Fiat Grande Panda im Test: Das kann der Stadtwagen als E-Auto
Mit seinem eigenständigen Stil will der Fiat Grande Panda die Herzen erobern. Der elektrische Stadtflitzer punktet in vielen Kapiteln, doch zeigt auch Schwächen. Mit dem Grande Panda hat Fiat ein Auto gebaut, das auffallen will. Als wir die Elektroversion im Winter erstmals testeten, blieb allerdings weniger das sympathische Design in Erinnerung als eine ziemlich frustrierende Erfahrung: Auf einer Fahrt von Berlin nach Wolfsburg zeigte sich der Kleinwagen zickig beim Schnellladen. Mehrfach brach der Ladevorgang an Schnellladesäulen ab oder kam gar nicht erst zustande. Aus etwas mehr als 200 Kilometern wurde eine viereinhalbstündige Odyssee, mit Reichweiten um die 100 Kilometer und hohem Stresslevel. Hinzu kam ein Infotainment, das regelmäßig – passend zu den Temperaturen – einfror oder komplett abstürzte. Fiat versprach damals Besserung. Unter anderem sollte ein neues On-Board-Ladegerät bei allen künftigen Exemplaren die Probleme beheben. Fünf Monate später stand erneut ein Grande Panda Elektro vor der Redaktionstür, nicht mehr im knalligen Geld, sondern in einem Graublau. Und tatsächlich: Die Kommunikationsprobleme mit Schnellladesäulen traten im Test nicht mehr auf, der Fiat lud zuverlässig mit bis zu 100 kW auf. Und auch das Infotainment machte keine Probleme mehr. Außerdem gab es weitere kleine Verbesserungen wie eine Automatik für die elektrischen Fensterheber, die die Scheiben bei einem Tipp am Schalter vollständig öffnet oder schließt. Und wie schlägt sich der Elektro-Fiat sonst im Alltagstest? Mit seinen kantigen Formen, den geprägten Fiat- und Panda-Schriftzügen im Blech und den auffälligen Rückleuchten im Bauklotz-Design wirkt er freundlich und eigenständig. Auch Mitfahrer sprachen immer wieder den Look und vor allem das Innenraumdesign mit gelben Akzenten und dem oben liegenden Handschuhfach mit Bambusfasern (in der Topausstattung "La Prima") an. Klar, es dominiert Hartplastik – aber nicht lieblos, sondern kreativ und zu schönen Formen verarbeitet. Der digitale Instrumententräger misst 10 Zoll, ebenso wie der zentrale Touchscreen. Der Grande Panda hat Charme – und hebt sich wohltuend von vielen anderen Kleinwagen ab. Verbunden sind beide über einen Rahmen, der an die historische Teststrecke auf dem Fiat-Werksdach in Turin erinnert – inklusive Miniatur-Panda. Die Bedienung ist unkompliziert: keine überfrachteten Menüs, keine verschachtelten Funktionen. Tempowarner und Co. lassen sich einfach per Knopfdruck abschalten. Und das alles in einem stimmigen Farbmix mit markantem "Tasmania-Blau", mit gepolsterten Armablagen in den Türen und gelben Akzenten. Die schwarze Hochglanzfläche in der Mittelkonsole rund um den Gangwahlschalter ist jedoch anfällig für Kratzer, zudem merkt man den Sparkurs an fehlenden Haltegriffen im Dachhimmel, der blechern schließenden Heckklappe oder an fehlenden Spiegeln in den Sonnenblenden. Vorn sitzt man ordentlich, hinten wird’s klassentypisch eng. Wenn vorn jemand mit über 1,85 Metern Körpergröße Platz nimmt, wird es auf der Rückbank schnell unbequem – Mitfahrer müssen sich fast schon "herausschälen". Dafür ist der Kofferraum mit 361 Litern ausreichend groß, allerdings fehlt ein doppelter Ladeboden. Das bedeutet: Die Tasche mit dem Ladekabel muss hin und her geräumt werden. Auch technisch bleibt der Panda eher einfach gestrickt. Gestartet wird auch in der Top-Ausstattung per Zündschlüssel, die Fahrstufen werden in der Mittelkonsole eingelegt, und los geht die Fahrt. Doch es gibt lediglich zwei Rekuperationsstufen zur Energierückgewinnung beim Loslassen des Fahrpedals; eine Auto-Hold-Funktion, die beim Stopp an der Ampel das Auto festhält, fehlt. Der Tempomat hält schlicht das eingestellte Tempo, ohne sich auf den Vordermann einzustellen, und die Zahl der Assistenzsysteme bleibt überschaubar. Das macht die Bedienung einerseits angenehm unkompliziert