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Belfast: Ausschreitungen nach Messerangriff – Musk heizt Mob an

Ausgebrannte Autos, eingeschlagene Fensterscheiben: In Belfast tobt nach einem Messerangriff ein gewaltbereiter Mob. Als Brandbeschleuniger betätigt sich mal wieder der reichste Mann der Welt. Das am häufigsten bombardierte Hotel der Welt steht in Belfast. Insgesamt 33 Mal war das "Europa Hotel" zwischen 1970 und 1994 während des Nordirlandkonflikts Ziel von Sprengstoffanschlägen der IRA. Das Haus ist bis heute in vollem Betrieb, von außen und innen bewundernswert (ich kann das Café und die Kuchen dort empfehlen) und trägt den Spitznamen "Fortress Europa". Das Vier-Sterne-Haus symbolisiert Widerstandsfähigkeit – und den inzwischen eingekehrten Frieden in Belfast. Der Nordirlandkonflikt hat tiefe Wunden geschlagen in das Land, in die Bevölkerung. Noch heute kann man die Käfige an den Häusern nahe der Grenze zum anderen Teil Belfasts besichtigen: Sie wurden an die Häuser montiert, um sie zu schützen vor Geschossen und rübergeworfenem Unrat von der jeweils anderen Seite. Anlass war ein Messerangriff Was man derzeit auch besichtigen kann in Belfast, ist erneut ein Ausnahmezustand . Anlass ist ein Messerangriff, bei dem ein Mensch schwer verletzt wurde. Auslöser ist ein Video, das von der Tat gepostet wurde – und angeheizt wird all das von einem rechtsradikalen Mob, der als Einpeitscher niemand Geringeren hinter sich weiß als Elon Musk . Was ist passiert? Am Montagabend wurde in Belfast ein Mann mit einem Messer schwer verletzt. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Polizei um einen 30-jährigen Asylbewerber aus dem Sudan. Er wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt und soll einem Richter vorgeführt werden. Eine furchtbare Tat, die selbstverständlich bestraft werden muss und zur Abschiebung des Täters führen sollte. Da oft Fragen dazu kommen: Diejenigen unter uns Journalisten, die sich an den Berufskodex halten, schreiben so lange "mutmaßlich", bis jemand verurteilt ist. Das ist keine Parteinahme. Sondern exakt das Gegenteil. Wir sind keine Richter, sondern Beobachter. Ausnahmen machen wir, wenn komplett einwandfrei klar ist, wer der Täter war. So zum Beispiel beim Amokfahrer von Magdeburg , der direkt nach seiner entsetzlichen Tat aus dem Auto stieg, mit dem er über den Weihnachtsmarkt gefahren war. Steilvorlage für Fremdenhass Zurück zur Tat in Belfast. Es gibt ein Video, in dem zu sehen ist, wie der Angreifer mitten auf einer Straße auf einem blutüberströmten Mann sitzt und diesen mit einem Messer misshandelt. Dieses Video wurde in den sozialen Netzwerken gepostet – trotz Bitten der Polizei, die sich wohl auf der ganzen Welt wünscht, die sozialen Netzwerke wären nie erfunden worden. Es kam, wie es leider inzwischen fast schon kommen muss: Rechtsextreme Aktivisten riefen zu Kundgebungen auf. Nicht zu Kundgebungen gegen Gewalt, nicht zu Kundgebungen für messerfreie Zonen (so naiv diese Idee auch ist) – nein, zu Kundgebungen gegen Einwanderung. Es gibt wieder eine Steilvorlage für Fremdenhass – und die Mechanismen von Social Media verstärken ihn willfährig. So rief neben anderen der einschlägig bekannte Tommy Robinson zu einer Kundgebung auf. Ob er wirklich nur eine Kundgebung im Sinn hatte, weiß nur er. Was wir aber über ihn wissen: Er ist ein Rechtsradikaler, er ist ein mehrfach verurteilter Krimineller – und er ist wieder auf Twitter aktiv, seitdem es X heißt und Elon Musk gehört. Nach dessen Übernahme wurde Robinsons Sperre dort aufgehoben. Schon wieder er Und so war es auch Musk, der sich nun eifrig an der Hetze auf seiner Plattform beteiligte, das Video verbreitete sowie Ankündigungen von und Aufrufe zu Protesten. Auch, wenn schon eine gewisse Abstumpfung bei uns allen eingesetzt hat – man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Elon Musk, der reichste Mann der Welt, unterstützt mit seiner Macht das Böse. Schon wieder. Denn die Proteste blieben natürlich nicht friedlich. Autos brannten, Busse brannten. Die BBC berichtet von einer "apokalyptischen" Atmosphäre in Belfast. Am Dienstagabend war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Protestierenden und der Polizei gekommen. Fernsehbilder zeigen brennende Gebäude. Laut der Nachrichtenagentur AFP mussten Bewohner von der Feuerwehr aus Häusern geholt werden. In Southampton in Südengland marschierten Menschen vor einem Hotel auf, in dem Asylsuchende untergebracht sind. Vielleicht sollte man dort demonstrieren Nordirlands Regierungschefin schrieb nach diesen verabscheuungswürdigen Ausschreitungen von "widerlicher Feigheit" in Bezug auf diejenigen, die sie befeuert hatten. Übrigens: Mehrere Tech-Riesen haben ihre Europazentrale in der irischen Hauptstadt Dublin. Auch X. Unter anderem deshalb, weil es steuerlich interessant ist, freundlich formuliert. Irland tut viel dafür, die großen Konzerne am Standort zu halten. Und X tut viel dafür, die polarisierte Stimmung in Europa anzuheizen. Vielleicht könnte man ja auch mal dort demonstrieren. Und damit meine ich ausdrücklich friedlich.