Hamburg: Eltern fordern Zebrastreifen vor Fanny-Hensel-Schule – vergeblich
Seit rund anderthalb Jahren kämpfen Eltern für einen Zebrastreifen vor der Fanny-Hensel-Schule . Obwohl das Überqueren der Straße auch aus Sicht des Bezirksamts gefährlich sein kann, bleibt die Umsetzung bislang aus. Vor der Fanny-Hensel-Schule in Barmbek-Süd soll ein Zebrastreifen entstehen, damit die Kinder sicherer zur Grundschule gelangen. Das fordert zumindest der Elternrat. Denn die Schüler müssen sich derzeit zwischen parkenden Autos hervortasten, während Fahrzeuge vorbeifahren, sagt Elternratsvertreter Jan Siemens der t-online-Regionalredaktion in Hamburg. Schon seit Anfang 2025 setzt er sich für einen sicheren Übergang ein, hat inzwischen auch Unterstützung aus der Politik erhalten. Doch getan hat sich noch nichts. "Eigentlich sollen alle Kinder sicher zur Schule gehen können", sagt Jan Siemens. Als er sich vor Jahren intensiv mit dem Schulweg seiner Tochter auseinandersetzte, fiel ihm auf, wie schwierig die Querung der Straße für Kinder sein kann. "Die Straße ist sehr breit und lädt zum Schnellfahren ein", so Siemens. Dazu kommen Lieferverkehr und viele parkende Autos. "Vor ihnen Lieferwagen, hinter ihnen Lieferwagen" Zwar gibt es weiter oben in der Straße eine Verkehrsinsel als Querungshilfe, die halte Siemens aber für ungeeignet. "Da stehen Kinder, die gerade einmal 1,20 Meter groß sind, zwischen Fahrzeugen. Vor ihnen Lieferwagen, hinter ihnen Lieferwagen", sagt er. Also wandte sich Siemens Anfang 2025 an Polizei und Bezirksamt, um die Situation prüfen zu lassen. In der Folge wurden unter anderem Verkehrszählungen und Messungen durchgeführt. Nach Angaben des Elternrats ergaben die Untersuchungen, dass die Voraussetzungen für einen Zebrastreifen grundsätzlich erfüllt seien – doch eine Umsetzung blieb aus. Die Eltern starteten daraufhin eine Petition. Inzwischen hat das Anliegen auch politische Unterstützung bekommen. Der Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg sprach sich Anfang Juni einstimmig für einen Zebrastreifen aus. In der Beschlussempfehlung verweist das Gremium auf die Petition des Elternrats, die steigende Zahl von Verkehrsunfällen mit Kindern und die wachsende Zahl von Schülerinnen und Schülern an der Fanny-Hensel-Schule. Bezirksamt: Situation ist "grundsätzlich verbesserungswürdig" Auch das Bezirksamt Hamburg-Nord sieht Handlungsbedarf. Auf Anfrage von t-online teilte eine Sprecherin mit, die Querungssituation entlang der Von-Essen-Straße sei "grundsätzlich verbesserungswürdig, insbesondere für Kinder". Eine erste Vorprüfung habe ergeben, dass ein Zebrastreifen an der Einmündung Hansdorfer Straße/Von-Essen-Straße umgesetzt werden könnte. Bislang ist das aber noch nicht geschehen. Nach Angaben des Bezirksamts müssen zunächst die Rahmenbedingungen für Planung und Bau geschaffen werden. So müssten unter anderem Fragen der Barrierefreiheit und der Beleuchtung geklärt werden. Das müssen Eltern wissen: Hamburger Schule verabschiedet klassischen Schulranzen Handys an Schulen: "Ich habe Sorge, dass Schüler das eigene Denken verlernen" Zudem liegt bislang noch keine formelle Anordnung der Polizei vor. Diese sei bisher lediglich mündlich in Aussicht gestellt worden und solle erst erfolgen, wenn die bauliche Umsetzung geklärt sei, teilte das Bezirksamt mit. Frage der Finanzierung bleibt vorerst offen Unklar ist auch die Finanzierung. Eine Kostenschätzung wurde bisher noch nicht vorgenommen, so die Sprecherin. Derzeit kommen zwei Möglichkeiten infrage: Entweder könne der Zebrastreifen Teil eines neuen bezirksweiten Programms für Querungsstellen werden oder im Zuge einer größeren Verkehrsberuhigungsmaßnahme in der Von-Essen-Straße umgesetzt werden. Die Finanzierung müsste dann über das stadtweite Bündnis für den Rad- und Fußverkehr erfolgen. Die Entscheidung darüber treffe wiederum die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende. Wann ein Zebrastreifen eingerichtet wird, ist unklar. "Eine zuverlässige Prognose zur Umsetzung kann derzeit nicht gegeben werden, da zunächst die oben beschriebenen Entscheidungen von allen Beteiligten getroffen werden müssen", so die Sprecherin. Für Siemens ist das schwer nachvollziehbar. Schließlich geht es um die Sicherheit von Kindern. "Es geht hier um das Wertvollste, was wir haben", sagt er und fügt hinzu: "Wir wollen nicht warten, bis etwas passiert." Dennoch blickt Siemens positiv auf die vergangenen Monate. Viele Familien, Nachbarn und lokale Geschäfte hätten die Petition unterstützt. "Die Resonanz war unglaublich positiv", sagt er und ergänzt: "Für die Kinder ist das auch ein Lehrstück Demokratie." Viele Schülerinnen und Schüler hätten selbst Unterschriften gesammelt und Nachbarn um Unterstützung gebeten. "Sie erleben, dass man gemeinsam etwas bewegen kann."
