Iran-Krieg: Deutschlands Wirtschaft brechen die Aufträge weg
Kurzzeitig führte der Iran-Krieg dazu, dass viele Bestellungen vorgezogen wurden. Das stützte deutsche Firmen. Nun schlägt die Krise in Nahost aber massiv zurück. Die Aufträge für die deutsche Industrie sind im April fast doppelt so stark eingebrochen wie erwartet. Das Neugeschäft fiel um 3,8 Prozent geringer aus als im Vormonat, wie die Behörden am Montag mitteilten. Dafür sorgte die schwächere Nachfrage aus den Euro-Ländern und in wichtigen Branchen wie dem Auto- und Maschinenbau. "Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Der Einbruch sei zwar vor allem eine Gegenbewegung zum starken Anstieg im März, als im ersten Monat des Nahost-Kriegs viele Unternehmen Bestellungen aus Angst vor kriegsbedingten Lieferproblemen vorgezogen hatten. Der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima lasse aber keine baldige Erholung erwarten. "Vielmehr dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal etwas schrumpfen", sagte Krämer. Überblick: Alle Entwicklungen im Iran-Newsblog Düngemittel: Landwirte warnen vor Kostenexplosion Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose schon im vergangenen Monat korrigiert. Vor allem die steigenden Energiepreise infolge des Kriegs in Nahost machen den Unternehmen zu schaffen. So notierte das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim : "Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders relevant, da die Volkswirtschaft stark energieabhängig ist." Die Warnung der Mannheimer Fachleute: ". Je länger die militärischen Auseinandersetzungen andauern und je stärker sie die Energieversorgung beeinträchtigen, desto größer dürften die negativen Effekte auf Inflation und Konjunktur ausfallen." Vor allem Autoindustrie und Maschinenbau zittern Diese Prognose spiegelt sich nun auch in den offiziellen Daten wider. Demnach ist die negative Entwicklung auf die deutlichen Rückgänge in der Automobilindustrie (minus 5,3 Prozent) und bei den Herstellern von elektrischer Ausrüstung (minus 16,3 Prozent) zurückzuführen. Auch die Maschinenbauer litten unter einer sinkenden Nachfrage (minus 7,4 Prozent). Werden Großaufträge ausgeklammert, schrumpften die Bestellungen im April ebenfalls um 3,8 Prozent. Die Auslandsaufträge gaben um 4,2 Prozent nach. Dabei brachen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 11,1 Prozent ein, während die aus dem übrigen Ausland um 0,8 Prozent zulegten. Die Inlandsaufträge sanken um 2,9 Prozent. Der am 28. Februar ausgebrochene Iran-Krieg sorgt für große Unsicherheit, hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und zieht Lieferengpässe nach sich. Im Mai berichteten 15,9 Prozent der Betriebe von Engpässen bei der Versorgung mit Vorprodukten, wie das Ifo-Institut per Umfrage herausfand. Im April lag der Anteil noch bei 13,8 Prozent. "Die Lieferketten bleiben angespannt", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Vor allem Branchen mit hohem Bedarf an öl- und energieintensiven Vorprodukten spüren die Folgen der geopolitischen Spannungen."