und gibt einem das Gefühl, vom Auto nicht bevormundet zu werden. Gleichzeitig setzt der Panda gegenüber manchen Konkurrenten wenig Akzente. Im Bordcomputer fehlt außerdem eine Anzeige für den Durchschnittsverbrauch. Im Alltag zeigte sich, dass die angegebenen 320 Kilometer bei sommerlichen Temperaturen realistisch sind, wenn man hauptsächlich in der Stadt und bei Landstraßentempo unterwegs ist. Mit seinen 3,99 Metern Länge ist er gut geeignet für engere Straßen und Parklücken. Dass er dabei nicht mehr ganz so kompakt ist wie sein legendärer Namensvetter aus den 1980er-Jahren, sei ihm verziehen. Das Fahrwerk wird vor allem jene überzeugen, die es nicht sportlich-straff mögen: Auf Berliner Buckelpisten schluckten die Stoßdämpfer in Kombination mit den 17-Zoll-Rädern manche Unebenheit besser weg als eine Luxuslimousine mit riesigen Rädern. Der Antrieb ist unaufgeregt, leise und solide. Der 113 PS starke Motor bietet genug Schub für die City und reicht auch locker aus, um auf der Landstraße oder Autobahn mitzuschwimmen. Das geht alles in Ordnung, macht auch Spaß, wenn der Stadtflitzer beim Ampelstart manch deutlich stärker motorisiertes Gefährt hinter sich lässt. Was aber klar sein muss: Wintertemperaturen in Kombination mit längeren Strecken sind nicht die Lieblingsdisziplin dieses Autos. Das gilt allerdings nicht nur für den Grande Panda. Kälte kostet bei Elektroautos Reichweite, und ein Kleinwagen mit vergleichsweise kompaktem Akku kann diese physikalischen Nachteile naturgemäß weniger gut kaschieren als größere und teurere Modelle. Mit 100 Prozent Akku gestartet, war bei der Fahrt bei minus 5 Grad nach 120 Kilometern mit Tempo 100 auf der Autobahn die erste Ladung nötig. Realverbrauch bei Kälte: mehr als 30 kWh – mangels Verbrauchsanzeige lässt sich dies nur grob schätzen. Bei Landstraßen-Tempo (mit Dörfern dazwischen) und ähnlichen Temperaturen lag die Reichweite bei rund 150 Kilometern, im besten Fall waren es hochgerechnet rund 190 Kilometer (im Gegensatz zu bis zu 320 im Sommer). Zumindest besteht die Möglichkeit, den Innenraum per Zeitplan rechtzeitig zur Abfahrt vorzuheizen – oder im Sommer zu kühlen, wenn das Auto noch am Strom hängt. Wer wenig Langstrecken bewältigen muss und am besten eine Wallbox zu Hause hat, kommt damit klar. Der Testwagen trat als Grande Panda La Prima an. Die Ausstattung umfasst unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrisch verstell-, beheiz- und einklappbare Außenspiegel, ein Navigationssystem sowie eine Klimaautomatik. Positiv: Die Schnellladeleistung von bis zu 100 kW gehört unabhängig von der Ausstattung immer dazu. Das kostet der elektrische Grande Panda Der Preis für den Grande Panda in der getesteten Topvariante La Prima mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Navi, Klimaautomatik und anderen Extras wie Mittelarmlehne liegt bei 29.990 Euro, die Basisvariante kostet 24.990 Euro. Im Testwagen kamen die Lackierung in Lago Blau für 700 Euro sowie das Winterpaket mit Lenkradheizung, Sitzheizung und beheizbarer Frontscheibe für 500 Euro hinzu. Macht insgesamt 31.190 Euro. Ein Kleinwagen für die Stadt Der Grande Panda ist ein sympathisches Auto mit eigenständigem Charakter. Die Ladeprobleme, die den ersten Test überschattet hatten, scheinen inzwischen gelöst zu sein. Doch auch ohne diese Schwäche zeigt sich: Der Fiat ist vor allem ein Stadtauto. Wer genau das sucht, bekommt einen unkomplizierten Begleiter mit viel Charme. Wer häufig lange Strecken fährt, findet für rund 31.000 Euro inzwischen Alternativen, die mehr Reichweite und mehr Komfort bieten, beispielsweise den Hyundai Inster . Doch es gibt einen Lichtblick für diejenigen, die den Panda charmant finden, aber eben regelmäßig außerhalb der Stadt unterwegs sind oder ihn als E-Auto einfach zu teuer finden: Es gibt auch eine Mild-Hybrid-Variante mit Benzinmotor. Die ist mit Preisen ab 18.990 Euro auch noch deutlich günstiger.
