Verbrenner-Aus: EVP greift Klimapläne der EU-Kommission an
Die EVP-Fraktion im Europaparlament möchte die Regeln für Elektroautos lockern. Künftig sollen auch SUVs Bonuspunkte beim CO2-Ausstoß erhalten. Andere Parteien bremsen. Hinter den Kulissen in Brüssel formiert sich ein Bündnis zur Entlastung der Automobilindustrie . Nach Informationen der "Automobilwoche" plant die Europäische Volkspartei (EVP), eine wichtige Längengrenze für Elektroautos zu kippen. Bislang begünstigt die EU vor allem kleine Fahrzeuge. Fällt das Limit, bekommen auch Limousinen und schwere SUVs die Sonderrechte. Tricks mit der Statistik Der Streit dreht sich um die Supercredits. Diese Bonuspunkte ermöglichen es Herstellern, Elektroautos bei den Flottenemissionen höher zu gewichten. Wer sie nutzt, kann den CO2-Schnitt seiner verkauften Autos auf dem Papier senken und so teuren EU-Strafen entgehen. Bisher zieht die EU-Kommission jedoch enge Grenzen. Nur in Europa gebaute Autos erhalten den Bonus. Zudem dürfen sie höchstens 4,20 Meter lang sein und maximal 17,5 Kilowattstunden Strom je 100 Kilometer verbrauchen. Die Hürde für Luxusautos Beim Stromverbrauch erfüllen nach dem WLTP-Messverfahren allerdings auch größere Modelle die Vorgaben, beispielsweise das Tesla Model Y sowie Varianten des neuen BMW iX3 und des Mercedes GLC. Sie scheitern bisher nur an der erlaubten Länge. Streicht das Parlament die Längenbegrenzung, hat das weitreichende Folgen: Experten schätzen, dass dann die Hälfte aller Elektroautos die begehrten Supercredits erhält. Mehr Zeit für den Verbrenner Vom aktuellen Entwurf der Kommission profitieren vor allem Stellantis, Renault und Volkswagen . Sie bauen kleine Stromer wie den Renault 5 E-Tech und den Fiat 500e in Europa. Die Kommission will bevorzugte Fahrzeuge mit dem Faktor 1,3 gewichten. Ein verkauftes E-SUV zählt in der Statistik dann als 1,3 Autos. Dadurch sinkt der CO2-Schnitt der Hersteller künstlich auf dem Papier. Das bringt den Autokonzernen zwei Vorteile: Bis 2035 erfüllen sie die Abgasziele leichter. Nach 2035 gewinnen sie Spielraum, um weiterhin Verbrenner zu verkaufen. Denn für dieses Paket plant die EU-Kommission ab 2035 keine vollständige Nullvorgabe mehr, sondern verlangt eine Senkung der CO2-Emissionen um 90 Prozent. Die Frist läuft ab Die Debatte fußt auf dem "Automotive Package", das die EU-Kommission im vergangenen Dezember vorgelegt hat. Bereits bis zum morgigen Dienstag (9. Juni) muss die EVP ihren Änderungsantrag einreichen, damit der Umweltausschuss darüber berät. Während die EVP drängt, zeigen sich Sozialdemokraten, Liberale und Grüne skeptisch. Das Parlament will bis November eine gemeinsame Position finden. Die Neuregelung greift jedoch erst, wenn sich das Europaparlament und die EU-Staaten auf einen Gesetzestext einigen.
