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Ferrari wagt E-Auto Luce und kassiert Spott und Kursverlust an der Börse

Ferrari hat seinen ersten vollelektrischen Sportwagen präsentiert und dafür reichlich Kritik und Spott geerntet. An der Börse folgte ein dickes Kurs-Minus. Warum geht Ferrari überhaupt diesen Schritt? Die Erwartungen hätten größer nicht sein können. Nach langem Zögern bringt die Sportwagen-Ikone Ferrari ihr erstes rein elektrisches Modell auf den Markt . Ferrari nennt es selbst "ein neues Kapitel". Glaubt man den Kapitalmärkten, dann ist die Skepsis gegenüber dem Ferrari Luce groß: Sieben Prozent Kursverlust direkt nach der Präsentation als Lohn für fünf Jahre Entwicklung. Das dürfte sich Ferrari anders vorgestellt haben. Die Aktie liegt damit nah an ihrem 52-Wochen-Tief von 269 Euro. Und weit weg vom Rekordhoch von 447 Euro. Kritik an Ferrari Luce: "Bei Hot Wheels geklaut" Das dürfte auch an der Kritik am Luce liegen. Denn die ist laut und vielstimmig. Er soll gleich das Zeug haben, den "Mythos Ferrari" zu zerstören, liest man im Netz. Im Internet-Forum Reddit fragte ein Nutzer, ob das Auto ein Witz sei. Ob Fiat das Design übernommen habe. Andere scherzen, das Design sei wohl "bei Hot Wheels geklaut". Oder: Das "Playmobil" sehe aus wie ein "China-Fake". "Billigen Grappa gesoffen": Neuer Ferrari spaltet das Netz Mehr als 300 km/h: Papst mustert Ferrari Luce Zum einen gibt es also Kritik am Design: Der – zugegeben recht ungewöhnlich designte – Luce sei kein richtiger Ferrari, heißt es. Verantwortlich dafür zeichnet übrigens das Kollektiv LoveFrom um den ehemaligen Apple-Designer Jony Ive. Dass das Design an den Kundenbedürfnissen vorbeigehe, war noch eine der freundlichsten Kritiken in Medien und Analysen. Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo kommentierte, es sei ein Auto, das die Chinesen nicht kopieren würden. China kann das billiger Tatsächlich sahen chinesische Autos in der Vergangenheit häufig aus wie ein Porsche , Tesla oder BMW . Inzwischen produzieren Chinas Hersteller eigene E-Sportwagen, die nur einen Bruchteil der 550.000 Euro kosten, die Käufer des neuen Ferrari Luce zahlen müssen. Der mag mit 60 neuen Patenten und bestem Wert bei der Aerodynamik zwar eine andere Liga sein als ein China-Mobil, doch auch im Luxussegment geht es bei anderen Herstellern günstiger. Siehe Mercedes mit dem AMG-GT-Viertürer ab rund 113.000 Euro . Bleibt also die Frage: Warum bringt Ferrari überhaupt einen Stromer auf den Markt? Der Luce sollte wohl Kundengruppen ansprechen, die bisher nicht erreicht wurden. Und man darf auch nicht vergessen: Als Ferrari vor knapp fünf Jahren mit der Entwicklung begann, war die Welt noch euphorisch gegenüber E-Autos. Auch Luxushersteller stiegen in den damals vielversprechenden Markt ein, zumal in der EU ein Verbrennerverbot im Raum stand. Das ist inzwischen zwar aufgeweicht, dennoch ist bei Autoherstellern Ernüchterung eingekehrt. Die Nachfrage nach E-Autos, auch und gerade im Premium-Segment, ist verhalten. Lamborghini und Aston Martin rudern zurück Doch Ferrari macht jetzt das, was sich nicht mehr jeder Konkurrent traut: ein E-Auto, rein elektrisch. Lamborghini hat seinen ersten Stromer noch vor Markteinführung aus dem Programm genommen. Aston Martin hat die Markteinführung auf Ende des Jahrzehnts verschoben. Ferrari hat ebenfalls seine Ziele nach unten korrigiert: Ursprünglich wollte das Unternehmen bis 2030 rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge elektrisch antreiben. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 20 Prozent reduziert. Gratwanderung für Ferrari Man versucht die Gratwanderung zwischen den Bedürfnissen der Zielgruppe nach Tempo, Dynamik, Design, Sound und dem Besonderen einerseits und den CO2-Vorgaben in einer sich verändernden Welt andererseits. Bei aller Kritik an dem neuen Auto: Ferrari ist nicht nur für seine Technik bekannt, sondern auch für strategisch kluges Marketing. Man dürfte sich im italienischen Maranello, dem Ferrari-Hauptsitz, auch bei diesem Auto etwas gedacht haben. Selbst wenn es nicht alle Alleinstellungsmerkmale wie positive Emotionen, Verknappung oder Preissetzungsmacht erfüllen sollte. Insgesamt kommt Ferrari noch gut durch die Krise. Zwar wurden im ersten Quartal weniger Autos ausgeliefert – die Nahost-Krise macht sich bemerkbar –, aber mit höheren Preisen war der Gewinn dennoch größer, als die Analysten erwartet hatten. Da kann man einen Test wie den Luce wagen. Ferrari dürfte pro Auto 200.000 Euro gewinnen Um einmal die Marktstellung zu verstehen: Automobil-Analysten schätzen, dass Ferrari pro Auto rund 200.000 Euro Gewinn macht. Bei Porsche ist der Gewinn pro Auto niedrig fünfstellig. Natürlich ist der Erfolg des Luce nicht garantiert. Von einem neuen Standbein über neue Kunden bis zu einem Flop ist alles drin. Knackpunkt bei allen E-Autos ist der schwer einschätzbare Wertverlust. Ein Phänomen, das Ferrari von Verbrennern eher nicht kennt. Und die Frage, ob die Kunden elektrische Sportwagen überhaupt wollen. Vielleicht gewinnt Ferrari dieses Rennen nicht. Vielleicht wird der Luce irgendwann aus dem Programm genommen, so wie andere Modelle vor ihm. Vielleicht zahlen Sammler aber auch eines Tages hohe Preise dafür. Apropos Flop: Damit hat Ferrari schon Bekanntschaft gemacht: Der Ferrari Mondial zum Beispiel kam seinerzeit nicht bei den Kunden an. Er galt als langsam, kantig, unsportlich. Hat das den Mythos Ferrari beschädigt? Nein. Wird das ein neues Nischen-Produkt tun? Nun: Es stellt in jedem Fall die Grundsatzfrage, was ein Ferrari in Zukunft sein soll. Es testet die Glaubwürdigkeit der Marke. Vielleicht wäre eine eigene Marke die richtige Antwort gewesen. Vielleicht wird der Mut belohnt. Die Antwort wird der Markt geben.