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Stromnetz an Pfingsten 2026: So nah war die Überlastung

An Pfingsten 2026 stand das deutsche Stromnetz unter Druck. Neue Messdaten zeigen, dass manche Anschlüsse an die Belastungsgrenze kamen. Immer wieder warnen Experten, zu viel Solarstrom könne an sonnigen Feiertagen die Stromnetze überfordern. Denn an sonnenreichen Tagen speisen Solaranlagen viel Strom ins öffentliche Netz – zugleich ist der Stromverbrauch aufgrund der Feiertage vergleichsweise gering. Besonders die Pfingst- und Himmelfahrtswochenenden stehen dabei im Fokus . Deshalb wird auch der Zubau neuer PV-Anlagen immer wieder diskutiert. Kritiker befürchten, dass er das Netz zusätzlich belasten könnte. Doch stimmt das tatsächlich? Der Speicher- und Energiemanagementanbieter E3/DC hat das genauer untersucht. Das Whitepaper "Bestimmung der Belastung der Ortsnetze durch PV-Anlagen" beschäftigt sich mit der Frage, ob das Niederspannungsnetz weiteren lokalen Photovoltaik-Zubau verkraftet. Grundlage sind stündliche Spannungsmessungen an rund 110.000 Hausanschlüssen mit Solaranlage und Heimspeicher während des Pfingstwochenendes 2026. Die Daten stammen direkt vom Hausanschluss und damit aus genau jenen Netzen, in denen PV-Einspeisung und Spannungshub (Spannungsanstieg) am stärksten wirken. Somit basiert die Analyse nicht wie andere Studien auf Modellrechnungen, sondern auf realen Messwerten aus bestehenden Netzen. Ziel war es laut E3/DC, den Zustand der Netze an besonders sonnenreichen Tagen zu erfassen und gleichzeitig zu zeigen, wie sich ihre Aufnahmekapazität "einfach und konsequent erweitern" lässt. Selektive Betrachtung Die Studienautoren betonen, dass sie sich bewusst nur Daten von Hausanschlüssen mit PV-Anlage und Heimspeicher betrachtet haben. Denn diese Kombination gewinnt bei Privathaushalten immer mehr an Beliebtheit. Das hat wiederum zur Folge, dass die Analyse auf keiner repräsentativen Stichprobe basiert. Grund für die selektive Betrachtung: Die Zahl der Haushalte, die sowohl eine PV-Anlage als auch einen Heimspeicher besitzen, steigt. Und das kommt der Netzstabilität zugute. Denn Anlagenbetreiber können den selbsterzeugten Strom auch an den kritischen, sonnenreichen Tagen in ihrem Heimspeicher speichern. Sie müssen ihn also nicht ins Netz speisen und belasten somit das Netz nicht zusätzlich. Dass das der Fall ist und der PV-Zubau bei Privathaushalten, wie in der Öffentlichkeit diskutiert, daher nicht gestoppt werden muss, ist eine These der Untersuchung. Das zeigen die Messdaten Das Ergebnis: Selbst zur Mittagszeit, wenn die Sonne am stärksten scheint und das Netz am stärksten belastet ist, lagen rund 80 Prozent der betrachteten Hausanschlüsse im erlaubten Spannungsbereich. Lediglich 0,15 Prozent überschritten den Grenzwert von 253 Volt. Zum Vergleich: Um fünf Uhr morgens, wenn kaum Solarstrom eingespeist wird, lag dieser Anteil bei null. Das heißt, dass das Risiko nicht dauerhaft, sondern nur in einem kurzen Zeitfenster rund um die Mittagsstunde besteht. Und auch nur bei einem kleinen Teil der Anschlüsse. Die Studienautoren mahnen jedoch, das Problem trotzdem ernst zu nehmen. Denn rund 18 Prozent der beobachteten Hausanschlüsse lagen zur Mittagsspitze im sogenannten Warnbereich – also nah an der Grenze, aber noch nicht darüber. Morgens waren es nur 0,84 Prozent. Das ist eine Verzwanzigfachung innerhalb weniger Stunden. Zwar handelt es sich hierbei bislang noch um vereinzelte Fälle. Doch es sollte als klares Warnsignal für die Zukunft gesehen werden. Bayern ist kein Sonderfall Die Studie räumt auch mit der Annahme auf, dass ländliche Netze in Süddeutschland grundsätzlich überfordert seien. Die Studienautoren räumen ein, dass die Bedingungen dort anspruchsvoller sind, weil die Leitungen länger sind und die PV-Anlagen-Dichte im Vergleich zu Norddeutschland höher ist. Dennoch zeigen die Auswertungen, dass Süddeutschland nicht grundsätzlich über