten hatten die Zeugin im Laufe der Ermittlungen schon einmal befragt. Die Frage, ob sie Rauch oder Feuer gesehen habe, verneinte sie demnach zunächst. Dann erinnerte sie sich plötzlich doch und sagte laut Protokoll: "Nein, oder? Ich habe das sogar fotografiert. Sagt bitte nicht, dass das Feuer das Kind war." Das Gericht teilte zudem mit, dass der Auswertungsbericht eines kürzlich untersuchten Messers vorliege. Das Ergebnis soll im weiteren Verlauf bekannt gegeben werden. t-online hatte bereits am Dienstag aus Prozesskreisen erfahren, dass das in einem Mülleimer auf einem Güstrower Parkplatz entdeckte Küchenmesser nicht die Mordwaffe ist. An dem Messer haben sich nach einer Auswertung des Landeskriminalamts keinerlei relevante Spuren befunden, weder von Fabian noch von Gina H. Die Tatwaffe im Fall Fabian gilt als wichtiges Beweisstück und bleibt damit weiter verschwunden.
