Ausschreitungen in Belfast: Das ist bislang über die Proteste bekannt
In Belfast brennen Autos und Häuser, Migranten werden gezielt angegriffen. Auslöser war eine brutale Messerattacke. Doch viele Fragen bleiben offen. Nach schweren Ausschreitungen in Belfast und weiteren britischen Städten ist das Entsetzen in Großbritannien groß. In der nordirischen Hauptstadt setzten Randalierer Fahrzeuge in Brand, griffen Polizisten an und attackierten Wohnhäuser. Auslöser der Proteste war offenbar eine brutale Messerattacke eines sudanesischen Flüchtlings auf einen Mann in Belfast. Ein Video der Tat wurde zahlreich in sozialen Netzwerken geteilt. Viele Fragen sind weiterhin offen. Was ist über die Tat bekannt? Wer steckt hinter den Ausschreitungen? Ein Überblick. Mehrere Unruheherde in Nordirland Am Dienstagabend kam es an mehreren Orten in Nordirland zu Unruhen. Das bestätigte die Polizei. Nach übereinstimmenden Medienberichten eskalierte die Lage besonders in Belfast. Dort wurden Häuser, Autos und ein Bus angezündet, Bewohner flüchteten aus brennenden Häusern. Die Feuerwehr wurde zu 62 Einsätzen gerufen, die meisten davon im Raum Belfast. Auch in Southampton in Südengland kam es zu einer Protestkundgebung vor einem Hotel, in dem Asylsuchende untergebracht waren. Hinweise auf ausländerfeindliche Angriffe Mehrere britische Medien beschreiben die Ausschreitungen als ausländerfeindlich oder rassistisch geprägt. Der "Telegraph" berichtet, maskierte Randalierer hätten gezielt Häuser von Migranten angegriffen. Männer seien von Tür zu Tür gegangen und hätten gefordert, "die Ausländer rauszuholen", sagte die nordirische SDLP-Politikerin Claire Hanna der BBC. Auch Nordirlands Regierungschefin Michelle O'Neill zeigte sich entsetzt über das Vorgehen "maskierter Männer", die Familien in ihren Wohnungen attackierten. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von Hunderten Menschen, die sich an verschiedenen Orten in Belfast versammelt hätten. Eine Gruppe von etwa 100 maskierten Personen sei durch die Newtownards Road gezogen, habe Häuser angegriffen und Fahrzeuge angezündet, berichtet die BBC. Das ist über den Messerangriff bekannt Auslöser der Krawalle war eine Messerattacke am Montagabend in Nord-Belfast. Ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan soll einen Mann in den Vierzigern in der Kinnaird Avenue mit einem Messer schwer verletzt haben. Die Tat wurde gefilmt und verbreitete sich rasch in sozialen Netzwerken. Der Verdächtige wurde wegen versuchten Mordes festgenommen. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen an Augen, Hals, Gesicht und Rücken und befindet sich weiterhin im Krankenhaus. Wie das Gericht mittlerweile mitteilte, hat der Angegriffene sein linkes Auge verloren. Die Polizei bat die Bevölkerung, die Videoaufnahmen nicht weiterzuverbreiten. Der Beschuldigte lebt nach Angaben der britischen Behörden als anerkannter Flüchtling legal im Vereinigten Königreich und verfügt über eine Aufenthaltserlaubnis bis 2028. Debatte seit Jahren aufgeheizt Die Ausschreitungen sind die Folge einer ohnehin angespannten Stimmung. Großbritannien erlebt seit Jahren eine zunehmend aufgeheizte Debatte über Migration, Kriminalität und die Unterbringung von Asylsuchenden. Immer wieder sorgen Gewalttaten mit migrantischen Tatverdächtigen für politische Kontroversen. Vor allem rechtsextreme Akteure nutzen solche Fälle, um gegen Einwanderung zu mobilisieren und Proteste zu organisieren. Bereits eine Woche vor den Krawallen in Belfast war es in Southampton zu Protesten gekommen. Auslöser war die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen der Polizei nach der tödlichen Messerattacke des 23-jährigen Vickrum Digwa auf den 18-jährigen Studenten Henry Nowak. Die Videos zeigten, wie Beamte dem schwer verletzten Opfer Handschellen anlegten, weil ihnen der Bruder des Täters erzählt hatte, Nowak habe Digwa rassistisch beleidigt. Erst als Henry Nowak nicht mehr reagierte, begannen die Polizisten mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Was ist noch unklar? Nicht abschließend geklärt ist, wie viele Menschen sich insgesamt an den Krawallen in Belfast beteiligten. Die Polizei machte bislang ebenfalls noch keine Angaben dazu, ob und wie viele Festnahmen es im Kontext der Ausschreitungen gab. Unklar ist auch, ob und wie die Ausschreitungen koordiniert wurden. Die Polizei sprach lediglich von mehreren Unruheherden in Nordirland. Ob es Drahtzieher, organisierte Gruppen oder eine gezielte Mobilisierung vor Ort gab, ist nach den vorliegenden Informationen nicht bestätigt. Sicher ist: Zu den Demonstrationen in mehreren Städten hatten rechtsextreme Aktivisten aufgerufen, darunter auch der bekannte Rechtsradikale Tommy Robinson. Der US-Milliardär Elon Musk ermutigte die Protestierenden im Onlinedienst X, "wiederholt und laut" auf die Straße zu gehen. Auch zu der blutigen Messerattacke, von der Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, gibt es viele offene Fragen. Die Ermittler haben bislang keine Informationen zum Motiv veröffentlicht. Offen ist auch, ob sich Täter und Opfer kannten oder ob es sich um einen wahllosen Angriff handelte. Die Polizei betont zwar, dass es derzeit keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe. Welche Erkenntnisse dieser Einschätzung zugrunde liegen, haben die Behörden bisher jedoch nicht erläutert. Ebenso wenig ist bekannt, ob der Verdächtige den Sicherheitsbehörden bereits vor der Tat aufgefallen war.