dem Bundesdurchschnitt lag: Auch dort blieben die Werte an Pfingsten überwiegend im tolerierbaren Bereich. Zwar gibt es auch hier Ausschläge in Richtung der Warnzone. Diese seien jedoch beherrschbar. Drei Lösungen Laut E3/DC kann das Problem sogar ohne teure Tiefbauarbeiten durch drei Maßnahmen gelöst werden. Die wirksamste, netzseitige ist der sogenannte regelbare Ortsnetztransformator, kurz rONT. Er passt die Spannung im Netz automatisch an, wenn viel Solarstrom einfließt, und kann die Aufnahmekapazität eines Ortsnetzes laut Studie verdreifachen. Das wiederum hat zur Folge, dass mehr PV-Anlagen angeschlossen werden könnten, ohne das Stromnetz kostenintensiv auszubauen. Das Problem: Bisher ist nur ein winziger Bruchteil der rund 600.000 Ortsnetzstationen in Deutschland mit rONT ausgestattet. Die Technik ist also vorhanden. Sie wird jedoch viel zu zögerlich eingesetzt, so die Studienautoren. Dazu kommen auf Seite der Haushalte größere, intelligent gesteuerte Heimspeicher, die den Mittagsstrom puffern und somit Mittagsspitzen glätten. Auch bidirektionales Laden von Elektroautos wird als Zusatzoption vorgeschlagen. Beim bidirektionalen Laden wird die Batterie eines E-Autos als Zwischenspeicher genutzt und damit das Netz aktiv entlastet. Später kann der Strom aus der E-Auto-Batterie ins Netz zurückgespeist werden. Damit können Eigentümer auch Geld verdienen – bis zu 900 Euro im Jahr im besten Fall. Für Verbraucher bedeuten die Ergebnisse, dass lokale PV-Anlagen mit Heimspeicher nicht zwingend das Problem sind. Wichtig ist aber, dass Netz und Anlagen klug zusammenspielen. Dabei verweist die Studie unter anderem auf den rechtlichen Rahmen mit Anschluss- und Netzausbaupflicht sowie auf § 14a EnWG, der steuerbare Verbrauchseinrichtungen in Engpassfällen nur gedimmt, nicht abgeschaltet werden dürfen. Laut E3/DC gibt es also kein pauschales Netzproblem, sondern Stellschrauben, mit denen künftige Schwierigkeiten rechtzeitig vermieden werden können. Regierung plant ebenfalls Maßnahmen Auch die aktuelle Bundesregierung will das Problem mit den Sonnenstrom-Überschüssen an Feiertagen angehen. Dazu liegt ein Arbeitsentwurf für das Erneuerbare-Energie-Gesetz vor. Kernstück des Entwurfs ist es, dass Netzbetreiber Photovoltaik-Anlagen steuern können. Diese Möglichkeit basiert auf der in Wechselrichtern vorhandenen Technik. Damit sollen Netzbetreiber im Notfall PV-Anlagen drosseln können, um das Netz bei Überlastung zu entlasten – ein komplettes "Vom-Netz-Nehmen" ist jedoch nicht möglich. Allerdings gilt die Fernsteuerpflicht nicht für alle Bestandsanlagen. Anlagen bis 25 kW mit EEG-Vergütung sind nicht fernsteuerbar, sondern unterliegen nur einer 60-Prozent-Einspeisebegrenzung. Nur Anlagen über 7 kW mit intelligentem Messsystem plus Steuerbox müssen fernsteuerbar sein. Zudem sieht der Entwurf eine Spitzenkappung auf 50 Prozent für Neuanlagen vor. Sie soll als Anreiz für netzdienliche Speicherung dienen. Eine weitere Maßnahme, die die Bundesregierung plant, ist die Abschaffung der Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen bis 25 kW ab 2027 . Dadurch sollen Anlagenbesitzer motiviert werden, ihren generierten Strom selbst zu verbrauchen, statt ihn ins Netz zu speisen. Die rechtliche Verbindlichkeit ist jedoch noch nicht geklärt – aktuell gilt weiterhin das EEG 2023 mit fester Einspeisevergütung von 7,78 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Kritiker bemängeln jedoch, dass die Regierung stattdessen den Ausbau von Solaranlagen bremse, statt Infrastruktur wie regelbare Ortsnetztransformatoren (rONT) nachzurüsten. Sie bezeichnen diesen Ansatz als Kapitulation statt Energiepolitik, da die Technik für eine Netzstabilisierung bereits vorhanden sei, aber viel zu zögerlich eingesetzt werde. Die E3/DC-Studie zeigt jedoch, dass gerade regelbare Ortsnetztransformatoren die Aufnahmekapazität eines Ortsnetzes verdreifachen könnten, ohne teure Tiefbauarbeiten zu erfordern